Moderner Elternalltag: Mein Kind hat deine Läuse von Isabel Völker

Früher fuhr man mit einem dicken Auto vor, um zu zeigen, wer man ist. Heute repräsentieren sich Eltern in Mails, die aufzeigen, dass sie ihre Wortgewandtheit durch Studium und Work-Life-Balance-Kurse infiltriert haben. Isabel Völker hat mit dem Buch Mein Kind hat deine Läuse. diesen Mailkonversationen zwischen Eltern eine Bühne geebnet.

Aller Anfang ist … eine Autofahrt

Auf einer Autofahrt mit einer Freundin, die ihr vom Smartphone die neuesten Kitamails anderer Eltern vorlas und sich über die Länge der erhitzten Konversationen um Nichtigkeiten aufregte, kam der Autorin Isabel Völker die Idee zu ihrem Buch. Völker sammelte Mailkonversationen von Eltern aus ganz Deutschland, denn ihre Freundin war nicht die einzig Leidtragende und irgendjemand muss diese „lebendigen Zeugnisse aus dem modernen Elternalltag, in denen sich Verzweiflung, Wut und unterdrückte Tränen” sammeln, ja auch ins Leben rufen und befüllen. Um niemanden bloßzustellen, sind alle Namen, Orte und Einrichtungen von der Autorin geändert worden.

Die Kitakaserne

Ein kaum sichtbares Insekt avanciert zum Anlass bösartiger Beleidigungen, denn natürlich kommen die Läuse von anderen Kitakindern, deren Eltern sie zu Hause verwahrlosen lassen. Ideen, wie man dieser Plage begegnen kann, werden abgeschmettert, erst recht die eines Elternläusedienstes, der die überlasteten Erzieherinnen schonen soll und damit man wirklich sicher sein kann, dass auch jeder Kopf vor Eintritt der Tagesstätte begutachtet wird: „Ich werde es nicht zulassen, dass andere Eltern […] Lina den Kopf untersuchen, die Kita ist keine Kaserne”.

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Wenn Demokratie in ihren Grundfesten erschüttert wird

Entscheidungen, die eigentlich schnell per demokratischer Abstimmung getroffen werden KÖNNTEN, wie z. B. bei der Debatte um den Inhalt der Vesperbrotdose und ob dieser nun selbst gekauft oder von der Kita bestellt wird, zieht wochenlang und schlaflose Nächte nach sich, deren Zeit in Kettenmails überbrückt wird.

Um dem Ganzen konsensfähig zu begegnen, hängt die Erzieherin eine Liste aus, in der sich die Eltern für die Selbstversorgung oder für eine gemeinsam zu bestellende und zu bezahlende Kiste entscheiden müssen. Der Vorschlag einer Mischform durch die Erzieherin wird zum Eklat deklariert, der an den Grundsätzen unsere Demokratie zweifeln lässt: „Das öffentliche Bekanntgeben seines Votums […] ist äußerst ungewöhnlich und dient meiner Meinung nach nicht dazu, den Frieden unter den Eltern zu befördern. […]. Es kann nicht sein, dass hier urdemokratische Grundlagen einfach über den Haufen geworfen werden zugunsten eines Vorgehens, für das es einfach keine Lobby gibt! Einen halbgaren Vorschlag einer Mehrheitsentscheidung vorzuziehen, finde ich falsch, zumal ich die Einwände der Kisten-Gegner nicht mal genau kenne”, konstatiert der Papa von Jonathan.

Und überhaupt: „Das Wirrwar um Bio oder nicht verstehe ich nicht ganz […] und wer bitte würde seinem Kind keine gesunde, gentechnik- und pestizidfreie Ernährung wünschen? Ich kann mir nicht denken, dass jemand ernsthaft lieber bei Rewe bestellt als beim Bauern”, kritisiert eine Mutter.

Auf die Stimme der Mutter Natalie, die nicht beabsichtigt, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen – „Ich bin absolut dagegen, jetzt wieder ewig zu diskutieren […], ich erinnere daran, dass unser letzter Elternabend bis weit nach 23 Uhr gedauert hat” – wird hinweggehört und wieder, diesmal durch Lore, an Grundprinzipien unserer Demokratie seit ‘89 erinnert : „Ich habe leider erleben müssen, was es heißt, wenn Beschlüsse von oben getroffen werden und die Meinung der Mehrheit mit Füßen getreten wird. Als Errungenschaft von 1989 bestehe ich auf Demokratie”.

Apropos Kiste und Läuse

Es wird über das Abschiedsgeschenk der „Pinguin-Kinder” für die Kita debattiert. Idee: Eine Truhe zur Aufbewahrung der Spiel- und Verkleidungssachen. Eine Mutter: „Meint ihr nicht, dass es letztlich nur den Läusen nutzt, wenn die ganzen Verkleidungssachen zusammengepackt werden? […] Und außerdem: Bitte ohne Gravur”. Eine andere Mutter entgegnet der Läusebrutstättenangst logisch: „[…], dass Läuse außerhalb eines menschlichen Kopfes nur maximal sechs Stunden überleben können”, findet aber auch, dass die Namen der Kinder nicht so dominieren sollten: „[…], eher etwas kleines: ‘Überreicht von den Pinguin-Kindern 2013’”. Ein Vater kritisiert diesen Vorschlag prompt: „‘Überreicht von’ finde ich, ehrlich gesagt, total unpassend […] und außerdem hat das gleich so etwas Staatstragendes”. Ein anderer Vater stimmt zu: „Mit welchem Zweck werden denn Gedenkplaketten und Inschriften angebracht? Doch nur, damit sich alle an den edlen Spender erinnern und dank für seine Großzügigkeit aussprechen” und fügt an, dass die Pinguin-Gruppe nicht jene Art der „Verewigung” nötig hätte. Die Diskussion wird rege aufrecht erhalten durch die Meinung der Mutter mit der Läuseangst, die plötzlich einwirft: „[…], dass eine Truhe gar nicht wirklich zu unseren quirligen Pinguinen passt”.

Beim Krisengipfel um Kartoffeldruckgeschenke hört der Spaß auf

Neben jenem wortgewandten und nicht immer freundlichen Austausch über Vesperentscheidungen, Läuse und Holztruhen vereint Völker weitere durchaus amüsante aber auch bitterernste Konversationen über Google-Groups, die Chorleiterfrage, Belohnungssysteme, Duschköpfe, Sauberkeit, Schönschreibung, Turnbeutelvergesser, Kaffeekassengeld, Grillveranstaltungen, Kitaurlaub, Klopperein und deren Schuldfrage, was ein klein wenig an „Gott des Gemetzels” erinnern lässt.

Für jene, die der Autorin den Mailverkehr zur Verfügung stellten, war es eine Genugtuung diesen „kleine[n] Wahnsinn” der Öffentlichkeit preiszugeben – „[…] vielleicht auch in der Hoffnung, dass alle, die dies lesen, künftig etwas weniger Mails schreiben. Damit man am Sonntag mal wieder aufs Land fahren kann, ohne an Läuse zu denken”.

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Titelbild: © berlin Verlag

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