Gefährliche Insekten auf dem Elternabend

„… und bringen Sie ein bisschen Zeit mit.“ Wenn das schon in der Einladung zum Elternabend steht, sollte man sich besser auf ein abendfüllendes Programm einstellen.

In der letzten Woche hatte ich das Vergnügen, dass gleich zwei Einladungen zum Elternabend ins Haus flatterten. Ich versuchte gar nicht erst festzulegen, welcher der beiden der schlimmere sein würde: Beim ersten Termin „drohte“ man mit der Wahl der Elternvertreter. Beim zweiten Elternabend sollte es um den Schüleraustausch und die anstehende Fahrt nach Frankreich gehen. Ich fragte mich, ob mich ein ganz plötzlicher Magen-Darm-Virus erwischen sollte. Aber es siegte der Anstand. Ich ging hin.

Unsichtbare Eltern und angestrengtes Schweigen

Mit ein bisschen Zeit im Gepäck und der Befürchtung, dass gestandene Erwachsene stundenlang so tun würden, als seien sie unsichtbar, nur damit sie nicht zu einem Posten in der Klassenelternschaft genötigt würden, machte ich mich auf den Weg zum Elternabend Nummer eins. Ich hatte das alles schon erlebt. Ich rettete schon des Öfteren meinen und anderer Leute Abend nach 20-minütigem Schweigen durch meine Freiwilligkeit. Damals wurde ich sofort einstimmig gewählt. Und das obwohl mich niemand kannte. Mittlerweile habe ich soviel Übung, dass ich das angestrengte Schweigen aushalte.

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Einmal Elternvertreter, immer Elternvertreter

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Es fand sich blitzschnell eine freiwillige Wahlleitung. Ich war fasziniert. Da wusste jemand ganz genau, wie man selbst nicht mehr als Elternvertretung gewählt werden kann. Rhetorisch geschickt lobte sie die überaus positive und wegweisende Arbeit, die die Elternvertreter im letzten Jahr geleistet hätten. Und getreu dem Motto „Never change a winning team“ wäre es ja konsequent, wenn entsprechende Personen die Arbeit fortführen würden. Das war clever! Wer kann da schon Nein sagen? Die beiden angesprochenen Väter jedenfalls nicht. Unter großem Applaus stimmten die anwesenden Eltern dieser Idee zu. Nach zehn Minuten war die Wahl erfolgreich beendet. Große Erleichterung bei Eltern und Klassenlehrerin.

Glücksfall: Eine Klasse voller pubertierender Teenager

Der Rest ist schnell erzählt: Die Klasse ist sozial und sehr motiviert. Die Lehrerin freut sich auf gemeinsame Unternehmungen: Weihnachtsfeier, Grillfeste, Klassenfahrt. Ich war da auf andere Sachen gefasst, aber das ist sicher abhängig davon, ob die Lehrerperson pubertierende Teenager als Qual oder Freude empfindet. Für diese Lehrerin sind die jedenfalls ein „Glücksfall“. Wir einigten uns dann noch auf ein paar gemeinsame Aktivitäten – sprich: wir Eltern dürfen auch dabei sein. Aber das habe ich meinem Sohn verschwiegen.

1200 Kilometer ohne Mama und Papa

Der zweite Elternabend widmete sich der Vorbereitung für den Schüleraustausch. Gut, ich bin in der vorteilhaften Situation, dass das für mich als Mutter bereits der dritte Schüleraustausch ist. Trotzdem bin ich hingegangen – mit meiner Tochter. Die Kinder waren ausdrücklich mit eingeladen.

Zur Info: Die Kinder, zwischen 13 und 14 Jahre alt, fahren zehn Tage nach Frankreich, in die Nähe von Marseilles. Ja, das liegt rund 1200 Kilometer von zu Hause entfernt. Aber es ist Europa. Ein Nachbarland Deutschlands. Es herrscht Frieden. Kinder müssen sich dort nicht von lebenden Insekten ernähren. Warum ich ihnen das mitteile? Das scheint tatsächlich nicht jedem klar zu sein.

Gefangen in Frankreich

Die wichtigste Information des Abends wurde gleich an den Anfang gestellt: Die Handynummern der begleitenden Lehrer. Dann wurden Fragen zu den Dokumenten geklärt: Ausweis, KV-Karte, Impfausweis. „Geht auch ein Reisepass?“ Ja, natürlich. „Werden die Ausweise dann in Frankreich vom Lehrer eingesammelt?“ Warum? Schließlich könnte das Kind überfallen werden. Dann ist der Ausweis weg und es kann nicht zurückfliegen. Ok, der Lehrer sammelt die Ausweise ein. Er könne aber nicht garantieren, dass in sein Domizil nicht eingebrochen würde. In diesem Fall wären alle Ausweise weg und die ganze Klasse gefangen in Frankreich. Allgemeines Schmunzeln. „Na, vielleicht hat die Schule einen Tresor?“ Allgemeines Stöhnen.

Eltern und ihre Sorgen

Ich mache mir auch meine Gedanken und möchte besorgte Eltern nicht diskreditieren. Aber die Stunde der abstrusen Fragen ging weiter. „Und wenn mein Kind das Essen nicht mag?“ „Mein Kind muss nachts zum Klo, sollte es die Gasteltern informieren, dass die sich nicht erschrecken?“ „Wenn das Handgepäck zehn Kilo wiegen darf und der Koffer 15 Kilo, wie soll mein Kind das dann tragen?“ Entschuldigung, es heißt wirklich DARF nicht MUSS. Sommerkleidung für zehn Tage. Das wird keine Polarexpedition.

Gefährliche Insekten und durstige Kinder

Ich sah Kinder, die mit flehendem Blick auf den Boden starren, in der Hoffnung, dass sich dieser auftue. Die taten mir wirklich leid. Es folgte noch eine Diskussion über gefährliche Insekten in Frankreich.
Dann brachte ein Elternteil den berechtigten Hinweis,dass vor dem Sicherheitscheck keine Getränkevorräte ins Handgepäck dürfen. O weh, das werden einige Kinder wohl nicht überstehen. Die Kinder müssen doch regelmäßig trinken. Kann man das nicht umgehen? In diesem Moment wäre ich gerne einfach aufgestanden und gegangen. Fremdschämen ist für mich die Hölle. Und wo wir schon einmal dabei sind: Macht der Bus zum Flughafen auch eine Pause, wenn die Kinder mal müssen?

Nach dem Elternabend ist vor dem Elternabend

Mein Respekt geht an die Lehrer, die alle Fragen ernsthaft beantworteten. Ich wäre nach der dritten Frage in völligen Sarkasmus abgerutscht.
Der Kommentar meiner Tochter rettete dann den Abend: „Danke, dass Du nicht so peinlich bist, Mama!“

Der nächste Elternabend ist – Gott sei Dank– erst im Mai 2016 – vor der Segelfahrt zum Ijsselmeer.

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Gastautorin Katja

Katja

Katja, Jahrgang 1975, Mutter von zwei – mal mehr mal weniger pubertierenden – Teenagern. Sie ist Mitgründerin von SHEworks!, dem Onlinemagazin für Gründerinnen und Unternehmerinnen. Ihre Leidenschaft für Social Media gibt sie beratend weiter. Wenn ihre Finger die Tastatur heiß getippt haben, entspannt sie sich mit Vorliebe bei der Gartenarbeit oder Handarbeiten.


Titelbild: ©Iakov Filimonov/shutterstock.com

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