Moby Dick – was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

Laut einer Studie von Focus Schule von 2007 werden pro Woche 500 000 Kinder gehänselt. Manche Experten vermuten, dass die Dunkelziffer weit höher ist. Wie können Sie erkennen, ob Ihr Kind gemobbt wird und was können Sie dann tun?

Was ist Mobbing?

Der Begriff Mobbing wurde aus dem Englischen von „mob“ übernommen, was so viel wie „belästigen, anpöbeln“ bedeutet. Es lehnt auch an das deutsche Wort „Mob“ an, das eine aufgewiegelte Volksmenge, Meute, Bande beschreibt. Damit man von Mobbing als Gewaltform spricht, müssen, laut Mobbingexperte Mustafa Jannan¹, folgende vier Kennzeichen gleichzeitig zutreffen:

  • Kräfteungleichgewicht: Das Mobbingopfer steht immer allein gegenüber einem oder mehreren Mobbern und deren Mitläufern.
  • Häufigkeit: Das Opfer wird mindestens einmal die Woche schikaniert, wenn nicht sogar fast täglich.
  • Dauer: Die Übergriffe erfolgen über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate).
  • Konfliktlösung: Das Opfer kann aus eigener Kraft das Mobbing nicht beenden. Das geht nur durch Hilfe von außen. Wehren ist nutzlos.

Wenn sich also zwei Kinder gegenseitig beschimpfen und beleidigen, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, ist das kein Mobbing, sondern ein Streit auf Augenhöhe. Auch einmalige Hänseleien zählen nicht als Mobbing.

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Wie erkenne ich, ob mein Kind gemobbt wird?

Für Eltern und Lehrer ist es nicht immer leicht, zu erkennen, ob ein Kind gemobbt wird. Kinder tendieren zum Schweigen und ziehen sich zurück. Sie sagen nichts, weil sie Angst haben, die Klassenkameraden würden ihn oder sie als Petze beschimpfen und noch mehr drangsalieren. Oft glauben sie, dass Erwachsene die Situation auch nicht verbessern können oder noch alles schlimmer machen. Manchmal fürchten die Kinder, mit unpassenden Ratschlägen wie „wehr dich doch einfach mal“ abgespeist zu werden. Wenn die Schikanen über einen längeren Zeitraum gehen, kommt es auch vor, dass Kinder durch das ständige Mobbing ihre Selbsteinschätzung verändert haben und glauben, dass sie für die schwierige Situation verantwortlich seien.

Doch auch wenn ihr Kind schweigt, gibt es Anzeichen, an denen sich erkennen lässt, ob es schikaniert wird: Ihr Sohn oder Ihre Tochter…

  • … kommt oft bedrückt nach Hause, wirkt häufig launisch oder sogar aggressiv.
  • …zieht sich ungewöhnlich oft zurück.
  • …wirkt unsicher, das Selbstwertgefühl hat abgenommen.
  • …schneidet auf einmal schlechter in der Schule ab.
  • …will nicht mehr in die Schule gehen.
  • …kommt häufig mit beschädigter Kleidung oder kaputten Schulsachen heim.
  • …verliert häufig Geld (dieses wird gebraucht, um Mobber zu bezahlen).
  • …hat immer öfter körperliche Beschwerden wie Bauchweh oder Kopfschmerzen, vorallem Sonntagabend oder kurz vor Schulbeginn.

Wenn Sie diese Kennezeichen bei Ihrem Kind entdecken, nehmen Sie es in einer ruhigen Minute für ein Gespräch zur Seite. Denken Sie daran, dass diese Verhaltensweisen andere Hintergründe als Mobbing haben können, aber auch dann ist eine Aussprache sinnvoll. Seien Sie geduldig. Es kann passieren, dass sich Ihr Kind nicht gleich öffnet. Besonders bei Jungs kann es hilfreich sein, das Gespräch mit einer Aktivität zu verbinden (z. B. Spaziergang, Fahrradtour, Autofahrt). Jungs neigen eher dazu, nicht gern über sich zu reden. Das Gespräch läuft aber oft besser, wenn es mit einer Bewegung verbunden ist.

Sobald ein Gespräch entstanden ist, erklären Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter, was Mobbing ist und betonen Sie, dass der Betroffene keine Schuld an seiner Situation hat. Die Erkenntnis, dass wirklich jeder ein Mobbingopfer werden kann, ist wichtig. Auch ein Austausch mit Gleichgesinnten, in Chats wie auf den Seiten www.schueler-gegen-mobbing.de oder www.mobbing-schluss-damit.de, kann zu einer Besserung des Selbstwertgefühls beitragen.

Warum bekommt die Lehrkraft nichts mit?

Wenn Sie erfahren, dass Ihr Kind gemobbt wird, sind Sie wahrscheinlich erst mal wütend und entsetzt. Sie fragen sich, warum die Lehrer nichts mitbekommen haben? Mobbing geschieht häufig an Schulen, weil es Orte mit geringer Kontrolle sind. Die Lehrer sind den Schülern zahlenmäßig weit unterlegen. Selbst der aufmerksamste Lehrer kann nie alle Schüler im Blick haben. Die Mobber führen ihre Übergriffe häufig nicht im Unterricht aus, sondern in den Pausen, abseits von den Blicken der Lehrer. Ein weiterer Grund warum Mobbing häufig an Schulen stattfindet, ist die Tatsache, dass Schüler nicht einfach von der Schule weglaufen können, wie z. B. am Nachmittag auf dem Spielplatz.

Was können Eltern tun?

Vermeiden Sie auf jeden Fall, das Problem über den Kopf Ihres Kindes hinweg lösen zu wollen. Der erste Impuls ist oft, mit den Tätern direkt zu sprechen oder deren Eltern anzurufen. Das hat leider nicht den gewünschten Effekt, dass das Mobbing aufhört, sondern die Schikanen werden in den meisten Fällen nach einer kurzen Pause schlimmer, fand eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München heraus. Die Eltern des Täters können die Vorwürfe meistens nicht verstehen und nehmen ihr Kind in Schutz. Manche machen den Eltern des Opfers massive Vorwürfe und schieben die Schuld von sich. Selbst wenn der Täter Zuhause bestraft wird, ändert das an der Situation in der Schule nichts. Mobbing kann nur dauerhaft von Seiten der Schule gelöst werden. Deswegen gehen Sie lieber zum Klassenlehrer oder Vertrauenslehrer.

Es ist wichtig, dass die Schulleitung und Lehrkräfte bei jedem einzelnen Mobbingfall eingreifen. Sie müssen ein Zeichen setzen, dass Mobbing unter keinen Umständen geduldet wird. Denn wenn der Mobber durch das Ausüben seiner Macht Erfolg hat und keine Konsequenzen erfährt, dann sieht er keinen Anlass dazu, sein Verhalten zu ändern. Das Eingreifen der Schule ist deshalb nicht nur für den Schutz des Opfers wichtig, sondern auch für die Entwicklung des Täters.

Bewahren Sie die Anonymität Ihres Kindes

Wenn Sie mit dem Lehrer Kontakt aufnehmen, achten Sie darauf, dass Sie nicht während einer Pause gehen, wenn andere Schüler Sie sehen können. Wenn die Mobber von Ihren Gesprächen mit den Lehrern mitbekommen, kann das zu mehr Schikanen für Ihr Kind führen. Vermeiden Sie bei Gesprächen Vorwürfe gegen die Schule – sie sind für eine Lösung des Problems nur hinderlich und führen womöglich zu einer Abwehrhaltung der Verantwortlichen in der Schule.

Lehrer sind in der Regel froh darüber, wenn Eltern sie auf Mobbingsituationen hinweisen, da sie oft von den Vorfällen nichts mitkriegen. Nur wenn die Schule Bescheid weiß, kann man rasch und erfolgreich etwas unternehmen, z. B. Mobbing im Unterricht ansprechen, Projekttage starten, etc. Schulen haben meist entsprechende Mechanismen parat, um schnellstmöglich das Problem zu lösen. Dabei ist wichtig, dass Ihr Kind nicht namentlich erwähnt wird. Es soll Mobbing im Allgemeinen besprochen werden und nicht ein spezifischer Fall, damit Ihr Sohn oder Ihre Tochter nicht als Petze vor seinen Mitschülern dasteht.

Suchen Sie mit den Lehrern Möglichkeiten, wie man Ihr Kind konkret unterstützen kann, bis sich die Situation entspannt. Vielleicht gibt es sichere Orte in der Schule, an die es sich in den Pausen zurückziehen kann (z. B. Bibliothek). Dies ist natürlich nur eine Zwischenlösung, weil sich Ihr Kind sonst noch mehr aus der Klassengemeinschaft zurückziehen würde. Sinnvoll ist es aber trotzdem, vor allem, wenn die Schule mehr Zeit braucht, um das Mobbing dauerhaft zu beenden.

¹ Jannan, M. (2010) Das Anti-Mobbing-Elternheft: Schüler als Mobbing-Opfer – Was Ihrem Kind wirklich hilft. Weinheim, Beltz Verlag.



Titelbild: ©iStock.com/mikdam

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