„Aber das in rosa finde ich schöner“

Ulrikes Tochter ist vier Jahre alt. Und ein Rosa-Fan – zum Leidwesen der Autorin.

Es ist naiv, ich weiß. Doch ich versuche es: Mein Töchterchen soll mit so wenigen Geschlechterklischees wie möglich aufwachsen. Und was steht für diese Klischees? Genau, die Farbe Rosa. Als das Töchterchen ganz klein war, war das einfach: Wir hatten nix in rosa. Aber mir war immer klar: Sobald sie sich ihre Klamotten selbst aussuchen würde, würde die rosafarbene Welle kommen. Jetzt ist das Töchterchen fast vier – und die Welle ist da. Natürlich weiß ich: Das ist eine Phase. Die geht irgendwann vorbei. Das einzige, was ich tun kann: Ihr immer wieder erzählen, dass Mädchen und Jungs alle Farben tragen können, die sie wollen. Aber sie will nun eben gerade rosa. Und lila. Seufz. Das ist eine Phase. Die geht irgendwann vorbei.

Cool bleiben!

Ich versuche, ihr immer die Alternativen zu zeigen. „Guck mal, das Kleid gibt es auch in grün gestreift. Wie findest du das?“ „Schön. Aber das in rosa finde ich schöner.“ Und wenn sie sich mal nicht für rosa entscheidet, freue ich mich innerlich. Ich lasse mir aber natürlich nichts anmerken. Neulich zum Beispiel: „Ich will genau dieselben Schuhe wie letztes Jahr. Wieder in blau.“ Was ich eigentlich gerne gesagt hätte: „Yay! Kein Rosa! Wie toll! Juchhuuuu! Du bist mein Lieblingstöchterchen! Lass dich knutschen!“ Was ich tatsächlich gesagt habe: Ich: „In blau? Okay, dann kaufen wir die.“

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Das Regenhosen-Dilemma

Der Herbst kommt. Mit ihm die Suche nach einer gefütterten Regenhose. Bei einer großen Kaffeerösterei – die neben Kaffee auch allerlei andere Dinge verkauft und wie immer ein gutes Timing hat – werde ich Anfang September in der Mittagspause fündig. Es gibt sie in blau und rosa-rot. Natürlich. Als ich auf dem Absatz kehrtmache, um nach einer Regenhose in neutralen Farben zu suchen, höre ich ein kleines Stimmchen in meinem Kopf: „Aber ich wollte doch eine in rosa!“ Ich seufze, mache erneut auf dem Absatz kehrt und kaufe zwei gefütterte Regenhosen. Eine in rosa-rot, eine in blau. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und: Es ist ja nur eine Phase. Die geht schließlich irgendwann vorbei. Vielleicht sogar heute.

Eine schwere Wahl

Nach der Kita. Ich nehme beide Hosen aus meiner Tasche, lege sie aufs Sofa und sage: „Guck mal, ich habe dir eine warme Regenhose gekauft.“ „Zwei? Für mich?“ „Nein, du suchst dir eine aus und dann bringe ich die andere wieder zurück.“ „Achso. Dann nehme ich … Oh, guck mal, Mama. Die hier ist ja für Jungs!“ Sie zeigt auf die Verpackung, ein kleiner Junge spielt in der blauen Hose am Strand. „Und die hier ist für Mädchen.“ Auf der anderen Verpackung spielt ein kleines Mädchen in der rosa-roten Hose am Strand. Was ich eigentlich gerne gesagt hätte: „Verdammter Mist, wie konnte ich so blöd sein und das übersehen?!? Was soll die Gender-Farben-Kacke?!?“ Was ich tatsächlich gesagt habe: „Neinnein, auch Jungs können die rosa Hose anziehen. Und Mädchen können die blaue Hose anziehen.“ Und ich habe die Köpfe mit der Hand verdeckt. (Ja, ICH HABE DIE KÖPFE MIT DER HAND VERDECKT. So hilflos war ich.) Und dann frage ich, die Köpfe immer noch verdeckend: „Und, welche Hose hättest du gerne?“ Die Antwort wird Sie nicht überraschen.

Lektion gelernt

Das ist eine Phase. Die geht irgendwann vorbei. Aber ich habe daraus gelernt: Das nächste Mal werde ich die Sachen vorher auspacken.

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Gastautorin Ulrike

Ulrike

Ulrike hat ein Töchterchen im Kita-Alter, das alles alleine machen will, aber hin und wieder trotzdem auf Mamas Arm sitzt. Wenn das Töchterchen in der Kita ist, ist Ulrike Journalistin – ihr Spezialgebiet sind TV-Serien. Außerdem betreibt sie den Gute-Nachrichten-Newsletter „The Daily Flausch“ und gibt Seminare und Workshops in Sachen Innovation im Journalismus. Bild: © Ralf Sander



Titelbild: ©Natalia Kirichenko/shutterstock.com

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