Das Schreckgespenst Mathe

Mathematik hat eine lange Tradition als Problem-Fach – so richtig Spaß hat es vielen Eltern schon nicht gemacht und den Kids geht es ähnlich. Warum? Ist Mathematik tatsächlich so schlimm?

Nicht erst seit den PISA-Studien gilt als allgemeingültig: Mathe sei ein Problem-Fach. Dabei kann es nicht daran liegen, dass deutsche Schülerinnen und Schüler unbegabt sind. Es ist viel mehr das Image der Mathematik, das sie daran hindert, sich dem Fach unbedarft zu nähern. Dabei ist Mathe nicht so schlimm – sein Ruf schon.

Relevanz? Schwer zu finden!

Was bedeutet es, die x-te Wurzel aus etwas zu ziehen? Wie lauten noch mal die binomischen Formeln? Kann man eigentlich durch Null dividieren? Aber vor allem: Warum tut man all dies überhaupt? Darin liegt der erste Knackpunkt des Schulfachs Mathe: Für viele Schülerinnen und Schüler ist das Fach zu abstrakt, spätestens wenn es an die weiterführenden Schulen geht. Während in der Grundschule noch praxisnahe Rechenaufgaben auf der Tagesordnung stehen, z. B. „Wenn fünf Pferde auf der Weide stehen und zwei davon weggaloppieren – Wie viele stehen dann noch auf der Weide?“, nehmen diese mit der steigenden Zahl der Schuljahre ab. Zwar wird im Mathematik-Unterricht erklärt, warum es sinnvoll ist, ein gleichschenkliges Dreieck vom Rest der Dreiecke unterscheiden zu können, dennoch ist das als Antwort auf die Frage „Wofür brauche ich das später?“ oft wenig aufschlussreich für die Schülerinnen und Schüler.

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Fehleranfälligkeit hemmt die Lernfreude

Mathematik gilt – wie andere naturwissenschaftliche Fächer – als kompromisslos: Wenn man nicht vorbereitet ist, eine Unterrichtseinheit nicht verstanden hat oder einem ein Logikfehler passiert, wird das Ergebnis falsch sein. Damit unterscheiden sich die Naturwissenschaften von geisteswissenschaftlichen Fächern, in denen es häufig nicht nur eine einzige richtige Antwort gibt und das Verstehen nicht direkt an eine komplizierte Formel gebunden ist. Die Motivation, sich mit Mathematik auseinanderzusetzen, hält sich dadurch in Grenzen. Die Angst zu Scheitern hemmt die Lernfreude. Ironischerweise ist aber genau dieser Faktor der Berechenbarkeit das, was in der Grundschule bei Schülerinnen und Schülern noch beliebt ist.

Was ist schon logisch?

Es ist auch eine Herausforderung für Mathelehrerinnen und -lehrer ihren Schützlingen so manche Regel beizubringen. Hebt sich der Begriff „negative Größe“ nicht auf? Um das Pferde-Beispiel erneut zu nutzen: Wenn drei Pferde auf der Weide stehenen und fünf Pferde weglaufen, stehen dann ein Defizit von zwei Pferden auf der Wiese? Wie kann überhaupt etwas abgezogen werden, das gar nicht vorhanden ist?
Die Denkweise der Mathematik erfordert eine abstrakte Form der Fantasie – was auch positiv ist. Nur wird im Mathematik-Unterricht nicht an die Fantasie, sondern an die Logik appelliert. Natürlich sind Schülerinnen und Schüler dazu in der Lage, logisch zu denken, allerdings ist die Hemmschwelle, das zu tun, höher, da schnell mal ein Fehler unterlaufen kann. Mathe wird irgendwann als kompliziert und zu weit weg von alltäglicher Logik empfunden. Schon haben einige Schülerinnen und Schüler Barrieren aufgebaut, die sie daran hindern, logische Prozesse leicht zu verstehen.

Mathe-Hass: Eine lange gepflegte Tradition

Dem Fach Mathe eilt also ein schlechter Ruf voraus. Eltern, ältere Geschwister und Großeltern machen kein Geheimnis daraus, dass Mathe ein schwieriges Fach ist. Dies baut negative Erwartungen auf und schürt Ängste. Wenn man eine Sache mit dem Gefühl angeht, man könnte scheitern, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass genau dies eintrifft. Daher geben wir 4 Tipps für Eltern, die einer negativen Einstellung zum Schulfach Mathe entgegenwirken können:

  1. Gelassen kommunizieren
  2. Sollten Sie selbst keine positiven Erinnerungen an das Fach Mathe knüpfen, versuchen Sie, dies nicht zu stark zu betonen. Lassen Sie Ihr Kind seine eigenen Erfahrungen machen und vergraulen Sie das Thema nicht frühzeitig.

  3. Logik und Fantasie
  4. Versuchen Sie, Ihrem Kind den Spaß an Mathe zu vermitteln: Denkspiele und Gedanken-Experimente können hierbei helfen. Ihr Kind lernt, dass es nicht nur eine Art zu denken gibt, dass es verschiedene Wege ans Ziel gibt und vor allem: Dass die Welt der Logik sehr groß sein kann. Vielleicht entdecken sogar Sie Ihre Freude an Mathe durch diese Übungen neu.

  5. Formeln lieben lernen
  6. Sollten Sie bereits einen Mathe-Muffel zu Hause haben, versuchen Sie, den Zugang zum Fach zu verändern. Manchmal helfen spielerische aufgebaute Lernplattformen dabei, einen leichteren Zugang zu dem Fach zu ermöglichen.

  7. Relevanz und Alltag
  8. Unser Alltag hat eine hohe Relevanz für uns und unsere Kinder. Dennoch beinhaltet dieser nicht die einzigen Faktoren, in denen gedacht werden kann und sollte. Abstraktes Denken kann Spaß machen – auch den Erwachsenen. Denkspiele etwa regen die Fhantasie an und durchbrechen Gedankengrenzen. So wird der Horizont erweitert und in der nächsten Matheaufgabe sind die negativen Größen vielleicht gar kein so abstraktes Problem mehr.

Natürlich gibt es auch Schülerinnen und Schüler mit einer ernsthaften Rechen-Schwäche. Diese sollten Hilfe von Profis bekommen und z. B. Nachhilfe oder andere Lerntherapien ausprobieren. Für viele kann jedoch bereits eine positive Mathe-Haltung viel verändern.

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Titelbild: © Phil’s Mommy/shutterstock.com

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