Studie: Kinder von Mathemuffeln werden selbst welche

Eltern, die beim Thema Mathe auf Durchzug schalten, sind keine guten Vorbilder für ihre Kinder. Eine neue Studie zeigt, dass das ernste Konsequenzen haben kann.

Motivierte Eltern haben motivierte Kinder

Der familiäre Hintergrund spielt eine entscheidende Rolle für die Motivation und die Leistung von Schülerinnen und Schülern. Ob sich die Unterstützung der Eltern beim Lernen positiv oder negativ auf die Leistung ihrer Kinder in der Schule auswirkt, ist davon abhängig, wie motiviert die Eltern sind. Das fanden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen heraus. Eltern, die sich nicht für Mathe interessieren und ihre eigene Leistung niedrig einschätzen, hätten demnach Kinder, deren schulische Leistungen in Mathe niedriger seien als die von Kindern, bei denen es sich entgegengesetzt verhalte. Dabei sei es auch unerheblich, wie intensiv die Eltern ihre Kinder bei den schulischen Herausforderungen unterstützten.

1500 Neuntklässler und deren Eltern befragt

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Child Development veröffentlicht. Dazu befragten die Forscherinnen und Forscher über 1500 Kinder aus neunten Klassen sowie ihre Eltern. Die Eltern mussten dabei angeben, ob sie ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen und wie sie ihre eigenen mathematischen Fähigkeiten einschätzten. Außerdem wurden sie gefragt, ob sie grundsätzlich an Mathematik interessiert seien. Einen ähnlichen Fragebogen füllten die Kinder aus. Nach fünf Monaten wurden beide Gruppen erneut befragt. Zusätzlich wurden Leistungen und Noten der Kinder ausgewertet.

Zu viel Kontrolle ist nicht gut

Die ungünstigsten Bedingungen für die Leistung der Kinder waren in Familien zu finden, in denen die Eltern ihre Kinder zwar intensiv unterstützten, selbst aber kein Interesse an Mathematik hatten und ihre eigenen Fähigkeiten zugleich nicht hoch einschätzten. Deren Kinder hatten nicht nur schlechtere Noten, sondern konnten sich auch nicht für Mathematik begeistern. „Helicopter-Mütter können ihren Kindern schaden, wenn sie sich selbst nicht für das jeweilige Fach interessieren, in dem sie ihre Kinder unterstützen wollen“, erklärt die Erstautorin der Studie, Isabelle Häfner.

Eine Frage der positiven Einstellung der Eltern

Zugleich zeigte sich, dass nicht die Unterstützung per se zu besseren Leistungen führt, sondern ganz bestimmte Merkmale innerhalb der Familie, die gute Leistungen begünstigen. Wissenschaftlerin Häfner fasst zusammen: „Die besten Entwicklungen fanden sich bei Kindern, deren Eltern eine hohe Wertschätzung der Mathematik besaßen und die ihre eigenen Fähigkeiten als hoch einschätzten. Diese Kinder erzielten eine höhere Leistung, egal, ob die Eltern ihnen nun konkret bei den Schulaufgaben halfen oder nicht.“

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Titelbild: © NadyaEugene/shutterstock.com