Rechtschreibung: Warum wir die neuen Regeln (nicht) brauchen

Wie sehen die Neuerung in der Rechtschreibung aus? Und sind sie eigentlich alltagstauglich? Wir haben uns das einmal für Sie ansehen.

Der Rat der deutschen Rechtschreibung hat das Amtliche Regelwerk im Juni 2017 zum zweiten Mal nach seiner Inkraftsetzung im Jahr 2006 aktualisiert. Während sich einige freuen, bricht anderen bei der Nachricht der kalte Angstschweiß aus. Aber es ist alles halb so schlimm: Die Neuerungen sind überschaubar – und einige werden den Wenigsten im Alltag begegnen.

Weniger „SPASS“ und mehr „SPAẞ“!

Eine der neuen Regeln hat besonders große mediale Aufmerksamkeit erhalten: Endlich gibt es das große Eszett! Zwar darf bei der Schreibung mit Großbuchstaben weiterhin das SS verwendet werden, doch das große Eszett, ẞ, ist für die „korrekte Schreibung von Eigennamen in Pässen und Ausweisen wichtig“, so der Rat der deutschen Rechtschreibung. So können wir uns ab jetzt auf einen „GROẞEN ZIRKUS-SPAẞ“ statt auf einen „GROSSEN ZIRKUS-SPASS“ freuen.

Ähnlicher Umgang mit dem Heiligen Vater und dem Technischen Direktor

Die neuen Regeln beinhalten außerdem, wann bei einer festen Verbindung aus Adjektiv und Substantiv groß- bzw. kleingeschrieben werden muss bzw. wann beides möglich ist. Etwa bei der „freien Mitarbeiterin“ ist die Kleinschreibung nun die Regel. Ebenso bei der „gläsernen Decke“, schließlich handelt es sich auch hierbei um einen wörtlichen bzw. bildhaften Gebrauch. Anders sieht es beim „Heiligen Vater“ aus. Dies ist eine besondere Anredeform, die eine Großschreibung nach sich zieht. Bei allen anderen Fällen darf sich jeder und jede selbst aussuchen, wie er bzw. sie die Verbindungen schreiben möchte. Das heißt, bei den sogenannten „Fällen mit schwankendem Gebrauch“ sind Klein- und Großschreibung zulässig. So ist nicht nur der „technische Direktor” richtig, sondern auch der „Technische Direktor“, ebenso wie „die mittlere/ Mittlere Reife“, „die goldene/Goldene Hochzeit“ und „das neue/Neue Jahr“.

Nie wieder Majonäse!

Da so gut wie nie „Majonäse“ oder „Ketschup“ benutzt und auch lieber „Anchovis“ statt „Anschovis“ gegessen wurden, hat der Rat der deutschen Rechtschreibung beschlossen, die eingedeutschten Formen aus dem Wörterverzeichnis zu streichen. So sind nur noch die Schreibweisen „Mayonnaise“ und „Ketchup“ zulässig sind. Brauchen wir diese Änderung? Da anscheinend die Wenigsten wussten, dass es eine deutsche Schreibweise der Wörter gab, werden auch die Wenigsten mit dieser Neuerung in Berührung kommen. Ähnlich sieht es bei den Variantenschreibungen „Wandalismus“, „Komplicen“ und „Frotté“ aus. Denn seit Juni sind nur noch die Schreibweisen „Vandalismus“, „Komplizen“ und „Frottee“ zulässig. Auch diese Änderungen werden sich im alltäglichen Sprachgebrauch kaum bemerkbar machen.

Herzlich willkommen, neue Bindestrichschreibung!

Diese Neuerung dürfte einige überraschen! Schließlich konnte man in der Vergangenheit oft „Co-Trainer“ und „Ex-Regierungschef“ lesen. Nun sind diese Bindestrichschreibweisen auch in das Wörterverzeichnis aufgenommen worden und erst jetzt als korrekt geschrieben anzusehen. Mit der Bindestrichschreibweise wurde auf einen bestehenden Schreibtrend reagiert. Andere erkennbare Tendenzen wurde zwar ebenfalls hinterfragt, jedoch nicht aufgenommen. So etwa die Formulierung „(sei) herzlich willkommen“. Auch wenn an vielen Stellen Schilder mit der Aufschrift „herzlich Willkommen“ zu sehen sind, bleibt diese Schreibweise unzulässig. Da „willkommen“ in dieser Verwendung adjektivisch ist, muss es kleingeschrieben werden. Die Großschreibung bleibt dem substantivischen Gebrauch, z. B. „ein herzliches Willkommen“, vorbehalten.

Was halten Sie von den Änderungen in der deutschen Rechtschreibung? Schreiben Sie uns einen Kommentar.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Titelbild: © Jenny Sturm/shutterstock.com