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Zwischen iPads und Hühnern – eine digitale Schule mitten im Wald

Waldschule Hatten

Eine Schule inmitten eines Waldes, wo die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit der Natur verbunden sind, sondern auch mit dem Internet. Vor fünf Jahren startete der Geschichts- und Englischlehrer Andreas Hofmann eine Notebook-Klasse an der Waldschule Hatten. Mittlerweile gibt es drei iPad-Klassen und Pläne, alle Schülerinnen und Schüler mit Tablets auszustatten. Wir haben den Realschullehrer auf dem von ihm organisierten Workshop „Mobiles Lernen” getroffen und ihn über seine Erfahrung mit digitalen Medien befragt.

Sie haben gegen Widerstand einiger Kolleginnen und Kollegen digitalen Unterricht in der Waldschule eingeführt. Was war Ihre Motivation dabei?

Andreas Hofmann: „Meine Motivation war damals die Erkenntnis, dass das, was wir vormittags machen, nicht das widerspiegelt, was die Kinder nachmittags erleben. Deswegen habe ich nach Möglichkeiten gesucht, die digitale Welt in die Schule zu bringen.”

Sie haben zuerst mit einer Notebook-Klassen begonnen?

Andreas Hofmann: „Ja, der erste digitale Unterricht fand mit 3,5 kg schweren Notebooks statt. Wir sind dann irgendwann auf Netbooks umgestiegen. Die haben jedoch kein CD-Laufwerk und sind somit furchtbar, zu administrieren. Vor zwei Jahren haben wir schließlich angefangen, mit Tablets zu arbeiten. Sie bieten alles, was Note- und Netbooks nicht bieten. Perfekt sind iPads auch nicht, aber die beste Option, die es momentan gibt .”

Andreas Hofmann

Wie viele iPad-Klassen gibt es an der Waldschule?

Andreas Hofmann: „Momentan haben wir drei elternfinanzierte iPad-Klassen und einen mobilen iPad-Koffer für die anderen Klassen. Die Tablets werden sehr gut angenommen, besser als die Notebooks davor. iPads sind einfach und intuitiv zu benutzen und anfängliche Ängste und Bedenken bei meinen Kolleginnen und Kollegen sind mittlerweile verschwunden.”

Gibt es gar keine Computer mehr an Ihrer Schule?

Andreas Hofmann: „Doch, wir haben noch einen Computerraum. Das ist aber eine Übergangslösung. Wir möchten in den nächsten Jahren alle Schülerinnen und Schüler mit Tablets ausstatten.”

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Vorteile vom Unterricht mit iPads?

Andreas Hofmann: „Der größte Vorteil am digitalen Unterricht ist, dass Kinder lernen, Lösungen selbständig zu finden. Ich gebe nicht vor, wie sie Aufgaben bearbeiten müssen. Sie finden selbst Wege. Der eine Schüler bearbeitet den Arbeitsauftrag digital, der andere analog. Manche arbeiten in Gruppen, andere alleine, erstellen Comics oder schreiben einen Text. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, ihren eigenen Arbeitsablauf zu finden und können herausfinden, wann ein digitales Medium hilfreich ist und wann nicht.

Ein weiterer Vorteil ist der schnelle Internetzugriff. Außerhalb der Schule nutzen wir Online-Informationsquellen, wann immer wir wollen, googeln mal schnell, wenn wir was wissen möchten. Aber Schülerinnen und Schülern geben wir ein 15 Jahre altes Buch an die Hand. Da stimmt doch was nicht.”

iPad-Unterricht

Wie sieht eine typische Unterrichtsstunde in der iPad-Klasse aus?

Andreas Hofmann: „Der Unterricht ist eigentlich immer unterschiedlich. Manchmal dient das iPad als Lexikon, manchmal als Buchoberfläche. An einem Tag erstellen die Kinder ein eBook zum Thema Mittelalter, an anderen Tagen ein Hörspiel oder Video in Englisch. Bei fast allen Arbeitsaufträgen dürfen sich die Schülerinnen und Schüler frei in der Schule bewegen – Hauptsache ich sehe sie irgendwann mit Ergebnissen wieder.”

Blatt und Stifte gibt es bei Ihnen im Unterricht nicht mehr?

Andreas Hofmann: „Ich drucke keine Arbeitsblätter mehr aus, die Kinder machen sich trotzdem mit Block und Stift Notizen. Klausuren werden aber immer analog und schriftlich gemacht. Wenn man Schülerinnen und Schüler vor die Wahl stellt, ob sie analog oder digital die Klausur schreiben wollen, entscheiden sich 80% für ein Blatt Papier und Kugelschreiber. Kinder erkennen sehr wohl, wann es mehr Sinn ergibt und schneller geht, per Hand zu schreiben und wann man einfacher mit dem Tablet arbeitet.

Das müssen Kinder aber oft erst lernen und selbst herausfinden. Zu Beginn habe ich sie bei Arbeitsaufrägen auch oft Zeit vergeuden lassen. Das ist aber nicht schlimm. Sie finden dann schnell heraus, welche Lösungswege am besten funktionieren. Es ist ein Lernprozess.”

 
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