Alles digital?! Wie Eltern ihren Kindern den Umgang mit dem Internet erklären

Wissen Sie manchmal nicht so richtig, ob Ihr Kind zu viel im Netz ist? Macht Sie das nervös oder sehen Sie das entspannt? Wir haben bei drei Digital-Experten nachgefragt.

Während der eigenen Jugend sahen die Dinge etwas anders aus: Der Fernseher wurde mit Knöpfen bedient, der Gameboy war das heißeste Teil im Jugendzimmer und die Musik kam aus dem Kassettenrekorder. Wenn man in den Neunzigern das Internet benutzen wollte, konnte niemand mehr telefonieren und der Tarif wurde nach Minute abgerechnet. Heute reicht ein einziges Gerät: das Handy, das Tablet, der Laptop oder der Desktop-PC. Dadurch erhöht sich die Zahl der Kinder, die sich früh mit mobilen Endgeräten im Netz bewegen.

Kinder nutzen regelmäßig das Internet

Das bekannteste Beispiel für Zahlen zur Nutzung des PCs und des Internets liefert die KIM-Studie (Kinder + Medien, Computer + Internet) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. In der Studie, die zuletzt 2012 erschien, wurden 1220 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren befragt. Es ging dabei vorrangig um Themen wie Gerätebesitz, Mediennutzung und Themeninteressen. Parallel dazu füllten die Eltern der Kinder Fragebögen zu den gleichen Themen aus. Heraus kam, dass insgesamt 62 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen das Internet nutzt.
Schon bei den Kindern im Alter von sechs und sieben Jahren hat ein Fünftel Erfahrungen mit dem Internet gesammelt. Der Anteil steigt mit dem Älterwerden deutlich: 93 Prozent aller 12- bis 13-Jährigen sind regelmäßig im Internet unterwegs.

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Bei den jüngeren Kindern sieht es noch nicht so drastisch aus

In einer zweiten Umfrage, der miniKIM 2014, wurden circa 500 Eltern zur Mediennutzung von Kleinkindern von zwei bis fünf Jahren befragt. Kleinkinder sehen demnach täglich etwa eine halbe Stunde fern und nutzen drei Minuten Computer-, Konsolen- oder Onlinespiele sowie für zwei Minuten das Internet samt Handy- oder Tabletspielen. Rund die Hälfte der Eltern sieht dabei die Internetnutzung kritisch. Sie glaubt, Kinder würden durch das Internet gewaltbereiter, mit unsicheren Inhalten konfrontiert und liefen Gefahr, zu „Stubenhockern“ zu werden.
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest kommt zu der Erkenntnis, dass Computer und Internet im Alltag der Zwei- bis Fünfjährigen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielten. „Lediglich 15 Prozent der Kinder haben schon erste Erfahrungen mit dem PC gesammelt.“ Die 2- bis 5-Jährigen spielen zumeist mit dem Tablet oder schauen sich Videos und Fotos an. Das Internet nutzen sogar nur sieben Prozent der Jungen und Mädchen.

Eltern als Vorbild

Oft sind Eltern verunsichert, wie viel Internet für das Kind „gut“ ist. Fakt ist, Eltern sind Vorbilder. Wer selbst alle paar Minuten das Display nach neuen Ereignissen absucht, macht es seinen Kindern schwer, nachzuvollziehen, warum es selbst nicht ständig im Internet unterwegs sein darf. Wir haben drei Digital-Experten nach ihrem persönlichen Umgang mit dem Internet in der Erziehung ihrer Kinder befragt. Wie bringen Menschen, die beruflich viel online sind, ihren Kindern den bewussten Umgang mit dem Internet und mobilen Endgeräten bei?

Tanja Dückers, Online-Journalistin, Kinder- und Jugendbuchautorin:

„Wie regeln Sie zu Hause die Nutzung des Internets?“

Tanja: „Unser Sohn, 6 Jahre alt, darf nicht allein im Internet surfen. Er kann sich aber – statt der halben Stunde täglichen Fernsehens – 30 Minuten eine Sendung, die wir mit ihm gemeinsam aussuchen, im Internet anschauen, z.B. Die Sendung mit der Maus, Der Kleine Maulwurf, BBC-Tierfilme. Danach wird der Computer ausgeschaltet.“

„Für welchen Moment mit Ihrer Familie wünschen Sie sich manchmal eine App?“

Tanja: „Wenn wir irgendwo im Stau stecken oder beim Arzt lange warten müssen. Nach mehreren Erfahrungen dieser Art sind wir mit einigen netten Kinder-Apps ausgestattet. Die Apps sind oft sehr informativ für Kinder – und Erwachsene – und schön gestaltet. Nicht immer ist ein ‚gutes‘ Buch die bessere Wahl!“

Thomas-Gabriel Rüdiger, Kriminologe, Spezialgebiet Online-Spiele:

„Wie regeln Sie zu Hause die Nutzung des Internets?“

Thomas: „Momentan bin ich in der für mich bequemen Situation, dass meine Töchter noch zu jung sind, um das Internet aktiv als Interaktionsraum zu nutzen. Wenn sie trotzdem Spiele spielen oder Videos anschauen wollen, schaue ich mir alle Programme und Videos im Vorfeld an und nutze entsprechende Schutzeinstellungen. Aber wie gesagt, so lange die Kinder noch nicht wirklich lesen können, ist das alles noch gut zu regeln.“

„Für welchen Moment mit Ihrer Familie wünschen Sie sich manchmal eine App?“

Thomas: „Für die Momente, in denen man nicht daran denkt, ein Bild oder Video zu machen und sich später immer ärgert, dass man diesen speziellen Moment nicht eingefangen hat.“

Sabine Schattenfroh, Medienpädagogin und Erziehungsberaterin:

„Wie regeln Sie zu Hause die Nutzung des Internets?“

Sabine: „Meine Kinder sind schon erwachsen. Ich hatte mit ihnen immer klare Absprachen für die Internet- und Computerspielnutzungszeiten, auf deren Einhaltung mein Mann und ich solidarisch geachtet haben. So war uns z.B. eine gemeinsame Zeit/Mahlzeit am Tag wichtig, bei der alle ‚elektronischen Störer‘ verbannt wurden. Nicht immer fanden die Kinder unsere elterlichen Mediennutzungsregeln gut und meckerten auch mal lautstark. Interessant ist aber, dass sie aus heutiger Sicht diese Regelungen als sinnvoll bewerten.

In der heutigen Zeit würde ich gemeinsam mit meinen Kindern zusätzlich einen ‚Smartphone-Vertrag‘ erarbeiten, damit sie den verantwortlichen Umgang erlernen können. In meiner medienpädagogischen Arbeit mit Schülern fällt mir immer wieder auf, wie vielfältig Kinder und Jugendliche das Smartphone nutzen und welche Probleme dabei auftreten können, wie kollektives Cybermobbing bei WhatsApp. Bei meinen Elternvorträgen fällt auf, dass Erziehende über viele dieser Problemstellungen nicht ausreichend informiert sind und die Nutzungsprobleme des Smartphones oft unterschätzen. Seit geraumer Zeit beginnen nun diese Probleme schon in den Grundschulen, da Smartphones von immer mehr Grundschulkindern genutzt werden.

Da ich als Medienpädagogin beruflich sehr viel Zeit mit Laptop, Tablet, Smartphone und Co. verbringe, gestalte ich mein Privatleben und meine Freizeit möglichst ohne elektronische Medien.“

„Für welchen Moment mit Ihrer Familie wünschen Sie sich manchmal eine App?“

Sabine: „Wenn ein Arbeitstag vorbei ist, dann zum Feierabend die tägliche Bewegungs-App: ‚App nach draußen – in den Wald!‘“

Titelbild: ©Nadezhda1906/shutterstock.com

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