Was ist bei einem Schulwechsel zu beachten?

Die Familie zieht um? Dann steht neben vielen Neuerungen fürs Kind vor allem der Schulwechsel bevor. Dies kann eine Herausforderung für die ganze Familie sein. Wir geben Tipps, wie ein Wechsel am besten klappt.

Bei allem Konfliktpotenzial müssen Schulwechsel keine Desaster sein – Eltern sollten versuchen, Verständnis für ihr Kind aufzubringen. Meistens wird ein solcher Wechsel zusätzlich emotional erschwert. Seien es die Freunde und Freundinnen, die ihr Spross hinter sich lässt, die Lieblingslehrerin oder die altbekannten Wege und Ecken, die es in seinem Alltag erobert hat. Eltern haben meistens vor allem Angst um die Noten und das Ansehen ihres Kindes. Durch den eigenen Stress und etwaige Jobwechsel kann es passieren, dass das Gefühl für die Situation des Kindes untergeht. Darauf sollten Eltern bewusst achten und ein paar extra Aufmunterungen bereithalten. Das bewirkt oft mehr, als man meint.

Zeitpunkt mit Bedacht wählen

Grundsätzlich sollten Eltern versuchen, einen Schulwechsel mitten im Schuljahr zu vermeiden. Wenn es Ihnen möglich ist, sollte der Wechsel zum Schuljahresende erfolgen oder wenigstens zum Halbjahresende. Das erhaltene Zeugnis am jeweiligen Jahres- oder Halbjahresschluss gibt nicht nur neuen Lehrenden Aufschluss über die Leistungen des Schülers oder der Schülerin. Vor allem die Tatsache, dass das Kind das Schuljahr beendet hat, Lehreinheiten bis zum Schluss verfolgen konnte und dass es sich mit neuen Mitschülerinnen und Mitschülern gemeinsam in das neue Schuljahr einarbeiten kann, sind positive Faktoren.

Die Qual der Wahl

Vor allem die Frage danach, in welcher Schule ihr Kind unterrichtet werden soll, ist bei einem Umzug für Eltern relevant. Hier hilft es, sich rechtzeitig zu informieren, Meinungen einzuholen oder sich einfach selbst ein Bild zu machen. Sich im Netz, etwa in Foren, zu informieren kann dabei überfordernd und meist auch nicht sehr hilfreich sein – jeder und jede erzählt etwas anderes und die Schulsysteme und -regeln ändern sich teilweise recht schnell.

Am besten wenden sich Eltern daher an regionale Schulberatungsstellen. Für das gesamte Bundesland Bayern etwa, wo das Schulsystem sich tatsächlich erheblich von dem Rest Deutschlands unterscheidet, gibt es eine zentrale Beratungsstelle. Aber auch bei den anderen Bundesländern, Landkreisen und Regionen sind Eltern am besten beraten, wenn sie an offizielle Beratungsstellen aufsuchen. Hier bekommt man Antworten auf die ersten Fragen bzw. wird an entsprechende Instanzen weitergeleitet.

Grundschulen

Bei einem Wechsel innerhalb der Grundschulzeit ist meistens wenig Spielraum bei der Wahl der Schule. In welche Grundschule das Kind geht, entscheidet sich je nach Einzugsgebiet. Allerdings können verschiedene Angebote, wie etwa eine Ganztagsbetreuung, ausschlaggebend sein. Auf dem Land ist die Schulauswahl im Einzugsgebiet häufig kleiner, in der Großstadt kann es hilfreich sein, sich Informationen über die jeweiligen Schulen einzuholen. Hierbei hilft nur, selbst aktiv zu werden: Nachdem sie Genaueres über den neuen Wohnort wissen und die Wohnungssuche abgeschlossen ist, können Eltern auf der Homepage der neuen Heimat nachsehen, welche Grundschulen es gibt. Häufig erfährt man hier schon, welche Schulen je nach Einzugsgebiet in Frage kommen. Eltern können in der möglichen Schule anrufen um die Schule mit dem Kind zu besuchen und sich einen Eindruck zu verschaffen.

Weiterführende Schulen

Hier wird es schwieriger. Von Bundesland zu Bundesland gibt es unterschiedliche Schulgesetze. In Berlin und Brandenburg wird die Grundschule etwa sechs Jahre lang besucht und danach erst auf eine weiterführende Schule gewechselt. Es muss hier geschaut werden, auf welchem Stand das Kind vor dem Schulwechsel ist.

Vor allem das Thema „Empfehlungen“ wird je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt. In Hessen etwa können die Eltern entscheiden, ob ihr Spross auf das Gymnasium, die Real- oder Hauptschule geht. In Bundesländern wie Bayern hat jedoch die Empfehlung der Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule mehr Gewicht.

Außerdem sollten sich Eltern gemeinsam mit ihren Kindern möglichst früh darüber einig sein, wie der weitere Bildungsweg aussehen soll. Je nachdem, was angestrebt wird, ist z. B. das Angebot an Fremdsprachen oder eine mögliche Fächerkombination ausschlaggebend für die Auswahl der Schule. Natürlich können Eltern nicht schon im Kindesalter entscheiden, was ihr Kind später werden soll oder ob es mal studieren wird. Aber bestimmte Talente und Wünsche zeichnen früh ab und man sollte diesen nach Möglichkeit nachgehen.

Angelegenheiten wie vorangegangene Zeugnisse oder andere Unterlagen, die eingereicht werden sollen, sind ebenfalls an zentralen Beratungsstellen oder der jeweiligen Schule zu erfragen.

In jedem Fall ist eine frühe Auseinandersetzung mit dem Schulwechsel von essenzieller Wichtigkeit. Erstens können so schon im Vorfeld Unterlagen organisiert werden, die eventuell auch Wartezeiten mit sich bringen, zweitens können Ausschlusskriterien für bestimmte Schulen früh genug erkannt werden und drittens bleibt so genug Zeit, sich persönlich mit der Schule in Verbindung zu setzen und einen Besuch zu vereinbaren.

Leistungsniveau nicht zu ernst nehmen

Falls die Noten des Kindes nach einem Schulwechsel abfallen, gibt es nachvollziehbare Ursachen: Das Kind braucht eine Eingewöhnungsphase. Es muss sich erst an die neue Art zu unterrichten angleichen oder das Niveau der neuen Schule ist höher als auf der alten Schule, sodass es aufholen muss. Was auch immer die Gründe sind: Es bringt nichts, sofort panisch zu werden! Häufig normalisiert sich die Leistung des Schülers oder der Schülerin wieder. Eltern sollten ihr Kind beobachten und Schwierigkeiten offen besprechen. Manchmal hilft Nachhilfe, wenn es doch stärker hapert als angenommen.

Insgesamt ist ein Orts- und Schulwechsel für alle Beteiligten schwierig und lässt sich am Besten mit vereinten Kräften, Kommunikation und Verständnis meistern. Hier noch mal alle Tipps auf einen Blick:

  1. Ein offenes Ohr für alle Ängste und Bedenken des Kindes mitbringen und eventuell besonders verständnisvoll sein.
  2. Nach Möglichkeit den Schulwechsel zum Jahresende planen, wenn dies nicht geht, wenigstens das Halbjahr als Wechseltermin anpeilen.
  3. Frühzeitig regionale oder landesspezifische Beratungsstellenaufsuchen, kontaktieren und Formalia klären.
  4. So schnell es geht über die Einzugsgebiete der Grundschulen informieren, sich persönlich mit den Schulen in Verbindung setzen, möglicherweise einen Besuchstermin vereinbaren.
  5. Bei weiterführenden Schulen sollten sich Eltern zusammen mit dem Kind Gedanken über den weiteren Werdegang des Kindes machen und die möglichen Schulen auch nach Fächerkombination und anderen Möglichkeiten bzw. Einschränkungen abklopfen.
  6. Frühzeitig um sämtliche Angelegenheiten kümmern, die Dokumente oder Nachweise erfordern.
  7. Leistungsschwankungen des Kindes nicht zu panisch begegnen – lieber etwas mehr Zeit geben und abwarten.

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