Flipped Classroom: Wider die Umstände

An Schleswig-Holsteins Schulen ist WLAN längst keine Normalität. Das hindert die Klaus-Groth-Schule aus Neumünster nicht daran, Flipped Classroom umzusetzen. Ein Videobericht.

Das Projekt „Lernen in der digitalen Gesellschaft“

Das Schulministerium Schleswig-Holstein startete bereits 2015 mit einem Projekt zur Digitalisierung weniger norddeutscher Pilotschulen. Ein Jahr später wurde dieses Projekt dann unter dem Titel „Lernen mit digitalen Medien“ auf alle interessierten Schulen des Bundeslands ausgeweitet. Dabei wurden vorbildliche Schulvorhaben gefördert, die möglichst allen Schülerinnen und Schülern das Lernen mit digitalen Medien ermöglichten.

Die Erfahrungen, die die Schulen im Laufe ihrer Projekte machten, wurden vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) begleitet. Im Rahmen eines Flipped-Classroom-Projekts verwendeten 15 Klassen in Schleswig-Holstein ein Jahr lang sofatutor im Unterricht. Gemeinsam mit den beteiligten Lehrkräften wurden dabei Vorschläge für Unterrichtsszenarien zum Einsatz von Lernvideos erarbeitet.

Zwischenbilanz: Ein Videobericht aus der Klaus-Groth-Schule

Die Lehrerinnen und Lehrer der Klaus-Groth-Schule in Neumünster sind ein schönes Beispiel für die unerschrockene Einbindung digitaler Medien in den Unterricht. Obwohl die Schule nicht mit WLAN und einer erstklassigen Ausrüstung in allen Klassenzimmern glänzen kann, ließen sich Lehrkräfte, wie Arne Heinrichs, Konstantin Eggert und Gesine Beyenbach, nicht davon abhalten, ihre Schülerinnen und Schüler mit neuen Lehrkonzepten und digitalem Lernmaterial in Kontakt zu bringen. Über den didaktischen Ansatz des Flipped Classrooms konnten die Lernenden am Nachmittag neue Lerninhalte selbstbestimmt erarbeiten und im Anschluss im Unterricht vertiefen. Mathe-Lehrer Arne Heinrichs beschreibt sein Vorgehen dabei so: „Die Kinder bekommen über Lernvideos die Möglichkeit, sich Grundlagen zu Hause anzueignen – mit dem Vorteil, dass man ein Video anhalten kann. Den Lehrer kann man nicht stoppen, zurückspulen oder nochmal schauen. Im Unterricht bleibt dann die Zeit zum Üben, Vertiefen, Vernetzen und kreativen Arbeiten – je nachdem, was ich in der Unterrichtseinheit erreichen möchte.“

Einige Lehrerinnen und Lehrer erstellten sogar eigene Lernvideos und wendeten sie im umgedrehten Unterricht an, so etwa Konstantin Eggert. Im Lateinunterricht konnte er durch die eigenen Lernvideos in Verbindung mit dem Flipped Classroom viel Zeit gewinnen und dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler durch selbstständiges Wiederholen auf einen gleichen Stand kommen. So könne man im Unterricht viel mehr miteinander arbeiten als vorher, beschreibt er seine Erfahrung.

Auch der Schulleiter der Klaus-Groth-Schule, Jörg Jesper, ist begeistert vom Engagement seines Kollegiums. Daher ermöglichte er es ihnen, Fort- und Weiterbildungen zum Einsatz digitaler Medien zu besuchen, sich auszutauschen und fachdidaktische Ideen auszuprobieren.

Die Schülerinnen und Schüler lieben es

Schulleiter Jesper stellte während des Projekts auch fest, dass die Schülerinnen und Schüler es lieben würden, mit digitalen Medien zu arbeiten. Das bestätigt auch Deutschlehrerin Gesine Beyenbach. Die Schülerinnen und Schüler seien ganz anders bei der Sache und viel interessierter in ihrem Unterricht. Die Lehrerinnen und Lehrer der Klaus-Groth-Schule, die den Flipped Classroom ausprobiert haben, empfehlen interessierten Kolleginnen und Kollegen, sich kleine, abgeschlossene Lerneinheiten aus ihrem Unterrichtsstoff herauszusuchen und es einfach mal selbst auszuprobieren.

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Titelbild: © sofatutor.com