Ein Tag im Rollstuhl – die Gesamtschule Eiserfeld hat’s probiert

Einen Tag versetzten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5B der Gesamtschule in Eiserfeld in die Lage ihrer zwei Klassenkameradinnen, die die sogenannte Glasknochenkrankheit haben. Was es heißt, im Rollstuhl unterwegs zu sein, weiß nun die ganze Klasse – aus eigener Erfahrung.

Perspektive wechseln

Auch wenn es für die Schüler ganz normal ist, dass zwei von ihnen im Rollstuhl sitzen – so richtig verstehen, was das bedeutet, kann man erst, wenn man sich selbst in die Lage versetzt. Die Idee einen Rollstuhl-Tag zu machen, hatte der Vater der beiden betroffenen Mädchen. Doch auch Klassenlehrer Jan-Martin Klinge und die Schulleitung waren sofort einverstanden. Zusammen mit einem Mitarbeiter aus dem „Haus der Gesundheit“ in Freudenberg wurden 14 Rollstühle organisiert.

Auf dem Hintern sitzenbleiben

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Im Klassenraum, © Jan-Martin Klinge

Da im Klassenraum nicht genug Platz für so viele Rollstühle war, wechselten sich die Schülerinnen und Schüler ab – jeweils die Hälfte des Schultages. Aufstehen verboten! Wer gerade im Rollstuhl saß, bekam einen Partner zugeteilt, der ihm helfend zur Seite stand. Denn selbst einfache Dinge, wie Türen öffnen oder zwischen den Schulbänken vorwärts kommen ohne anzuecken, sind im Rollstuhl nicht so leicht zu meistern. Ungewohnt ist die neue Perspektive auch im wahrsten Sinne des Wortes – denn im Rollstuhl ist man kleiner und alle müssen zu einem herunterschauen.

Reaktionen der Schüler

Wer jetzt glaubt, dass die jungen Schülerinnen und Schüler es nicht geschafft haben, so lange sitzen zu bleiben, irrt sich gewaltig. Auch wenn es ihnen schwer fiel, sie hielten durch – und merkten schnell, dass das gar nicht so leicht ist. Um von allein vorwärts zu kommen, benötigt man nicht nur Kraft in den Armen, nach einiger Zeit fangen auch Beine und Rücken an weh zu tun.

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Austoben auf dem Hof, © Jan-Martin Klinge

Doch anders als in den Fächern, in denen man eh am Tisch sitzt, konnten die Schülerinnen udn Schüler im Sportunterricht mit den Rollstühlen mal so richtig durch die Gegend heizen. Für den Rest des Tages waren Wettrennen aber untersagt – immerhin sollte der Ernst der Sache nicht aus den Augen verloren werden.
Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert von dem außergewöhnlichen Schultag. Einmal zu erfahren, wie es ist, im Rollstuhl unterwegs sein zu müssen, hat bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Interesse war so groß, dass auch andere Klassen gerne mitgemacht hätten.

Gemeinnützig handeln

Der Rollstuhl-Tag war bislang eine einmalige Aktion. Doch an der Gesamtschule Eiserfeld gibt es noch eine andere Besonderheit: das Fach „Gemeinnützig handeln“. Dieses kann in der achten Klasse belegt werden. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es vor allem darum, sich sozial zu engagieren. So besuchen die Schülerinnen und Schüler Grundschulen, Kindergärten und Altenheime, um mit Menschen verschiedener Generationen, die kaum weiter auseinander liegen könnten, Zeit zu verbringen und zu helfen. Sie basteln und spielen mit den Kindern, Lesen ihnen aus einem spannenden Buch vor oder geben den Senioren einen kleinen Handy-Crashkurs.

Titelfoto: Gruppenfoto Rollstuhl-Tag, ©Jan-Martin Klinge