Turbo-Abi: Der Streit um das gestohlene Jahr

Das sogenannte „Turbo-Abi” oder auch G8 (= achtjähriges Gymnasium) ist aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Die einen schreien: „Wir wollen 13 Jahre Schulzeit zurück!” Die anderen verteidigen das Abitur nach zwölf Jahren. Wir haben wissenswerte Fakten über das „Turbo-Abi” und die Für- und Gegenstimmen für Sie zusammengetragen.

Mit dem G8 sollten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Erstens sollte die im europäischen Vergleich lange Ausbildungszeit in Deutschland gekürzt und zweitens sollten die Lehrpläne verbessert werden. Denn der Pisa-Schock im Jahr 2001 saß tief. Im internationalen Vergleich hatten die Schüler deutscher Schulen in vielen Bereichen unterdurchschnittlich abgeschnitten. So stand fest: Im deutschen Bildungssystem muss etwas passieren. Und dann kam das sogenannte „Turbo-Abi”.
In fast allen Bundesländern müssen die Gymnasiasten nur noch zwölf statt 13 Jahre bis zum Abitur zur Schule gehen. Ein Jahr weniger Schule und doch blieb der Jubelschrei der Schüler nach dem Beschluss der Länder aus. Stattdessen gingen sie auf die Straße und protestierten.

Durch die Schulzeit gerannt

Auch wenn den Schülern und den Lehrkräften nun ein Jahr fehlt, bleibt der zu erlernende und der zu vermittelnde Lehrstoff derselbe. Die Lehrpläne seien nicht wie geplant ausreichend optimiert worden. Die Jahresstundenanzahl von 256 Stunden des fehlenden Jahres werden nun auf die bleibenden zwölf Jahre aufgeteilt. Das bedeutet für die Schüler längere Schultage und eine Woche mit bis zu 37 Schulstunden.
So mussten die Gymnasien innerhalb von kurzer Zeit die Ganztagsschule einführen. Dazu fehlte vielen Schulen die notwendige Ausstattung z. B. warmes Mittagessen, ausreichend pädagogische Betreuung und passende Schulbücher.
Da bleibt die negative Kritik seitens Lehrern, Eltern und Schülern natürlich nicht aus. Die Eltern beklagen, ihre Kinder seien überfordert und im Dauerstress. Die Schüler fordern ihre Freizeit, ihre Kindheit, ihre Jugend zurück. Und die Lehrer äußern, dass Kreativität und Persönlichkeitsbildung der Schüler auf der Strecke blieben.

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Jung, jünger, orientierungslos

Abitur nach zwölf Jahren bedeutet auch, dass die Absolventen immer jünger werden. Das war ebenfalls mit der Einführung des G8 beabsichtigt. Die Berufseinsteiger verdienen früher und durch Erhöhung des Rentenalters auch länger Geld. Das hat natürlich positive Auswirkungen auf die Wirtschaft. Bildungsforscher bezweifeln jedoch, dass sich das „Turbo-Abi” durchweg positiv auf die Studien- und Berufsorientierung der oft minderjährigen Abiturienten auswirkt. Denn das G8 fordert Opfer: Praktika und Auslandsaufenthalte, die wichtige Erfahrungen bereithalten, sind durch den straffen Lehrplan nur noch bedingt möglich. Immer mehr Klagen aus Hochschulen und der Wirtschaft werden laut, die G8-Schüler seien den von ihnen erwarteten Anforderungen nicht gewachsen.

Jüngste Entwicklungen

Die Stimmen der Schüler, Eltern und Lehrer wurden erhört. In einigen Bundesländern entwickelt sich ein Trend zurück zum G9. In Schleswig-Holstein und Hessen z. B. ist es wieder möglich, das Abitur nach 13 Schuljahren zu absolvieren.
Und nun das:
Die FAZ veröffentlichte im August 2012 Zahlen des Kultusministerium in Wiesbaden, die zeigten, dass im Jahr 2012 in Hessen weniger G8-Schüler durch die Abiturprüfungen gefallen sind als G9-Schüler. Auch eine Studie aus Hamburg hat ergeben, dass G8-Abiturienten in ihren Abiturprüfungen besser abschneiden als die Schüler, die 13 Jahre zur Schule gegangen sind.
Ob die positiven Ergebnisse mit der verkürzten Schulzeit zusammenhängen, ist jedoch umstritten.

Titelbild: ©iStock.com/ZoneCreative

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