Motivieren oder kontrollieren? – Ein sehr schmaler Grat!

Motivieren und Kontrollieren – beide Handlungen haben den Lernerfolg Ihres Kindes im Visier, bedienen aber vollkommen unterschiedliche Ansätze. Wir erklären den Unterschied und geben konkrete Tipps dafür, wie Sie Ihr Kind erfolgreich unterstützen.

Hat Ihr Kind die richtigen Vokabeln für den Englischtest gelernt? Sollten Sie vielleicht doch die Karteikarten überprüfen? Wurden die Mathehausaufgaben von Ihrem Kind auch vollständig erledigt? Sollten Sie da nicht lieber noch mal nachhaken?

Die negativen Auswirkung der Kontrolle

Was passiert aber, wenn Sie einen „Kontrollgang“ starten? Sie können alles genau einsehen, sich über den aktuellen Leistungsstand Ihres Kindes informieren und somit Ihr Gewissen beruhigen. Sie verschaffen sich damit ein positives Gefühl. Ihrem Kind tun Sie damit jedoch keinen Gefallen: Es wird sich bevormundet fühlen oder sogar den Eindruck bekommen, dass Sie ihm nicht vertrauen.

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Dieses Gefühl kennen Sie vielleicht aus Ihrem Arbeitsalltag. Wenn eine Kollegin „es lieber gleich selbst erledigt“, weil Sie nicht glaubt, dass jemand anders ihrer Aufgabe gewachsen wäre. Oder wenn der Chef sämtliche Aufgaben noch einmal nachprüfen lässt, weil sich ja ein Fehler eingeschlichen haben könnte. Diese Erfahrungen signalisieren dem bzw. der Kontrollierten: „Du brauchst jemanden, der über dich wacht, du kannst das nicht alleine.“ Dieses entstandene Grundgefühl ist viel schlimmer als der eine oder andere Fehler, denn es nagt am Selbstbewusstsein.

Ihrem Kind wird es ähnlich gehen, wenn jede Schulaufgabe mit strengem Blick verfolgt wird. Zwar gilt etwas Druck durchaus als guter Motivator, Selbstzweifel jedoch sind reines Gift für gute schulische Leistungen. So ist es grundlegend besser, nicht danach zu fragen, ob Ihr Kind sich auch ausreichend auf die Mathearbeit vorbereitet hat. Besser ist es, darauf hinzuweisen, dass Sie Ihrem Spross gerne helfen können, falls er oder sie Hilfe braucht.

Vertrauen schafft Selbstbewusstsein

Darüber hinaus nehmen Sie durch zu starke Kontrolle dem Kind die Möglichkeit, sich eigene Ziele zu setzen. Sie kontrollieren, also sind Sie auch der- oder diejenige, für den die Leistungen erbracht werden. Lernt ein Schüler bzw. eine Schülerin für sich selbst, weil sie oder er sich das Ziel selbst gesetzt hat, wird die Arbeit leichter und die erreichten Ziele sind ein größerer Erfolg.

Natürlich ist es schwieriger, durch Vertrauen zu motivieren, allerdings ist diese Variante auch nachhaltiger: Später in der Uni, im Job, beim Sport oder auch in Beziehungen ist ihr Kind selbstständiger, selbstbewusster und meistert brenzlige Situationen ohne viel Angst.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass der Mensch, auch als Kind, nicht faul ist, sondern nach erbrachten Leistungen, Lob und Anerkennung strebt und einen gewissen Ehrgeiz an den Tag legt. Lernen ist daher durchaus etwas, dass Spaß machen kann, auch wenn mal härtere Herausforderungen auftauchen. Dem Lernwillen des Kindes mit Skepsis zu begegnen, ist also falsch.

Tipps für einen motivierten und vertrauensvollen Umgang

Wir haben konkrete Tipps dafür, wie Sie motivierend und vertrauensvoll mit Ihrem Kind umgehen können:

  1. Individuelle Bedürfnisse achten: Jeder Mensch ist anders, auch wenn es ums Lernen geht. Versuchen Sie herauszufinden, was Ihr Kind braucht. Ist es besser, häufig zu loben? Möchte Ihr Kind gerne Hilfestellungen, die Sie ihm anbieten können? Oder möchte es einfach seine Ruhe? Schauen Sie, dass Sie den individuellen Bedürfnissen nachkommen.
  2. Nur Impulse geben: Das Kind zu ermutigen, nach Hilfe zu fragen und ihm dann einen Impuls in die richtige Richtung zu geben, schmälert nicht den Glauben daran, etwas selbst geschafft zu haben. Achten Sie also darauf, nicht direkt alles an sich zu reißen, sondern nur so viel zu helfen, wie dringend nötig ist.
  3. Blick auf eigenes Können stärken: Dem Spross zu signalisieren, dass er nicht aufgeben soll, weil er die Lösung schon finden wird, zeigt, dass Sie Vertrauen in die Sache haben und stärkt den Blick auf die eigenen Möglichkeiten.
  4. Mit Niederlagen umgehen: Auch wenn Ihr Kind mal eine schlechte Leistung erbracht hat, ist das nicht das Ende der Welt. Statt sich zu ärgern, sollten Sie mit Ihrem Kind sprechen: Welche Probleme gab es? Was ist schiefgelaufen? Wo können Sie und das Kind ansetzen, um es das nächste Mal besser zu machen?
  5. Realistische Ziele setzen: Versuchen Sie, mit Ihrem Kind Ziele zu erarbeiten. Diese müssen allerdings in einem realistischen Zeitrahmen und tatsächlich machbar sein. Wer sein Ziel genau vor Augen hat, ist motivierter.
  6. Mit gutem Beispiel vorangehen: Prüfen Sie, wie Sie selbst mit Aufgaben und Herausforderungen umgehen. Zeigen Sie, dass Sie stringent und motiviert arbeiten können und lassen Sie sich so von Ihrem Kind über die Schulter schauen.

Dem Spruch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ist also nicht zu folgen – ganz im Gegenteil. Natürlich sollten Eltern hin und wieder nachfragen und Interesse bekunden. Insgesamt ist es jedoch ein großer Vorteil, dass die Kinder selbstständiger arbeiten und Eltern ihnen Vertrauen entgegenbringen. Und der positive Nebeneffekt ist auch nicht zu verachten: Je selbstständiger Ihr Kind lernt, desto weniger Stress haben Sie.

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Titelbild: © Rawpixel.com/shutterstock.com

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