Pokémon Go – oder wenn Mama nichts mehr versteht

Wenn meine Kinder über Pokémon Go sprechen, verstehe ich nichts mehr – rein gar nichts. Dabei können diese Kreaturen überall sein, auch in meiner Wohnung.

Mein Handy ist alt, zu alt, sagt der Sohn. Seins übrigens auch. Wir brauchen alle dringend neue Handys. Keins der Smartphones hier im Haus kann Pokémons fangen. Das geht nicht! Wie steht er denn vor seinen Freunden da? Alle, sagt er, wirklich alle sind draußen, um kleine bunte Wesen zu jagen. Und es sieht so aus, als habe er hat Recht.

Von Pokéstops und Arenen – böhmische Dörfer für Mama

„Hier am Wasserspielplatz ist ein Pokéstop. Da kannst du neue Bälle bekommen, wenn du keine mehr hast, um sie auf die Pokémons zu werfen“, erklärt mir der Sohn. Aber ich sehe nichts außer Menschen, die auf ihre Handys starren. Menschen aller Altersklassen, von Grundschülern bis Erwachsenen. Genauso wie gestern am Rhein, wo die Spaziergänger anstatt Augen für den Fluss zu haben, den Blick fest auf den Boden und ihre Smartphones gerichtet hatten.
„An großen Gebäuden, da wo mehr Menschen stehen, sind die Arenen. Da kämpfst du mit Leuten aus deinem Farbteam mit Leuten aus anderen Teams. Es gibt auch noch verschiedene Sorten von Pokémons, aber das ist zu schwierig für dich zu verstehen“, führt meine älteste Tochter geduldig aus. Sie klingt dabei wie ich, wenn ich den Kindern erkläre, wie sie mit welchen Cousins verwandt sind. Ich versuche, nicht zu lachen, denn das alles ist in meinen Augen unglaublich komisch. Aber ich bin hier diejenige, die komisch ist, denn ich habe einen Gendefekt: Computer- und Handyspiele langweilen mich noch mehr als die Vorstellung, mir von jemandem das Telefonbuch vorlesen zu lassen.

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Japanische Entwickler verteilen Pokémons

„Woher kommen diese ganzen Pokémons? Verstecken Mitspieler die?“, erkundige ich mich und werde gleich ausgelacht. „Nee, Mama. Das machen die Entwickler in Japan!“, wird mir gesagt. Ich stelle mir vor, wie tausende japanische Entwickler Pokémons in unserer kleinen Stadt, Deutschland und der ganzen Welt verteilen. Was für ein Wahnsinn! Und das alles, weil Leute spielen wollen!
„Ja, aber warum machen die das denn? Das Spiel kostet doch kein Geld, oder?“, wundere ich mich. Und erfahre, dass es darum gehe, möglichst viel Strom zu verbrauchen – wohl eine Verschwörungstheorie – und Werbung für die Firma XY zu machen. Ob das so stimmt? Daten werden sicher auch en masse abgegriffen und neue Apps bringen auch neue Viren. Aber da wir sowieso mit veralteter Technik ausgerüstet sind und nicht mitspielen können, lehne ich mich entspannt zurück.
Jedenfalls glauben meine Kinder nicht daran, dass all das aus reiner Menschenfreundlichkeit und aus Spaß am Spiel geschieht. Das finde ich schonmal positiv. Teile meiner Erziehung scheinen hier aufzugehen. Punkt für Mama.

Vielleicht sind die Pokémons schon in meiner Wohnung

Eins aber lässt mich nicht mehr los: Vielleicht sind auch bald kleine bunte Viecher bei mir im Wohnzimmer. Können die japanischen Entwickler hier auch rein? Dann klettern Menschen mit Smartphones über den Balkon. Ich mache vorsorglich die Balkontür zu.
Wobei ich die Vorstellung, dass sich hinter meinem Sofa nur mit dem Smartphone sichtbare Fabelwesen verstecken, ganz hübsch finde. Wer weiß, vielleicht sind sie schon längst da. Und wir wissen es nur nicht, weil keiner ein Handy besitzt, das sie sichtbar machen kann.

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Titelbild: © Matthew Corley / Shutterstock.com

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