Ist es eine Lüge oder die Anpassung der Wahrheit an die Umstände?

Es gibt den Spruch: „Frauen lügen nicht, sie passen die Wahrheit den Umständen an.“ Das gilt eins zu eins für Kinder und Teenager. Man bringt ihnen zwar bei, immer die Wahrheit zu sagen. Trotzdem verfallen sie irgendwann in dieses „Anpassungsschema“.

Der Klassiker: Die Hausaufgaben

Am häufigsten „lügen“ meine Kinder bei der Frage „Habt ihr Hausaufgaben auf?“. Die wird stoisch mit „Nein“ beantwortet. Ich habe mal versucht, die Frage umzuformulieren: „In welchem Fach habt ihr Aufgaben auf?“ Zu 90 Prozent bekam ich die Antwort: „In keinem!“
Heute frage ich nicht mehr. Bis zur siebten Klasse hatten die Eltern untereinander mehr Kontakt. Da kam es häufig vor, dass andere Eltern bei mir anriefen und fragten, wie meine Kinder die Aufgaben gelöst hätten. War immer etwas ungünstig.
Heute kommt nach drei vergessenen Hausaufgaben ein Brief ins Haus. Hatten wir bisher aber nur zweimal – danach klappt es wieder.

Ein weiterer Knackpunkt: Ausgehen

Wer kommt alles mit und wie lange darf man bleiben? Warum haben wir früher, ohne WhatsApp, SMS etc. eine eindeutige Absprache untereinander hinbekommen? Wir haben es geschafft, dass alle beteiligten Eltern, die gleichen „falschen“ Informationen bekamen. Heute müsste das doch viel einfacher sein. Warum können sich die Kinder nicht mehr Mühe geben? Ich gebe es ja zu, dass ich eine diebische Freude daran habe, solche Konstrukte zu durchschauen und auffliegen zu lassen. Wenn es besser gemacht wäre, würde ich auch mal anerkennend drüber wegsehen.

Mit Spaß zum Lernerfolg – so geht's
30 Tage kostenlos testen

Rumprahlen

Geschichten größer und spannender machen – auch ich konnte das als Kind und Jugendliche ganz hervorragend. Blöd nur, wenn man sich in Widersprüche verstrickt oder der gleichen Person die Geschichte in zwei Varianten erzählt. Meine Tochter ist da wie mein Spiegelbild. Manchmal weise ich sie auf Ungereimtheiten hin. Manchmal denke ich an meine Geschichten und finde es im Nachhinein echt peinlich, für wie blöd ich meine Eltern hielt.

Warum so müde?

Eine Vorspieglung falscher Tatsachen gibt es häufig bei den Schlafenszeiten. Wenn ich so tue, als würde meine Schlafzimmertür zugehen, scheint sofort wieder Licht unter der Türritze durch. Wenn ich am nächsten Morgen frage, warum meine Kinder so müde sind, erzählen sie auch noch, dass sie längst geschlafen haben, als ich ins Bett gegangen bin. – Tja, wie konnten sie das merken, wenn sie geschlafen haben?

Beim Naschen überführt

Ungünstig ist für meine Kinder, dass ich im Home-Office arbeite und viel mitbekomme. Natürlich schlafen sie in den Ferien länger und frühstücken später als ich. So ergibt sich folgender Dialog:
Ich: „Hast Du schon gefrühstückt?“
Sohn: „Ja.“
Ich (in Anbetracht des unveränderten Frühstückstisches): „Was hast Du gegessen?“
Sohn: „Cornflakes.“
Ich: „Die waren schon vor Weihnachten alle.“
Sohn: „Ich meine das Müsli.“
Ich (sehe kein dreckiges Geschirr): „Dann bring die Müslischale bitte wieder in die Küche.“
Sohn: „Die steht schon im Geschirrspüler.“
Innerlich liege ich vor Lachen am Boden. Um sicher zu sein, öffne ich den Geschirrspüler. Gähnende Leere.
Ich: „Lass uns nochmal anfangen: Was hast Du gegessen?“
Sohn: „Die letzten Printen aus der Keksdose.“
– Geht doch!

Wem Glauben schenken?

Anstrengend ist die Wahrheitsfindung geht es um schulische Belange. Muss ich als Elternteil zwischen der Auslegung von Lehrer oder Lehrerin und eigenem Kind entscheiden, bin ich häufig im Zwiespalt. Mein Mutterherz stellt sich vor die Kinder, mein Verstand gibt dem Lehrer oder der Lehrerin recht. Manchmal hilft mir da eine dritte oder vierte Meinung von einer weiteren Lehrkraft, aber auch von Klassenkameraden. Die lügen fremde Eltern seltener an als ihre eigenen.

Weitere Artikel von Katja:

Über die Autorin

Gastautorin Katja

Katja

Katja, Jahrgang 1975, Mutter von zwei – mal mehr mal weniger pubertierenden – Teenagern. Sie ist Mitgründerin von SHEworks!, dem Onlinemagazin für Gründerinnen und Unternehmerinnen. Ihre Leidenschaft für Social Media gibt sie beratend weiter. Wenn ihre Finger die Tastatur heiß getippt haben, entspannt sie sich mit Vorliebe bei der Gartenarbeit oder Handarbeiten.



Titelbild: © RONORMANJR/shutterstock.com

Was Sie jetzt tun sollten ...

  1. Motivation beim Lernen ist der Schlüssel zum Lernerfolg Ihres Kindes. Holen Sie sich die Motivationstipps von Lehrer Giuliano in diesem Video.
  2. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und schauen Sie sich an, was sofatutor für Sie und Ihr Kind anbietet.
  3. Überzeugen Sie sich selbst und testen Sie sofatutor 30 Tage lang kostenlos.