Woran erkennt man ein narzisstisches Kind?

Narzissten halten sich für besser als andere. Oft bekommen sie es durch falsches Lob der Eltern vermittelt. 5 Anzeichen für narzisstische Kinder.

Narzissten halten sich für schöner, klüger und besser als andere Menschen

Menschen, die als narzisstisch gelten, sind selbstverliebt, egoistisch und verhalten sich anderen gegenüber verachtend. Sie möchten als überlegen wahrgenommen und so behandelt werden.  Sie glauben, dass sie immer akkurat handeln und erwarten dafür ständiges Lob von ihrem Umfeld. Ihre Talente und Leistungen sehen sie als übermäßig wertvoll an und fantasieren dabei oft darüber, wie sie damit an Macht, Erfolg und Ausstrahlung gewinnen können. Selbst wenn die eigene Leistung nur gut, aber nicht außerordentlich gut ist, empfinden sie es nicht so.

Falsches Lob fördert die Entwicklung zum Narzissten

Es gibt zwei Faktoren, die die Entwicklung zu einem Narzissten bei Kindern fördern: Wenn die Eltern selbst Narzissten sind und wenn sie ihren Kindern vermitteln, besser als andere zu sein. Um das Selbstbewusstsein von Kindern zu fördern, ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, dass sie geliebt und wertgeschätzt werden. Sie über andere zu stellen ist hingegen keinesfalls förderlich.

So ist es besonders schädlich, wenn Eltern ihre Kinder falsch loben. Denn das prägt ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung, ihre Art zu denken und ihre Persönlichkeit. Nur möglichst viel und ständig zu loben, ist der falsche Weg. Diese Methode ist zwar weit verbreitet, bringt aber die meisten narzisstischen Kinder hervor. Wissenschaftler konnten belegen, dass Kinder, deren Eltern sie für schlauer, hübscher oder besonderer als andere hielten, später narzisstische Tendenzen entwickelten.

Kinder hinterfragen die Aussagen von Eltern nicht

So wurden in einer Untersuchung mit über 500 Kindern gefragt, ob sie sich für besser, hübscher oder klüger als ihre Altersgenossen hielten. Die Eltern sollten diese Aussagen in Bezug auf ihre Kinder ebenfalls bewerten. Wenn Eltern ihre Kinder für besonders, schlau oder schöner als andere hielten, gaben Kinder häufig das gleiche an. Der Grund dafür ist naheliegend: Kindern glauben ihren Eltern, wenn diese ihnen vermitteln, dass sie etwas Besonderes seien. Die Aussagen ihrer Eltern hinterfragen sie kaum und entwickeln so im schlechtesten Fall eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Auswirkungen auf die Zukunft

Diese kann sich nicht nur auf das Familienleben, sondern auch auf ihre berufliche, soziale und private Zukunft negativ auswirken. Narzissten drängen sich im Job unaufgefordert in den Vordergrund, unterdrücken ihre Partnerinnen und Partner und sind ständig auf der Suche nach Bestätigung für ihre Persönlichkeit. Wenn sie diese nicht bekommen, kann es sogar zu Depressionen und Suchtverhalten kommen. Um rechtzeitig zu erkennen, ob Ihr Kind narzisstische Tendenzen hat, können Sie auf diese fünf Anzeichen achten.

5 Anzeichen für narzisstische Kinder

  1. Sie glauben, sie sind unfehlbar. Kinder haben manchmal Probleme, ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. Dann neigen Eltern dazu, Aussagen zu treffen, wie: „Du bist so schlau!“, „Das war so toll von dir!“ oder ähnliches, um sie in ihrem Wesen zu stärken. Stattdessen sollten Kinder jedoch auch lernen, dass sie Fehler machen und dass es in Ordnung ist. Sonst werden sie nicht verstehen, dass es ganz normal für Menschen ist, Dinge auszuprobieren und zu scheitern. Nur wer Fehler macht, kann daraus lernen, weiter probieren und beim nächsten Mal einen Erfolg erleben.
  2. Sie vertragen keine Kritik. Von anderen kritisiert zu werden, ist für jeden unangenehm. Sich der Situation zu stellen und konstruktiv zu überlegen, wie man damit umgeht und was verbessert werden kann, gehört zur normalen Entwicklung eines Kindes. Es muss natürlich nicht alles hinnehmen, aber es sollte sich mit der geäußerten Kritik ehrlich auseinandersetzen. Kinder, die glauben, sie seien immer im Recht, neigen zum Narzissmus. Auch Eltern sollten darauf achten, dass sie es nicht permanent abwiegeln, wenn ihrem Kind gegenüber Kritik geäußert wird. Das kann das Verhalten des Kindes verstärken.
  3. Sie fühlen sich anderen Kindern gegenüber überlegen. Dass sich Kinder mit anderen vergleichen, ist normal. Wenn Eltern einstimmen und ständig ihr Kind im Vergleich als besser oder toller darstellen, fördern sie dieses Selbstbild bei ihren Sprösslingen. Das setzt ihre Kinder zusätzlich unter Druck und sie wollen ständig besser sein als andere. Sie müssen dann erst lernen, dass die eigene, vielleicht auch bessere Leistung nicht heißt, dass andere schlechter sind. Eltern sollten das Kennenlernen dieser Unterschiede unterstützen.
  4. Sie reden schlecht über diejenigen, die anders sind als sie. Mit dem vorherigen Punkt einhergeht, dass narzisstische Kinder sich nicht nur besser fühlen, sie wollen es auch ständig jeder Person mitteilen, dass sie besser sind. Und sie wollen die Bestätigung ihrer Wahrnehmung. Sie machen sich über andere lustig und beurteilen deren Aussehen, Kleidung oder Verhalten negativ. Das macht allerdings selbst nicht hübscher, besser oder netter.
  5. Sie verteidigen sich, auch wenn sie im Unrecht sind. Kleine Narzissten sehen sich nicht nur ständig im Recht und haben Probleme mit Kritik, sie akzeptieren sie schlichtweg nicht. Es ist gar nicht im Bereich des Möglichen, dass sie etwas Falsches gesagt oder gemacht haben könnten. Das liegt häufig daran, dass auch ihre Eltern sie in Schutz nehmen, verteidigen und Fehler abwiegeln. Dabei ist es vollkommen in Ordnung, wenn ein Kind etwas falsch macht und dazu steht. Das schwächt nicht das Selbstbewusstsein, sondern stärkt das Selbstvertrauen, wenn es eine Möglichkeit findet, diese Situation wieder positiv aufzulösen.

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