„Ein Schaf raubt uns den Schlaf“

Was darf das Kind gucken? Und wie oft? Ulrikes Tochter guckt seit kurzem Shaun das Schaf. Und das klappt ganz gut. Eigentlich.

Samstagmorgen, 6.30 Uhr. Tapptapptapp. Das Töchterchen kommt an unser Bett gelaufen. Krabbelt über meinen Mann, legt sich zwischen uns.

Kaum hat ihr Kopf das Kissen berührt, sagt sie: „Papa, darf ich Shaun gucken?“
„Später, jetzt ist es noch so früh. Lass uns noch ein bisschen kuscheln und schlafen.“
„Okay.“
Zwei Minuten später: „Mama, darf ich jetzt Shaun gucken?“
„Lass uns noch bis acht schlafen, bitte.“
„Wann ist acht?“
„Wenn der Wecker klingelt.“
„Okay.“
Zehn Minuten später: „Mama! Der Wecker hat geklingelt! Darf ich jetzt Shaun gucken?“
„Du hast den Wecker klingeln hören? Wirklich?“
„Nein.“ Das Töchterchen grinst. „Darf ich jetzt trotzdem Shaun gucken?“
„Nein. Lass uns noch ein bisschen dösen. Bitte!“
„Okay.“

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Jeden Samstag geht das bei uns so. Manchmal kommt sie ins Schlafzimmer gelaufen, manchmal will sie in ihrem Zimmer abgeholt werden. Manchmal ist es 6.30, manchmal auch 7 Uhr, manchmal haben wir Glück und es ist erst 7.45 Uhr.

Vorbei ist die heile „Unser-Kind-guckt-nix“-Welt

Das haben wir uns selbst eingebrockt, als wir vor ein paar Monaten Shaun das Schaf in unser Leben ließen. Bis dahin lebten wir in der heilen „Unser-Kind-guckt-nix“-Welt. Was viele Leute überrascht hat: Mein Mann und ich sind Seriengucker der extremen Sorte. Außerdem bin ich Serienkritikerin. Weswegen wir oft gefragt wurden: „Und, was guckt das Töchterchen so?“
„Nix.“
„Nix? Aber ihr guckt doch selbst so viel.“
„Ja, aber sie ist noch viel zu klein. Bei uns läuft der Fernseher nur, wenn sie im Bett ist. Wir können sie ja schlecht blutige Hochzeiten bei Game Of Thrones mitgucken lassen.“

Wie wir das Schaf in unser Leben ließen

Im Mai dann – das Töchterchen war dreieinhalb – haben wir überlegt, dass wir sie langsam heranführen müssen. Damit sie einen entspannten Umgang lernt und sich „Fernsehen dürfen“ nicht zu einer Sehnsucht entwickeln kann. Das Knet-Schaf schien da naheliegend: kuschelig, witzig, schön gestaltet, smart (schließlich müssen wir ja mitschauen). Wir entschieden uns, sie erstmal auf dem iPad gucken zu lassen. Dort sind die Figuren nicht so riesig. Und dabei sind wir bisher geblieben. Obwohl wir mit ihr bei Freunden schon eine Folge auf einem Fernseher gesehen haben, findet sie es zu Hause schöner, wenn Shaun auf ihren Knien liegt. Drei siebenminütige Folgen darf sie gucken – nur am Wochenende. Sie nimmt sich zwar immer vor, eine Folge am Samstagmorgen und zwei am Sonntagmorgen zu schauen. Aber das klappt nie. Ist eine Episode vorbei, sagt sie:
„Und jetzt noch eine!“
„Wolltest du dir nicht Folgen für morgen aufheben?“
„Ja, aber erst nächstes Wochenende.“ (Natürlich wird das nicht klappen.)

Wochenlang dieselben Shaun-Geschichten

Anfangs haben sie die Ereignisse etwas eingeschüchtert. Sie hat sich nur ungern auf neue Geschichten eingelassen. So haben wir wochenlang dieselben drei Folgen geschaut – manchmal sogar dreimal dieselbe nacheinander. Doch mittlerweile möchte sie neue Folgen gucken. Wir sind trotzdem erst im ersten Drittel der ersten Staffel.

Wir, die Shaun-das-Schaf-Kommentatoren

Allerdings filtern wir: Wenn sich die Beschreibung der Folge so liest, als könnte die Geschichte ihr Angst einjagen, dann schlagen wir sie ihr nicht vor. Timmy, das Baby-Schaf, verliert seinen Teddy und muss furchtbar weinen? Nichts für das zarte Gemüt unseres Töchterchens. Und die Folge „Spuk in der Scheune“ wird sie nicht schauen. Trotzdem gibt es hin und wieder Episoden, die sie nicht weitergucken will, weil sie ihr zu gruselig sind – zum Beispiel dann, wenn der wütende Bauer um die Ecke kommen könnte oder die Schweine fiese Dinge aushecken. Und da hilft es auch nicht, dass wir neben ihr auf dem Sofa sitzen, sie sich an uns kuschelt und wir alles kommentieren, was auf dem Bildschirm geschieht. Ja, alles! Immer! Auch bei Folgen, die wir alle schon 54-mal gesehen haben. Warum wir das tun? Weil wir denken, dass sie andernfalls Geschehnisse missverstehen und vielleicht Angst bekommen könnte. Und weil wir sie auffangen wollen, damit sie nicht zu sehr in der Geschichte versinkt. Haben wir uns so überlegt, ohne dass wir wirklich Ahnung davon haben.

Nicht jeden Tag ist Wochenende

Die Regel „Drei Folgen am Wochenende“ ist für das Töchterchen offenbar so gut zu verstehen, dass sie sie bisher nicht in Frage stellt. Hin und wieder kommt mal die Frage: „Darf ich ausnahmsweise heute Shaun gucken?“ Aber wenn die Antwort lautet: „Ist denn heute Wochenende?“, ist die Diskussion für sie beendet.

Ob sie uns am Samstag länger schlafen lassen würde, wenn sie nicht aufs Shaun-Gucken hinfiebern würde? Bestimmt. Aber darüber hatten wir vorher nicht nachgedacht.

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Über die Autorin

Gastautorin Ulrike

Ulrike hat ein Töchterchen im Kita-Alter, das alles alleine machen will, aber hin und wieder trotzdem auf Mamas Arm sitzt. Wenn das Töchterchen in der Kita ist, ist Ulrike Journalistin – ihr Spezialgebiet sind TV-Serien. Außerdem betreibt sie den Gute-Nachrichten-Newsletter „The Daily Flausch“ und gibt Seminare und Workshops in Sachen Innovation im Journalismus. Bild: © Ralf Sander




Titelbild: ©MNStudio/shutterstock.com

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