Der Kampf mit dem Essen: Hungrig-Online klärt auf

Die größte Online-Selbsthilfegruppe bei Essstörungen Hungrig-Online e.V. Information und Kommunikation bei Essstörungen bietet neben der Aufklärung, Hilfe und dem anonymen Austausch für Betroffene selbiges auch für Angehörige, Fachleute und Lehrkräfte an.

Depressionen, Süchte, Angststörungen – Millionen Menschen leiden unter psychischen Krankheiten. Studien (laut Zeit online) gehen davon aus, dass fast jeder mindestens einmal im Leben davon betroffen ist, ob selbst erkrankt, oder als nahestehende Person eines oder einer psychisch Erkrankten. Eine sich immer mehr unter den Süchten verbreitende psychische Erkrankung ist die Essstörung, von der Kinder und besonders Jugendliche nicht unberührt sind. Da bei den Betroffenen selbst die Erkenntnis darüber meist sehr verblendet ist, ist es für die Angehörigen umso schwerer, mit diesem Umstand umzugehen. Doch ist eines wichtig zu wissen: Man ist nicht allein.

Was sind Essstörungen?

Bei Essstörungen unterscheidet man grob zwischen drei Formen: die Ess-Brech-Sucht (Bulimie), die Magersucht (Anorexie) sowie die Ess-Sucht (Heißhungeranfälle, Binge-Eating-Störung). Von Magersucht spricht man, wenn das Gewicht ca. 20% unter dem Normalgewicht liegt und Körper und Maße verzehrt wahrgenommen werden. Trotz Untergewicht haben Betroffene permanente, fast panische Angst zuzunehmen. Essstörungen können ineinander übergehen, sodass auch Bulimie gehäuft im Zusammenhang mit Magersucht auftritt. Im Gegenteil zur Magersucht kommt es hier zu vermehrten Heißhungeranfällen, bei denen große Mengen an „verbotener Nahrung“ gegessen und aufgrund des „schlechten Gewissen“ und der Angst dick zu werden, im Anschluss an die Essattacke erbrochen wird. Genauso wie bei der Bulimie, leiden auch die Betroffenen des Binge Eating unter stetigen Heißhungerattacken, erbrechen aber die aufgenommene Nahrung nicht wieder, was in den meisten Fällen zu Übergewicht führt. Dennoch ist es bei Essstörungen oder der Vermutung jener Erkrankungen nicht so, dass immer pauschale Aussagen zutrefflich sind. So leidet nicht jeder Mensch mit Übergewicht an Binge Eating, generell zählt Fettleibigkeit (Adipositas) nicht zu den Esstörungen. Auch kann man bei Untergewicht nicht automatisch von eine Essstörung ausgehen, genauso wie bei einem offensichtlichen Normalgewicht eine Esstörung nicht auszuschließen ist.

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Essstörungen sind ein sehr sensibles Thema und der Umgang damit erfordert viel Wissen, Rücksichtnahme und Feingefühl. Wir haben es hier nicht mit einer Modeerscheinung zu tun, auch wenn uns das Medien, Laufstege und die Konsumindustrie zunehmend und in immer krasseren Auswüchsen verschleiern wollen. Essstörungen sind schwerwiegende Krankheiten, die psychische, physische und soziale Folgen mit sich bringen können und nicht unterschätzt werden sollten.
Die Scham bei allen psychisch Erkrankten ist groß. Betroffene verheimlichen ihre Probleme, ziehen sich zurück und vertrauen sich nur in den seltensten Fällen jemandem an. Dabei ist es wichtig, gehört zu werden, denn den Schritt aus solch einem Teufelskreis heraus, gelingt den wenigsten allein. Hungrig online e.V. stellt eine Möglichkeit für Betroffene sowie Angehörige dar, dieses Schweigen und die Einsamkeit mit der Krankheit zu brechen.

Hungrig-Online e.V.

Der 2001 gegründete Verein Hungrig-Online e.V. stellt auf seiner Seite umfangreiche Kommunikationsmöglichkeiten vor, die Betroffenen und deren Angehörige anonym und kostenlos Hilfe- und Aufklärungsangebote zur Verfügung stellt. Das Angebot reicht von Berichten aus Forschung und Wissenschaft, über Literatur und Linktipps, Infos zu Beratungsstellen und Therapieangeboten, Klinikberichten und virtuellen Selbsthilfegruppen und bietet Aufklärung zu Symptomen, Ursachen und Risiken von Essstörungen. Daneben hat man Zugriff auf eine umfangreiche Enzyklopädie, eine Vielzahl an moderierten Themenforen zum Austausch, Online-Chats und Beratungsforen.

Wichtig und besonders für diese Art des Umgangs mit Essstörungen ist die klare Regel von Hungrig-Online, dass es nicht gestattet ist, Angaben zu Größe, Gewicht, Umfängen oder BMI anzugeben. Wer sich nur ansatzweise durch den Dschungel an Foren und Seiten dieses Thema betreffend durchgeklickt hat, weiß um diese Besonderheit und warum jene Nutzungsvorgabe nur von Vorteil sein kann. Allen voran um dem Konkurrenzdenken die Stirn zu bieten, das Prozesse in diesen Krankheitbildern nur Vorschub leistet.

Hungrig-Online e.V. bietet somit ein umfangreiches Angebot zur Hilfestellung und Aufklärung in erster Linie für Betroffene, lässt aber die Mit-Betroffenen nicht außen vor, denn der Umgang mit solch einer Krankheit überfordert Außenstehende zunächst maßlos und wirft eine Flut an Fragen auf. Wichtig ist es für Angehörige, sich umfassend zum Thema Essstörungen zu informieren, den oder die Betroffene anzusprechen, ohne dabei in die Tonalittät des zur Rede Stellens zu verfallen. Verzweiflung auf der Seite der Angehörigen, Angst, Anspannung und zum Teil auch ein schlechtes Gewissen sowie unbewusste Ignoranz auf der Seite der Betroffenen, macht den Umgang oft schwer und man muss sehr sensibel damit umzugehen wissen. Bei allen Bemühungen darf aber eines nicht außer Acht gelassen werden: Dass an vorderster Stelle die Einsicht der Erkrankten selbst steht, sich helfen zu lassen ‒ Erkenntnis ist der erste Schritt.

Bewusstsein – keine alleinige Hilfe

Wichtig bei dem ganzen Fluss an Informationen und Hilfestellungen, welche diese Plattform bietet, die 2008 mit dem Sonderpreis beim „Innovationspreis e-Health“ ausgezeichnet wurde, ist, dass trotz des umfangreichen Angebotes damit keine Therapie ersetzt werden kann. Ziel der Initiatoren ist es, das Bewusstsein für Essstörungen zu schärfen und Motivator sowie helfende Hand bei der Auseinandersetzung, Prävention und Suche nach Austausch zu sein.

Link zur Seite

Weitere Informationsseiten, die umfassend über:
Magersucht
Bulimie
Binge-Eating
aufklären

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Titelfoto: ©O.Guero/shutterstock.com

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