Studie: Macht eine längere Schulzeit klüger?

G8 oder G9: Was ist besser für die Schülerinnen und Schüler? Einen ersten Hinweis gibt eine Studie der Uni Dortmund und der Uni Marburg.

Echte Intelligenzsteigerung oder Schummeleffekt?

Es konnte bereits in einigen Studien nachgewiesen werden, dass sich eine längere Schulzeit positiv auf das Abschneiden bei Intelligenztests von Kindern auswirkt. Die Frage war dabei jedoch, ob es sich um eine „echte“ Intelligenzsteigerung handele oder um einen Schummeleffekt, da gewisse Fähigkeiten, die man zum Lösen der Testaufgaben benötigt, z. B. Faktenwissen oder die Lesefähigkeit, länger geübt werden konnten.

In der jetzt veröffentlichten Studie mit dem Titel „What happens if the same curriculum is taught in five instead of six years? A quasi-experimental investigation of the effect of schooling on intelligence“ wurden diese Aussagen direkt gegenübergestellt. „Unsere Ergebnisse sind ein erster Hinweis darauf, dass der Einfluss von Beschulung auf die Intelligenztestwerte vorrangig auf eine ‚echte‘ Steigerung der Intelligenz zurückgeht und weniger auf eine Förderung spezifischer, lehrplangebundener Fähigkeiten“, so die Studienleiterin Ricarda Steinmayr, Professorin für Pädagogische Psychologie der TU Dortmund.

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Altersfaktor rausgerechnet

Bei der Untersuchung wurden zwei Versuche durchgeführt. Beide wurden an Gymnasien in Nordrhein-Westfalen abgehalten. Die G8-Schülerinnen und -Schüler gingen zu dem Zeitpunkt der Befragung in die zehnte Klasse, die G9-Lernenden in die elfte Klasse. Es wurden in beiden Fällen jeweils Intelligenztests durchgeführt und zusätzlich Informationen über den Notendurchschnitt des letzten Zeugnisses aller Schülerinnen und Schüler sowie zum Geschlecht, Alter und Bildungsgrad der Eltern eingesammelt.

In beiden Studien zeigte sich, dass die G9-Lernenden in fast allen Bereichen besser abschnitten als die G8-Lernenden. Der Effekt blieb auch bestehen, wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Alter statistisch herausrechneten. „Zudem ist bei Jugendlichen der reine Alterseffekt auf die Intelligenzentwicklung marginal. Die Unterschiede können also nicht vollständig durch das jüngere Alter der G8-Schüler erklärt werden“, erläutert Linda Wirthwein, akademische Rätin an der TU Dortmund.

Auswirkungen auf die Intelligenz jedoch unklar

Was genau das bessere Ergebnis bei den G9-Schülerinnen und -Schülern verursacht, ist noch unklar. Es gibt jedoch die Vermutung, dass sich Kinder, die im Laufe ihrer Schulzeit mehrere Anpassungsprozesse, z. B. durch Lehrerwechsel, durchlaufen, bessere kognitive Fähigkeiten haben. So würden das Denken immer stärker losgelöst von den eigentlichen Aufgaben stattfinden. Damit würde das abstraktere Denken unterstützt, resümiert Sebastian Bergold, Erstautor der Studie und Juniorprofessor für Kinder- und Jugendpsychologie der TU Dortmund.

„Unsere Studie kann als ein erster Hinweis darauf verstanden werden, dass eine längere Beschulung unabhängig vom Curriculum die Intelligenz fördert“, fasst Ricarda Steinmayr die Ergebnisse beider Arbeiten zusammen. „Wir haben allerdings lediglich Stichproben aus zwei nicht repräsentativ ausgewählten Schulen untersucht. Deshalb sind weitere, vor allem größer angelegte Studien notwendig, um diesen Befund abzusichern.“

Titelbild: © l i g h t p o e t/shutterstock.com

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