Studie: „Schreiben nach Gehör“ fällt durch

Kinder lernen das Schreiben in Deutschland auf unterschiedliche Arten. Eine neue Studie hat die Methoden verglichen und straft eine besonders ab.

3 Methoden zum Schreibenlernen

Prof. Dr. Una Röhr-Sendlmeier ist die Studienautorin und forscht an der Uni Bonn. Die Psychologin untersuchte in ihrer Studie, mit welchen Mitteln und Wegen Kinder in der Grundschule besonders gut und richtig das Schreiben lernten. Dazu verglich sie drei Methoden miteinander:

  1. Das „Schreiben nach Gehör“, das auch „Lesen durch Schreiben“ genannt wird. Hierbei schreiben Kinder so, wie sie die Worte hören und meinen zu verstehen. Bis zur dritten Klasse sollte keine Korrektur erfolgen, um Frust zu vermeiden. Kinder sollen selbstständig reflektieren und feststellen, wie Wörter korrekt geschrieben werden bzw. Sätze gebildet werden.
  2. Die „Rechtschreibwerkstatt“, bei der Kinder selbstständig die Prozesse des Schreibenlernens durchlaufen, ohne dass sie eine feste Abfolge oder zeitliche Vorgaben vorgegeben bekommen. Sie soll besonders gut binnendifferenziert eingesetzt werden können.
  3. Der „systematische Fibelansatz“, bei dem im Klassenverband schrittweise und strukturiert die Rechtschreibung erprobt und einzelne Wörter und Buchstaben eingeführt werden.

Mehr Schein als Sein

Studienleiterin Röhr-Sendlmeier hat ein eindeutiges Urteil zu freieren Methoden, bei denen die Kinder die Rechtschreibung durch Ausprobieren und Reflektieren selbstständig korrigieren sollen: „Bei der Methode Lesen durch Schreiben steht mehr die schöne Vorstellung im Vordergrund, dass Kinder sich so etwas Komplexes wie die Schriftsprache selbst erarbeiten könnten, und es wird vergessen, dass die Schriftsprache nicht eine Eins-zu-eins-Entsprechung in der Lautgestalt unserer Sprache hat“, äußert sie sich gegenüber dem Deutschlandfunk. Daher würde es dieses Vorgehen den Kindern unnötig erschweren, sich die richtige Schreibweise vieler Wörter zu erschließen.

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Im Interview mit der Welt geht sie noch einen Schritt weiter und sagt, dadurch dass die Kinder in einer späteren Klasse die korrekte Schreibweise „umlernen müssten“, würden sie „die Orthografie zweimal lernen“.

Mehr Verantwortung für Eltern

Die freie Lernmethode „Schreiben nach Gehör“ ist auch für viele Eltern eine große Belastung. Sie sollen ihre Kinder erst ab der dritten Klasse korrigieren und dann aber auch mit einem erheblichen Nachdruck. Sonst verfestigen sich die eingeschlichenen Schreibfehler dauerhaft. Bis zu 55 Prozent mehr Fehler machten die Kinder in der Vergleichsstudie, die mit „Schreiben nach Gehör“ gelernt hatten als die Fibelkinder.

Warum die klassische Fibel weiterhin funktioniert

Die Psychologin fand heraus, was die Methode mit der Fibel zu lernen den Vergleichsmethoden voraus hat: Sie gehe systematisch, strukturiert, auch spielerisch ermutigend und mit Spaß an der Sache heran. Dadurch bekämen die Kindern ein Rüstzeug, Richtlinien, Regeln vermittelt, mit denen sie am Ende der vierten Schulklasse auch orthografisch richtig schreiben könnten, so Röhr-Sendlmeier im Deutschlandfunk-Interview.

Zum Studienaufbau

Gemeinsam mit Doktorand Tobias Kuhl hatte die Forscherin mit einem größeren Team die Rechtschreibleistungen von mehr als 3.000 Grundschulkindern aus Nordrhein-Westfalen systematisch untersucht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler testeten die Erstklässlerinnen und Erstklässler kurz nach der Einschulung auf ihre Vorkenntnisse.

Im Anschluss wurden fünf weitere Tests bis zum Ende des dritten Schuljahres mit der Hamburger Schreib-Probe durchgeführt. Sie erfasst als Standardverfahren die Rechtschreibleistungen in Form eines Diktats.

Zu den Ergebnissen

„Die Fibelgruppe hat sich gegenüber den beiden anderen Didaktikgruppen als überlegen erwiesen. Zu allen fünf Messzeitpunkten haben die Fibelkinder bessere Rechtschreibleistungen erbracht“, fasst der Doktorand Tobias Kuhl die Ergebnisse zusammen. So machten Kinder, die mit „Schreiben nach Gehör“ unterrichtet wurden, am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkinder. In der „Rechtschreibwerkstatt“ unterliefen den Schülerinnen und Schülern sogar 105 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkindern.

„Die Studienergebnisse weisen klar darauf hin, dass alle Kinder gleichermaßen vom Einsatz einer Fibel im Unterricht profitieren“, sagt Röhr-Sendlmeier. Die Überlegenheit des Fibelansatzes zeige sich sowohl bei Kindern mit deutscher Muttersprache als auch mit anderen früh erlernten Sprachen, wird sie von der Pressestelle der Uni Bonn zitiert.

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Titelbild: © suriyachan/shutterstock.com

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