Mosaiksetzen trainiert Fingerfertigkeit und Konzentration

Schülerinnen und Schüler des Diesterweg-Gymnasiums in Berlin-Wedding verschönern ihr Schulgebäude mit Mosaikbildern. Wie ein paar kleine Steinchen Ruhe und Geduld in die Klassen bringen, haben wir uns einmal näher angeschaut.

„Die Arbeit stärkt das Selbstbewusstsein, die Gemeinschaft und schafft einen Gegenpol zu der heute herrschenden Schnelllebigkeit der Bilder”, erzählt Bettina Galle. Sie ist freie Künstlerin in Berlin. Gemeinsam mit 50 Achtklässlern und den Kunstlehrerinnen Christiane Guse und Marianne Mästling des Diesterweg-Gymnasiums Berlin fertigte sie ein Wandfries aus bunten Steinchen an. Drei Monate besuchte sie die Schule und half bei der Anfertigung der Wandverzierung.

Bettina Galle

ist freischaffende Künstlerin in Berlin. Neben Lehrtätigkeiten an den Staatlichen Museen zu Berlin (Bode-Museum) betreut sie regelmäßig Ferienkurse und Kindergeburtstage im Rahmen von Jugend im Museum e.V.

Kleine Steinchen mit großer Wirkung

Jeweils zwei Schülerinnen und Schüler erstellten gemeinsam ein 40 x 40 cm großes Mosaikbild. „Ich gebe den Schülern keine vorgefertigten Schablonen, sondern möchte sie anregen, selber künstlerisch tätig zu werden“, erzählt die Künstlerin. So entwarfen die Achtklässler zuerst mit Zirkel, Lineal und Buntstiften auf Papier eigene Ornamente. Anschließend begann das Setzen der bunten Steine. Gefordert war dabei Durchhaltevermögen, Geduld und Feingefühl. „Es ist erstaunlich, wie ruhig und konzentriert die sonst aufmüpfigen pubertierenden Jungen und Mädchen geduldig Steinchen setzen”, freut sich Kunstlehrerin Christiane Guse, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Marianne Mästling das Projekt ins Leben gerufen und betreut hat.

Positive Resonanz stärkt Selbstbewusstsein

Mosaikprojekt Diesterweg-Gymnasium Berlin-Wedding

© Bettina Galle

Die fertigen Mosaikbilder wurden als Wandschmuck im Schulgebäude angebracht. Ein buntes Band verziehrt nun den Schulflur. „Das Projekt trägt zu einer Wertschätzung der eigenen Fähigkeiten und einer Identifikation mit der Schule als gemeinsamem Lebensort bei”, erklärt Künstlerin Bettina Galle. Die Schülerinnen und Schüler sind stolz auf die geleistete Arbeit und freuen sich über die positive Resonanz vieler Lehrkräfte und Mitschülerinnen und Mitschülern. Bald soll neben dem Wandschmuck eine Tafel mit den Namen der jungen Künstlerinnen und Künstler angebracht werden.

Förderung ist wichtig und notwendig

Ergebnis Diesterweg-Gymnasium Berlin Mosaikprojekt

Das Ergebnis © Bettina Galle

Mitfinanziert wurde das Projekt von dem Kulturamt Mitte der Stadt Berlin und dem Bonus-Programm für Brennpunktschulen. „An diesem Projekt wird deutlich, dass die Mittel direkt bei den Schülerinnen und Schülern ankommen”, erklärt Kunstlehrerin Christiane Guse. „Unsere Schulleiterin Brigitte Burchardt setzt in Absprache mit den Lehrkräften diese finanzielle Förderung gezielt für solche Projekte ein. So können zusätzliche Lernangebote verwirklicht werden.”
Auch die Förderung für das kommende Mosaikprojekt mit weiteren 50 Achtklässlern sei bereits bewilligt. Im Frühjahr ist die Teilnahme an der Ausstellung Kunst in Schulen in der Galerie Wedding geplant. „Viele Schülerinnen und Schüler werden zu Hause wenig an Kunst und Kultur herangeführt. Umso wichtiger ist es, mit solchen Projekten an die Schulen heranzutreten”, so Bettina Galle.

Mosaik und Graffiti

Der Fachbereich Kunst des Diesterweg-Gymnasiums widmet sich nicht nur der alten Kunst des Mosaiksetzens. Das Graffitisprühen können Schülerinnen und Schüler hier ebenfalls erlernen. Den Artikel zum Projekt finden Sie unter Graffitiunterricht am Berliner Gymnasium. Beide Kunstprojekte sind Bausteine des interkulturellen-künstlerischen Profils der Schule.


Bilder: © Diesterweg-Gymnsasium Berlin & Bettina Galle