Der Wunschzettel ist keine Bestellliste

Durchschnittlich werden 129 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben, 70 Euro davon für Spielzeug. Wir haben mit dem Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch gesprochen, wie viel für Kinder angemessen ist.

Im Groben scheint zu gelten: Je älter das Kind, desto mehr geben Eltern auch für Weihnachtsgeschenke aus. So zumindest das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die im Auftrag des Online-Spielzeug-Portals myToys erfolgte. Mehr als 1000 Mütter und Väter wurden darin nach ihren Kaufabsichten für das bevorstehende Weihnachtsfest befragt.

Selbst Kleinkinder bekommen bereits Geschenke für 77 Euro

Nach der Studie erhalten bereits Kinder bis zwei Jahre Geschenke im Gesamtwert von 77 Euro, so viel zumindest haben deren Eltern vor auszugeben. Die Drei- bis Fünfjährigen dürfen sich über Präsente im Wert von 105 Euro freuen, Kinder bis acht Jahre erhalten nach der Studie Geschenke im Wert von 121 Euro. Das meiste Geld wird für Kinder ausgegeben, die älter als zwölf Jahre sind. Im Schnitt investieren Eltern hier in diesem Winter 152 Euro.

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„Weihnachten ist kein Konsumfest“

Albert Wunsch hält 30 bis 90 Euro für ein gesundes Maß, je nach den Einkommensverhältnissen der Eltern. Das sollte auch für den Sohn oder die Tochter der Millionärsfamilie gelten: „Kinder sollen nicht aus dem Blick verlieren, um was es bei dem Fest geht. Weihnachten ist kein Konsumfest“, appelliert der Experte.

Vom „Geschenkeansparen“ und „Zeitverschenken“

„Es gibt viele Geschenke, die große Freude bereiten und kein oder wenig Geld kosten“, so Wunsch. Er berichtet von einer Mutter, die ihrem Sohn 12 Gutscheine für das lästige Packen des Turnbeutels schenkt oder einem Großvater, der seiner 17-jährigen Enkelin anbietet, sie mehrfach im Jahr von Partys abzuholen. Andere Eltern, Großeltern oder auch Paten verschenken Tagesausflüge – ob Dampfeisenbahnfahrt, Technik-Museum mit Mitmachaktionen, Mountainbike-Training in der Kiesgrube, Reitstunden oder Fahrtraining auf dem Auto-Übungsgelände.

„Und wenn es doch unbedingt das neuste Smartphone sein muss, einfach mal Geschenke ansparen”, rät Wunsch. „Die Kinder haben das Warten verlernt“, fügt er hinzu: „Wenn es das Geschenk erst später gibt, schmälert das nicht seinen Wert, sondern erhöht die Vorfreude zusätzlich.“

„Stehen Eltern in dem Dilemma, ihren Kindern einen Herzenswunsch erfüllen zu wollen, sie gleichzeitig aber vor bestimmten Einflüssen schützen zu müssen, sollte die eigene Einschätzung nicht leichtfertig aufgegeben werden”, empfiehlt der Psychologe. Denn das, was oft als Herzenswunsch geäußert wird, entspricht meist dem Gedanken des Mithaltenwollens. Die Wünsche von Kindern orientieren sich häufig an dem, was zurzeit in der Clique angesagt ist. Dies kann aber übermorgen schon wieder anders sein und ist nicht unbedingt ein Gütekriterium.

Wunschs Tipp

Gerade in diesem Jahr gibt es viele Flüchtlingskinder, die sich über Geschenke riesig freuen würden.
Besorgen Sie mit Ihrem Kind kleine Geschenke, sprechen Sie diese mit der sozialen Institution ab und bringen Sie sie an die entsprechenden Orte. Sie werden feststellen, dass die Freude
bei allen Beteiligten groß sein wird.

Dr. Albert Wunsch ist Psychologe und promovierter Erziehungswissenschaftler und Diplom Pädagoge. 2013 begann er eine hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen/Neuss, hat seit vielen Jahren einen Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf inne und arbeitet in eigener Praxis als Paar-, Erziehungs-, Lebens- und Konflikt-Berater sowie als Supervisor und Konflikt-Coach (DGSv). Er ist Vater von zwei Söhnen und Großvater von drei Enkeltöchtern.

Bücher:

Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17


Titelbild: ©Melpomene/shutterstock.com

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