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Den beliebtesten Rechtschreibfehlern auf der Spur II

Nach unserem ersten Rechtschreibartikel haben wir nun 19 weitere beliebte Rechtschreibfehler der deutschen Sprache unter die Lupe genommen.

Wörter, die es gar nicht gibt

„Seriosität” statt „Seriösität”

Das deutsche Wort „seriös” gibt es – das Wort „Seriösität” nicht. Das Substantiv von „seriös” lautet „Seriosität”. Es stammt von dem mittellateinischen „seriositas” (Ernst, Ernsthaftigkeit) ab.

„Du hältst” statt „Du hälst”

Manchmal geht bei der Formulierung „Du hältst” einfach ein t verloren. Das liegt daran, dass wir dieses nicht mitsprechen. Aber „hältst” kommt von „halten” und wie bei allen Verben in der zweiten Person Singular wird an den Stamm st angehängt.

„übrigens” statt „übrigends”

In das Wort „übrigens” schummelt sich manchmal einfach ein d. Auch dieser Rechtschreibfehler ist einer falsch angewöhnten Aussprache geschuldet. Das Wort „übrigens” entstammt dem Wort „übrig”. Angehängt wird einfach ein ens wie übrigens auch bei „drittens”.

„apropos” statt „a propo”

Auch wenn das s nicht gesprochen wird, so wird es doch geschrieben. Das Wort „apropos” leitet sich vom französischen „à propos” ab. Deswegen wird das s nicht gesprochen. Das Adverb wird im Deutschen zusammengeschrieben. Übrigens bedeutet „apropos” „nebenbei bemerkt” oder „übrigens”.

„Reflexion” statt „Reflektion”

Das Wort „Reflexion” leitet sich vom lateinischen Verb „reflexio” (zurückbeugen) ab. Es wird also immer mit x geschrieben – egal, ob es im physikalischen Zusammenhang benutzt oder ob das kritische Nachdenken gemeint ist. Nur das Verb „reflektieren” fällt etwas aus der Reihe.

„die Wagen” statt „die Wägen”

Die Mehrzahl von „der Wagen” ist „die Wagen” und nicht wie oft verwendet „die Wägen”. Das Gleiche gilt für „der Verlag” und „die Verlage”. Apropos, in Österreich darf man „die Wägen” sagen.

„Kreißsaal” statt „Kreissaal”

„Kreißsaal” hat nichts mit dem Wort „Kreis” zu tun. Das Wort hat seinen Ursprung im veralteten Verb „kreißen” (gebären). „Kreißen” hingegen leitet sich vom mittelhochdeutschen Verb „krizen” (kreischen; stöhnen) ab.

Verwirrung durch englische Einflüsse

„Loser” statt „Looser”

Das aus dem Englischen stammende Wort „Loser” kann mit „Verlierer” oder „der Besiegte” übersetzt werden. Es leitet sich von dem englischen Verb „to lose” (verlieren) ab. Das Verb „to loosen” hingegen bedeutet „lösen”.

„Sinn ergeben” statt „Sinn machen”

Es ist ein neuer Trend statt „Das ist sinnvoll” den nicht ganz korrekten Satz „Das macht Sinn” zu benutzen. Auch wenn dieser Satz bereits in den Duden aufgenommen wurde, beinhaltet er einen Übersetzungsfehler. Aus dem englischen Satz „That makes sense” wurde im Deutschen kurzerhand „Das macht Sinn”. Dabei stammt das deutsche Wort „machen” von dem Indogermanischen „mag” ab, was „kneten” bzw. „formen” bedeutet. Das Problem ist aber: Entweder hat etwas Sinn oder eben nicht. Der Sinn kann erkannt und gesehen, gesucht und gefunden werden. Aber Sinn kann nicht geknetet, geformt und somit auch nicht gemacht werden. Der Satz „Das macht Sinn” ergibt also keinen Sinn.

„Stoppschild” statt „Stopschild”

Dass „Stoppschild” mit doppeltem p geschrieben wird, ist verwirrend. Schließlich steht auf Stoppschildern groß „STOP”. Bei dieser Aufschrift handelt es sich jedoch um das englische Wort „stop”. Der deutsche Imperativ vom Verb „stoppen” ist „ stopp”. Aus diesem Grund wird das deutsche Wort „Stoppschild” ebenfalls mit pp geschrieben.

Groß- und Kleinschreibung

„Herzlich willkommen” statt „Herzlich Willkommen”

Möchte man jemanden schriftlich begrüßen, so heißt es richtig „herzlich willkommen”. Da es sich bei „willkommen” um ein Adjektiv handelt, wird es kleingeschrieben. Wird jedoch „willkommen” als Substantiv verwendet, so wird es großgeschrieben, also: „Er bereitete ihr ein herzliches Willkommen.”

„am besten” statt „am Besten”

Bei der Formulierung „am besten” handelt es nicht um eine Substantivierung wie bei „das Beste”, sondern um eine Steigerung: gut – besser – am besten. Aus diesem Grund wird hier „besten” nicht groß-, sondern kleingeschrieben.

Zusammen- und Getrenntschreibung

„des Weiteren” statt „desweiteren”

Da es sich bei „Weiteren” um ein Substantiv handelt („das Weitere”), wird es großgeschrieben. Darüber hinaus wird „des Weiteren” nach der alten sowie nach der neuen Rechtschreibung getrennt geschrieben.

„aus Versehen” statt „ausversehen”

Auch der Ausdruck „aus Versehen” wird getrennt geschrieben. Es handelt sich hier um eine Verbindung von Präposition und Substantiv. Ein solches Konstrukt wird stets getrennt geschrieben.

„wie viel” statt „wieviel”

Nach der alten Rechtschreibung wurde „wie viel” zusammen geschrieben. Das hat sich mit der neuen Rechtschreibung aber geändert. Die korrekte Schreibweise ist: „wie viel”. Die Formulierungen „wievielmal” und „zu wievielt” bzw. „das wievielte Mal” werden jedoch weiterhin zusammengeschrieben.

Doppelt oder nicht doppelt – das ist hier die Frage

„Fußball” statt „Fussball”

Da „Fuß” einen langen Vokal beinhaltet, wird das Wort auch nach der neuen Rechtschreibung mit ß geschrieben und nicht wie fälschlicherweise oft angenommen mit ss. So heißt es „Fußball” und nicht „Fussball”. Es sei denn, man ist in der Schweiz. Hier ist „Fussball” richtig geschrieben.

„Gruß” statt „Gruss” bzw. „Grüße” statt „Grüsse”

Das Gleiche gilt für das Wort „Gruß” oder für seine Pluralform „Grüße”. Beides wird stets mit ß geschrieben – es sei denn man befindet sich in der Schweiz.

„voraus” statt „vorraus” oder „Voraussetzung” statt „Vorraussetzung”

Fälschlicherweise wird das Wort „voraus” oft in „vor” und „raus” zerlegt. Aus diesem Grund wird es häufig mit zwei r geschrieben. Richtig wird dieses Wort aber in die Bestandteile „vor” und „aus” zergliedert. Somit wird ebenfalls „Voraussetzung” nur mit einem r geschrieben.

„selig” statt „seelig”

Das Wort „selig” leitet sich nicht von dem Wort „Seele” ab, sondern von dem althochdeutschen Wort „sälig” (gut; gesegnet; glücklich). Aus diesem Grund wird „selig” nicht mit zwei, sondern nur mit einem e geschrieben.



Titelbild: © Serhiy Kobyakov/shutterstock.com

 
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Kommentare

  1. 24. Apr 2015, at 09:43 von Lilli

    Hallo,
    der Beitrag zu Reflexion ist nicht ganz richtig. Es gibt kein lateinisches Verb “reflexio”. Das lat. Substantiv “reflexio” wird mit x verschriftet; das Verb allerdings mit c: “reflectere” (Infinitiv); die 1.P. Sg. lautet “reflecto”.
    Die Verwirrung bei “Reflexion” vs. “reflektieren” hat ihren Grund darin, dass es im Deutschen “logisch ist”, “Reflexion” als Substantivierung von “reflektieren” anzusehen. Diese Übertragung passt hier aber leider nicht. Das “x” ist quasi bereits im Lateinischen Wortbildungsprozess entstanden; die Perfekt-Formen des Verbs haben ein “x” und sind im Substantiv aufgenommen. Wenn man es aber mit der “Herleitungserklärung” versuchen möchte, müsste es heißen: Wir leiten “reflektieren” von lat. “reflectere” ab, die “Reflexion” aber von lat. “reflexio”.
    VG

  2. 24. Apr 2015, at 10:12 von Lilli

    Zu dem Beitrag „Sinn ergeben” statt „Sinn machen”:
    Es wird eine “pseudo”-logische Erklärungskette aufgebaut, die nicht wirklich “Sinn macht”. :-)
    “Machen” mag wohl aus indogermanisch “machen, kneten” kommen – aber ist das nicht auch beim englischen Verb “make” so?
    Bedeutet, dass die Erklärung, “Sinn” könne man nicht “kneten”, nicht ausreicht; denn wie ist es mit den Formulierungen: “Spaß machen, Musik machen, sein Glück machen usw.”? All die Dinge kann man auch nicht kneten, sie ergeben im Deutschen aber durchaus Sinn.
    Das Problem liegt auf der Ebene, dass wortwörtliche Übersetzungen von feststehenden Formulierungen in der Zielsprache häufig nicht verständlich sind. Typisches Beispiel: “It´s raining cats and dogs.” = “Es regnet Katzen und Hunde”.
    Bei “Sinn machen” vs. “Sinn ergeben” lässt sich durchaus streiten, ob es sich um eine unzulässige 1:1-Übersetzung handelt. Noch gibt der Duden die “Sinn ergebende” Version als die richtige vor; vielleicht ist das in 30 Jahren aber bereits anders, und die Formulierung “Sinn machen” macht so viel Sinn, dass wir nur noch aus etymologischen Wörterbüchern wissen, dass Dinge früher auch “Sinn ergeben” haben. :-)

  3. 26. Apr 2015, at 13:25 von Angela Hallerbach

    Ich finde den Artikel sehr interessant! Ich bin Deutschlehrerin im Ruhestand. Wie ist es übrigens mit “es tut mir Leid”? Ich finde es in mehereren Deutschbüchern (hier in Italien herausgegeben) “leid” klein geschrieben.Und wie finden Sie das Wort “Hackenschuhe” statt “Schuhe mit hohen Absätzen”?

  4. 2. Jun 2015, at 15:35 von Germanist

    “loose” ist ein englisches Adjektiv, das Verb heißt “to loosen”.

    • 3. Jun 2015, at 09:23 von Katharina G.

      Hallo,

      vielen Dank für den Hinweis! Wir haben den Fehler nun behoben.

      Viele Grüße
      Katharina

  5. 20. Aug 2015, at 15:32 von Britta

    Ich habe herzhaft gelacht beim Lesen der 3 Artikel und so manches Mal echt überlegt, wie die richtige Schreibweise tatsächlich ist.
    Schön, dass ich nun “morgens” und “abends” wieder ohne schlechtes Gewissen verwenden kann, meine Tochter sagt nämlich immer, diese Wörter gäbe es gar nicht.

  6. 23. Okt 2015, at 10:21 von christoph zeiler

    Ich möchte hinzufügen, dass die Schweizer schon sehr lange das ” ” depperte ß ” in Österreich ” scharfes s ” genannt, aus Ihrer Rechtschreibung verbannt haben. Ein bisschen muss man halt nachdenken wenn es z.B.um die Worter ” Maß ” und ” Masse geht weil das Maß ind der Schweiz “Mass” heist und die “Masse” wie bei uns geschrieben wird, aber die Mehrzahl heißt in beiden Fällen Masse. Ein weiteres Wort wäre z.B. “Fuß” in der Schweiz Fuss.Die Mehrzahl sieht tatsächlich eigenartig aus.

  7. 24. Okt 2015, at 10:23 von Angela Hallerbach

    Ich finde diese Liste wirklich sehr nützlich, ganz besonders, wenn man wie ich Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Alles ist durch die Rechtschreibereform noch komplizierter geworden. Man findet z.B. in Unterrichtswerken für Deutsch als Fremdsprache in Italien in manchen Büchern “Es tut mir Leid” und in anderen “Es tut mir leid”. Das ist sehr verwirrend! Was ist richtig? Viele Grüße aus Italien!

    • 26. Okt 2015, at 12:20 von Katharina G.

      Liebe Frau Hallerbach,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut uns sehr, dass Ihnen die Liste gefällt.
      Richtig heißt es “Es tut mir leid”.

      Viele Grüße aus Berlin
      Katharina vom sofatutor-Magazin

  8. 14. Feb 2017, at 12:08 von Markus Isler

    Exzellente Liste. Danke für die Hinweise bezüglich schweizer Eigentümlichkeiten.

  9. 21. Feb 2017, at 01:51 von Maria M.

    Auch ich möchte eine Anmerkung zu “‘Sinn ergeben’ statt ‘Sinn machen'” machen. 😉 Die Parallele zum Englischen macht / ergibt 😉 hier auch nicht wirklich Sinn. Im Englischen gibt es ebenso einen Unterschied zwischen “to do” und “to make”, wobei “do” eher mit ‘tun, machen’ übersetzt wird, wie beispielsweise in ‘do your homework’, und “make” in ähnlicher Weise eher im Sinne von “herstellen” gebraucht wird, wie beispielsweise ‘make a cake’, aber allerdings auch ‘make a mistake’. Hm? Gibt es hier für beide Sprachen noch eine treffendere Begründung?