Arbeit im Home-Office: Warum Vereinbarkeit auch Verhandlungssache ist

Ich hatte darüber gesprochen, warum ich es liebe, zu Hause zu arbeiten. Das bedeutet aber leider nicht, dass die Dinge immer wie am Schnürchen laufen. Hier kommen fünf Situation, die das Gegenteil zeigen.

Situation 1: Fiebrige Überraschungen

Es ist 23:12 Uhr. Mein Mann und ich sind auf dem Weg ins Bett. Er ist im Bad, ich schleiche, wie jeden Abend, ins Zimmer des Töchterchens. Um sie zuzudecken und einfach nach ihr zu sehen. Ihre Wangen sind rot, ich befürchte das Schlimmste. Ich lege meine Hand auf ihre Stirn, fasse ihre Händchen, ihre Füßchen an – und das Schlimmste ist bestätigt: Sie hat Fieber. Klar, Fieber an sich ist bei einem Kleinkind nicht schlimm. Aber für berufstätige Eltern grenzt es an das Schlimmste. Mein Mann kommt aus dem Bad. Ich sage: „Sie kriegt Fieber.“ – „Echt? Bist du sicher?“ – „Ja.“ Anfangs hat er meine Fieberprognosen hinterfragt, mittlerweile weiß er: Ich liege damit immer richtig. Er seufzt, ich seufze. Er sagt: „Ich hab vormittags einen wichtigen Termin. Aber nachmittags könnte ich.“ Ich sage: „Puh, schwierig. Meine Woche ist verdammt voll. Dann muss ich was auf Samstag verlegen. Oder auf morgen Abend.“ Wir einigen uns: Ich übernehme den Vormittag, er den Nachmittag. Und wenn sie am folgenden Tag noch krank ist, bleibt er zu Hause. Am Samstag wird er mit ihr drei Stunden die Wohnung verlassen, damit ich in Ruhe arbeiten kann. Zum Glück ist sie derzeit höchstens einen Tag krank. Selbst das kommt extrem selten vor. Ich klopfe auf Holz.

Situation 2: Zufriedenes Kind

„Mama, holst du mich heute nach dem Mittagessen ab? Ausnahmsweise. Du kannst dich doch mit dem Rechner in mein Zimmer setzen und arbeiten. Und ich spiele neben dir.“ Natürlich wäre es einfacher, wenn ich kategorisch nein sagen würde, wenn das Töchterchen früher von der Kita abholt werden will. Ich finde es verblüffend, dass sie mit ihren vier Jahren verstehen kann, dass ich arbeite, obwohl ich zu Hause bin. Da hat sie einigen Erwachsenen etwas voraus. „Hm. Nach dem Mittagessen klappt nicht. Aber ich kann dich um drei Uhr holen. Das ist zwar nicht ganz früh, aber vor dem Spätdienst.“ Sie guckt mich an. Ich füge hinzu: „Aber dann musst du mir versprechen, dass du mich arbeiten lässt.“ – „Ja, verspreche ich dir.“ Die Zusammenfassung der Nachmittags-Ereignisse: Wir sind in ihrem Kinderzimmer und alle fünf bis zehn Minuten will sie etwas von mir. Dass ich etwas aufbaue, dass ich etwas anschaue, dass ich ihr etwas erkläre. Das ist okay, damit hatte ich gerechnet. Weshalb ich meine Arbeit so organisiert habe, dass ich neben ihr sitzend nur Dinge mache, die nicht meine volle Aufmerksamkeit fordern. Trotzdem bleibt einiges liegen. Resultat: Zufriedenes Kind, nicht ganz zufriedene Mutter.

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Situation 3: Nachmittagsbespaßung

„Mama, können Carla und ich morgen verabredet sein?“ – „Klar, wenn Sabine Zeit für euch hat.“ – „Und wann kann Carla mal wieder zu mir kommen?“ – „Hm, lass mich mal nachdenken. Diese Woche ist schwierig, nächste Woche auch. Danach?“ – „Okay.“ – „Gut, dann kläre ich das mit Sabine.“ Vor einem Jahr noch bin ich mitgegangen, wenn sie verabredet war. Das war zeitlich nicht so einfach. Aber da ich gerade angefangen hatte, mich selbstständig zu machen, klappte das ganz gut. Alle ein bis zwei Wochen haben wir das gemacht. Seit einem halben Jahr geht sie alleine zu anderen Kindern zum Spielen, was ich großartig finde. Denn ich weiß: Sie findet das toll. Und ich habe eine Stunde mehr Zeit zum Arbeiten. Hin und wieder kommen dann auch Kinder zu uns. Was mir Zeit raubt, denn Besucherkind und Kind wollen beschäftigt werden. Weshalb ich mit meinem Mann vereinbart habe, dass er hin und wieder seine freien Tage nimmt, die durch Wochenend-Dienste angefallen sind, um Besuche bei uns zu ermöglichen. Doch die nächste Evolutionsstufe ist in Sichtweite: Neulich war Marta bei uns, die schon sechs ist. Erst haben wir gemeinsam Kekse und Äpfel gegessen, dann sind die beiden fröhlich ins Kinderzimmer gehüpft und haben die Tür zugemacht. „Du musst draußen bleiben, Mama!“, hat das Töchterchen durch die Tür gerufen. „Alles klar! Wenn etwas ist, ich sitze nebenan im Arbeitszimmer“, habe ich geantwortet und dabei einen kleinen Jubeltanz aufgeführt. Ich konnte zwei Stunden in Ruhe arbeiten. Ob das jetzt immer klappt? Nein, leider nicht. In der Folgewoche war Carla da. Und das Töchterchen und Carla wollten von mir bespaßt werden. Aber ich weiß: Eine andere Zeit ist nahe.

Situation 4: Spontane Dienstreisen

Ich nehme mein Handy, rufe meinen Mann an: „Hey. Da hat gerade jemand in München für ein Interview zugesagt. Jetzt muss ich einen Termin ausmachen. Wie würden dir nächste Woche Dienstag, Mittwoch oder Freitag passen?“ – „Dienstag kann ich nicht, da habe ich um 17 Uhr eine Besprechung. Mittwoch würde gehen, Freitag notfalls auch. Bleibst du denn über Nacht?“ – „Nö, ich fliege frühmorgens hin und nehme nachmittags den Zug, damit ich Texte schreiben kann. Ich bin gegen 23 Uhr wieder zu Hause.“ Solche und ähnliche Telefonate finden bei uns derzeit wöchentlich statt. Weil ich eine Gesprächsreihe habe, die es nötig macht, dass ich Interviewpartner in Berlin, Köln oder München besuche. Erst dachte ich, dass es schwierig werden könnte. Aber mittlerweile ist mir klar: Es ist nur eine Frage der Organisation. Und bisher hatte ich das Glück, dass die Interviewpartner die Termine nicht noch kurzfristig verschoben haben. Ich klopfe nochmal auf Holz.

Situation 5: Nebensächlichkeiten wie Putzen und Kochen

„Du arbeitest nur von zu Hause? Das könnte ich ja nicht. Ich würde die ganze Zeit putzen und kochen.“ – „Och nö, das ist bei mir absolut kein Problem.“ Diesen Dialog habe ich neulich mit einer Kita-Mutter geführt. Und es stimmt: Das ist bei mir wirklich kein Problem. Ich hasse Putzen, und es würde mir nie nie nie einfallen, aus Prokrastination tagsüber einen Putzlappen in die Hand zu nehmen. Ich koche zwar gerne, aber ich bin noch nie auf die Idee gekommen, tagsüber etwas Aufwändiges zu kochen. Denn abends gibt’s bei uns immer nur Brot, Käse, Brotaufstrich und rohes Gemüse. Oder mal einen Salat. Selbst bei Waschmaschine und Spülmaschine machen wir es mittlerweile so, dass wir sie programmieren. Dann ist sie erst abends fertig, wenn mein Mann und ich mit der Arbeit fertig sind und Zeit dafür haben.

Ich finde es spannend, hier gesammelt aufzuschreiben, was bei uns so nebenbei läuft. Das hat mir Folgendes wieder bewusst gemacht: Vereinbarkeit muss man organisieren. Und ja, das ist Aufwand. Aber wir kriegen das ganz gut hin. Derzeit zumindest.

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Über die Autorin

Gastautorin Ulrike

Ulrike hat ein Töchterchen im Kita-Alter, das alles alleine machen will, aber hin und wieder trotzdem auf Mamas Arm sitzt. Wenn das Töchterchen in der Kita ist, ist Ulrike Journalistin – ihr Spezialgebiet sind TV-Serien. Außerdem betreibt sie den Gute-Nachrichten-Newsletter „The Daily Flausch“ und gibt Seminare und Workshops in Sachen Innovation im Journalismus. Bild: © Ralf Sander



Titelbild: © Halfpoint/shutterstock.com

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