Das Smartphone als Alleskönner: „Wissen Sie noch damals?“

Das Smartphone vereint hunderte Anwendungen in einem Gerät. Das verändert alltägliche Gewohnheiten. Eine Infografik.

Ein Meer aus Lichtern. Friedlich leuchten sie in der Dunkelheit wie Glühwürmchen auf einer Sommerwiese. Sie strahlen ein behagliches Gefühl aus. Die Zeit vergeht ein wenig langsamer. Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als diese Lichter von Feuerzeugen kamen, die man bei Schmusesongs auf Open-Air-Konzerten in die Höhe reckte, während man Arm in Arm mitsang? Diese Funktion übernimmt heute das erleuchtete Smartphone-Display.

In anderen Situationen kann das Smartphone als Entertainment-Center im Miniaturformat aufwarten. Früher las man z. B. während einer langen Zugreise ein Buch, spielte Kartenspiele oder starrte aus dem Fenster. Heute nutzen wir die Bahnfahrt, um stundenlang Serien über Streamingdienste auf mobilen Endgeräten zu schauen, während draußen die Landschaft an uns vorüberzieht. Manche hören lieber einen Podcast oder ein Hörbuch.

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Das Smartphone als Schweizer Taschenmesser

Das alles geschieht mit einem einzigen Gerät: dem Smartphone. Okay, vielleicht noch mit einem zweiten Gerät: dem Tablet. Das kommt darauf an, was man lieber mag. Aber das sind nicht die einzigen Alltagssituationen, die sich durch das Smartphone verändert haben. Eine Auswahl: Der Einkauf wird per App bezahlt; das Essen bereits geliefert, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt. Die innersten Gefühle werden in Blogs öffentlich gemacht; Fotos vom letzten Urlaub in den sozialen Kanälen geteilt. So können Freunde und Familie direkt einen Eindruck bekommen, wie schön es vor Ort ist.
Familientreffen verlängern sich gefühlt durch WhatsApp-Gruppen. Man muss nicht mehr schwitzen, weil man vergessen hat, den Videorecorder zu programmieren: Verpasste Sendungen werden bequem in der Mediathek nachgeschaut. Wenn ein Wehwehchen plagt, durchforstet man zuerst Erfahrungsberichte und Behandlungstipps in Foren, ehe man zum Arzt geht. Dass sich Smartphone-Kalender selbstständig synchronisieren und einen akustisch daran erinnern, dass die Großtante Geburtstag hat, hat so manche Entschuldigung erspart.

Kommunikation findet auf vielen Ebenen statt

Hatte man früher Angst, nicht genug Kleingeld für einen Anruf von unterwegs zu haben, ist heute ein niedriger Akkustand eine Horrorvorstellung. Wir kommunizieren in Chats, Sprachnachrichten, Tweets, Pushes, SMS – manchmal sogar über Anrufe. Wichtige Informationen werden per Mail aufs Smartphone übermittelt. Die Einkaufsliste vom Partner per Sprachnachricht hinterlassen. Gruppen verständigen sich über WhatsApp. Die Freunde, die sich den Messengern verweigern, melden sich per SMS zu den bevorstehenden Wochenendplänen. Wer Facebook und WhatsApp nicht alles preisgeben möchte, nutzt Threema. Wichtige Lebensereignisse werden zuerst per Statusmeldung verbreitet, ehe man die Mutter anruft. Es fällt schwer, zwischendurch abzuschalten.

Eine repräsentative Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) fand 2013 heraus, dass 61 Prozent der Deutschen der Meinung sind, der Stress habe in den letzten 15 bis 20 Jahren zugenommen. 36 Prozent derer, die sich häufig als gestresst empfinden, geben an, fast durchgehend online zu sein. Von den Berufstätigen, die sich durch die Informationsflut gestresst fühlen, sind es ganze 44 Prozent.
Besonders die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen ist nach eigenen Angaben fast dauerhaft online (87 Prozent). Bei den 26- bis 35-Jährigen ist es jeder Zweite und bei den 36- bis 45-Jährigen ist es noch ein gutes Drittel.

Wir kommunizieren überall per Smartphone: bei der Arbeit, im Wartezimmer der Arztpraxis, in der Warteschlange im Supermarkt und vielleicht sogar während einer Verabredung mit einem nicht ganz so interessanten Menschen. Die Soziologin und Psychologin Sherry Turkle, Leiterin mehrerer Studien am renommierten MIT zu den Auswirkungen des Internets auf soziales Verhalten, bestätigt diese Wahrnehmung. In ihrem Artikel „Stop Googling. Let’s Talk.“ fordert sie die Leser und Leserinnen auf, dieses Verhalten zu überdenken, da wir uns damit die Chance auf echte Gespräche entgehen lassen. Ihre Erfahrungen zeigen, dass es Kindern schwerer fällt, Emotionen bei einem Gegenüber einzuordnen, wenn sie ständig mit einem Smartphone in Berührung kommen. Die Ablenkung durch ein Smartphone führe außerdem dazu, dass viele Menschen es kaum noch aushielten, darauf zu warten, dass sich ein Gespräch entfalte.

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Messenger sind auf dem Vormarsch

In Deutschland wurden im Jahr 2015 nach Schätzung des Statistischen Bundesamts 667 Millionen WhatsApp-Nachrichten versendet. Die SMS-Nachrichten werden hingegen seit 2012 immer weniger, sodass hier im Vergleich nur noch 39,8 Millionen SMS geschätzt wurden. Im Schnitt telefonieren wir im Vergleich dazu nur etwa neun Minuten am Tag mit dem Smartphone.

Das Smartphone ändert die Art, wie wir Wissen verarbeiten

Wir denken heute eher darüber nach, wie wir an eine Information kommen, anstatt zu versuchen, uns daran zu erinnern oder sie zu erschließen. Diese Information kann vom Kopfrechnen über Vokabeln zu Faktenwissen reichen. Im Zweifelsfall checken wir per Smartphone, ob wir uns nicht irren. Das verändert die Art, wie wir im persönlichen Gespräch miteinander diskutieren. Wir zücken das Smartphone, um unser Argument zu untermauern – mit der geballten Kompetenz des Internets. Die gemeinsame Suche rückt dabei in der Alltagskommunikation stärker in den Vordergrund als die eigentliche Information, wie Mannheimer Soziologen in Feldversuchen herausfanden.

Unterhaltung in der Hosentasche

Langeweile ist dank des Smartphones ein Phänomen der Vergangenheit – es sei denn, der Akku ist leer oder man entscheidet sich bewusst für die Auszeit. Das eingangs beschriebene Entertainment-Center im Hostentaschenformat macht Geräte wie den MP3-Player, den Fernseher, das Buch und die Spielekonsole überflüssig.

Das spart Platz, sorgt aber auch für Ablenkung: Laut einer Untersuchung der Universität Bonn nutzen wir das Smartphone drei Stunden täglich. Wir nehmen es im Schnitt alle 15 Minuten zur Hand, um zu texten, zu telefonieren oder zu spielen. Mal nur kurz, mal etwas länger. Das führt zu einem Abfall der Produktivität, wie der Psychologieprofesser Christian Montag konstatiert. Das Problem sei, dass das Smartphone uns die Möglichkeit des Multitaskings vorgaukele. Tatsächlich kann unser Hirn jedoch nicht mehrere gleichzeitig ablaufende Prozesse bewältigen. Er mahnt zu einen bewussten Umgang mit mobilen Endgeräten. Schlecht sind sie nicht, aber übertreiben sollte man es auch nicht.

Die Glühwürmchen leuchten

Am Ende findet man sich auf dem Konzert mit den Freunden wieder. Man lacht, weint und teilt schöne Momente. Mit diesen Freunden und den Menschen, die bei Facebook in der Freundesliste sind. Auf dem Weg nach Hause hört man noch einmal die Lieblingslieder der Band auf dem Smartphone. Man freut sich über die schönen Fotos, die man als Erinnerung mit der Handykamera geschossen hat. Wissen Sie noch, als das nicht so war?

Titelbild: © sofatutor.com

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