Sexting: Die nackte Wahrheit

Der Trend kommt aus Amerika, wird jedoch auch in Deutschland unter Jugendlichen immer beliebter: Das Versenden von sexuellen Nachrichten, Bildern oder Filmen, auch Sexting genannt. Aber was macht Sexting so cool? Und was können Eltern tun, wenn ihr Kind Opfer oder Täter von Sexting und Cybermobbing wird?

Was ist Sexting?

Haben Sie schon einmal von Sexting gehört? Die meisten Erwachsenen, aber auch viele Kinder und Jugendliche schauen ziemlich ratlos, wenn man sie danach fragt.
Das Wort setzt sich aus den Wörtern „sex” und „texting” (englisch für „simsen”) zusammen und bezeichnet das digitale Verschicken von sexuellen Inhalten wie Texte, Bilder aber auch Filme. Mittlerweile ist Sexting unter Jugendlichen sowie unter Erwachsenen sehr verbreitet.

Sexting ist aufregend und cool

Gerade in der Pubertät, in der sich Jugendliche mit den Fragen beschäftigen „Wie attraktiv bin ich?”, „Wie komme ich an?”, „Was sagen andere zu mir?”, „Und wie fühle ich mich dabei?” sehen sie im Sexting eine mögliche Art, sich auszuprobieren und viel über sich selbst und andere zu lernen. Allerdings gehört eine Portion Mut dazu und natürlich ein großes Vertrauen in den Empfänger oder die Empfängerin der Nachricht. Für Jugendliche ist Sexting aufregend, cool und erscheint im ersten Moment als sicher: Man ist in einem geschützten Raum – bei sich zu Hause oder bei Freunden – macht nur ein Foto oder ein Filmchen und schickt es dann an seinen Schwarm. Da ist doch nichts dabei, oder?

Sexting ist ein großes Risiko

Es stimmt! Erst einmal ist nichts dabei, einer Freundin oder einem Freund ein sexy Bild zu schicken. Und doch geht jeder, der eine digitale Nachricht mit sexuellem Inhalt verschickt, ein sehr großes Risiko ein. Wenn ein Foto oder ein Film erst einmal per WhatsApp, Skype, Facebook o. ä. versandt wurde, verliert der Sender jegliche Kontrolle. Denn jeder, der diesen Inhalt in die Hände bekommt, kann ihn kopieren, verändern und verbreiten. Wirklich jeder!
Das kann der Freund oder die Freundin sein, die einen schlechten Tag hat und das Foto einfach weiterverschickt oder jemand, der eifersüchtig ist, und sich nur mal einen kleinen Spaß erlauben will.

Wenn aus „Spaß“ Cybermobbing wird

Solche Späße laufen sehr schnell aus dem Ruder. Die Bilder oder Filme verbreiten sich in Windeseile in der Schule, im Ort, im Verein, überall. Oft werden sie gedankenlos einfach weitergeschickt nach dem Motto „Ist ja nur eine Nachricht.” Aber das stimmt leider nicht. Es ist viel mehr als das. Und jeder, der sich an der Verbreitung dieser Bilder oder Filme beteiligt, wird Teil des Cybermobs. In einigen Fällen gründen Kinder und Jugendliche sogar WhatsApp-Gruppen oder Facebook-Seiten, um das Mädchen oder den Jungen noch mehr in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Die Betroffenen werden stark gemobbt. Nicht nur, dass nun jeder in ihrer Umgebung die privaten Bilder oder Filme kennt, sie bekommen dazu noch schreckliche Nachrichten auf allen Kanälen und zu jeder Tages- und Nachtzeit: SMS, WhatsApp- und Facebook-Nachrichten oder ganz altmodisch am Telefon. Und in der Schule zerreißen sich alle das Maul. Wenn Kinder und Jugendliche in eine solche Situation geraten, haben sie das Gefühl zu ertrinken. Sie fühlen sich einsam und allein. Sie schämen sich und wissen nicht, an wen sie sich wenden können.

Sexting und sexueller Missbrauch

Erwachsene oder ältere Jugendliche, die darauf aus sind, Mädchen und Jungen zu missbrauchen, handeln sehr gezielt und strategisch. Das Internet gibt ihnen die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche leicht kennenzulernen: Die Profile in den Sozialen Medien enthalten oft schon viele für sie interessante Informationen zu dem jeweiligen Jungen oder Mädchen, an die sie anknüpfen können. Sie freunden sich mit den Kindern oder Jugendlichen an und manipulieren sie mit dem Ziel, diesen Kindern und Jugendlichen ein Sexting-Foto oder -Film zu entlocken. In ihren Händen wird das Bild oder das Video dann zu einem Drohmittel: „Wenn du nicht machst, was ich dir sage, schicke ich das Bild an alle deine Freunde, an deine Familie und an die Schule.” Leider sind diese Täterinnen und Täter nicht leicht zu erkennen und als solche zu identifizieren. Hinzu kommt, dass es mittlerweile organisierte Banden gibt, die ähnlich vorgehen und damit Geld machen. Sie erpressen ihr Opfer, fordern eine Summe Geld für das Nicht-Veröffentlichmachen eines Sexting-Bilds oder -Films.

Der wichtigste Rat: Vorsichtig und clever sein

Die Bandbreite von Sexting ist sehr vielfältig. Sie reicht von „Ich probiere mich aus und will sehen, wie ich wirke“ bis hin zu wirklich schweren Verbrechen. Das bedeutet für Kinder, Jugendliche und natürlich auch für Erwachsene, dass das digitale Versenden von den beschriebenen Bildern oder Filmen mit großer Vorsicht zu genießen sein muss.

Sexting und Cybermobbing: Was kann ich tun?

Ihr Kind ist betroffen:

  • Bewahren Sie Ruhe. Seien Sie vor allem dankbar über das Vertrauen Ihres Kindes.
  • Seien Sie verständnisvoll und nehmen Sie die Sorgen ernst.
  • Bei Sexting: Verurteilen Sie nicht die sexy Selbstdarstellung, sondern das, was damit passiert ist, nämlich die Verbreitung durch andere.
  • Bei Sexting: Versuchen Sie herauszufinden, wie es zum Verschicken des intimen Bildes kam. Wurde eventuell Druck auf Ihre Tochter oder Ihren Sohn ausgeübt?
  • Nehmen Sie mit der Person, die das Bild oder die gemeine Nachricht als erstes verbreitet hat, Kontakt auf und vermitteln Sie, dass Sie rechtliche Schritte [1] einleiten werden. (Manchmal reicht schon die Drohung.)
  • Findet das Mobbing hauptsächlich oder auch nur in Teilen in der Schule statt, kontaktieren Sie die Lehrerinnen und Lehrer und holen sich gegebenenfalls Hilfe von außen.

Wenn Ihr Kind an der Verbreitung von Sexting-Bildern oder -Filmen anderer bzw. Cybermobbing beteiligt ist:

  • Weisen Sie Ihr Kind auf die mögliche Strafbarkeit des Handelns hin und bestärken Sie es zur Wiedergutmachung.
  • Bei Sexting: Fragen Sie genau nach: Wo ist welches Bild wann gelandet? Wie können die Bilder gelöscht werden?
  • Fordern Sie Ihr Kind überzeugend und bestimmt auf, alle Bilder die jemals verbreiten worden sind, auch von anderen, sofort zu löschen.
  • Bei Cybermobbing: Halten Sie Ihr Kind bestimmt an, sich bei dem betroffenen Mädchen oder Jungen zu entschuldigen und sich nicht mehr an Mobbing-Aktionen zu beteiligen.
  • Regen Sie eine Wiedergutmachung an und fordern Sie auch andere Eltern auf, es Ihnen gleich zu tun.

Hier finden Sie kompetente Hilfe:

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Im Netz – Kinder vor sexueller Gewalt schützen

„Social Media sind fester Bestandteil im Leben von Kindern und Jugendlichen. Das Bedürfnis, sich zur Schau zu stellen, ist enorm und in ihrer kindlichen Unbefangenheit sind sich viele über die möglichen Konsequenzen gar nicht im Klaren. Jeder siebte Jugendliche hat schon einmal sexuelle Anmache im Internet erlebt. Die meisten Opfer sind zwischen 13 und 15 Jahren alt. Julia von Weiler beschreibt, welche Tricks die Täter anwenden und gibt den Eltern praktische Tipps zum Schutz der Kinder.“

Verlag Herder
Format: 12,0 x 19,0 cm, ca. 184 Seiten, Kartoniert
HERDER spektrum
ISBN 978-3-451-06747-1
€[D] ca. 8,99

Das Buch ist ab November 2014 erhältlich.


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