Mütter mit Angstschweiß

Sabine ist eine unglaublich coole, angstfreie Mutter – meistens. Wenn da nicht die Wölfe wären, die Bären und die Landminen.

Ich bin eine coole Mama. Mein Kind darf viele Dinge, die andere nicht dürfen. Ich habe mich weder bei der ersten aushäusigen Übernachtung noch bei der ersten längeren Pfadfinderfahrt gesorgt. Meine Tochter ist immer schon sehr selbständig und selbstbewusst und macht es mir als Mutter relativ leicht. Schnitzen am Lagerfeuer? Bitte gerne. Das Kind wurde wegen Unwetter in eine Turnhalle evakuiert? Ok, dann ist es ja jetzt in Sicherheit und ich kann weiterschlafen. Auf Bäume zu klettern war auch mit drei Jahren kein Thema.
Ich habe Sophie immer vertraut. Ich habe ihr gezeigt, wie man ein Schnitzmesser hält und sie durfte loslegen. Ich lasse sie mit Freundinnen alleine durch Cannes laufen und bin mir sicher, dass sie eine bessere Orientierung hat als ich.

Schreie wie aus einem Gruselfilm

Ich bin eine coole Mama. Ich bin so cool, dass ich Schreie absondern kann, die anderen Menschen das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Das erste Mal tat ich dies, als Sophie gerade laufen konnte und in einer malerischen italienischen Ferienanlage eine Mauer erklommen hatte. Dort stand sie – drei Meter über dem Boden – und strahlte mich an. Vor ihr der Abgrund, hinter ihr Abgrund. Ich voller Panik. Ich weiß noch, wie sehr mich mein Schreien erschreckt hat. So laut. So unglaublich voll Angst. In einer Tonlage, die ich vorher noch nie von mir gehört hatte.
Diesen Schrei habe ich glücklicherweise nur selten wiederholen müssen. Ein zweites Mal brachte ich ihn hervor, als sie mit ihrem kleinen Laufrädchen und gefühlt hundert Sachen vom Gehweg auf die Straße zuhielt. Im Rausch der Geschwindigkeit, glücklich über ihre unglaubliche Freiheit und nicht ahnend, dass die nächste Kreuzung auf eine Bundesstraße führt. Das Thema Kind und Fahrrad bzw. Laufrad ist seitdem ein ganz heikles Thema bei mir. Erzählt mir bitte nie, wie vernünftig euer/e Dreijährige/r schon Fahrrad fährt. Jedenfalls nicht, wenn ihr keine Unfallstatistiken von mir hören wollt oder Zitate einer Freundin aus der Notaufnahme. Ich kann auch ganz cool referieren.

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Vom Bär fast gefressen

Cool war ich übrigens auch letztes Jahr, als Sophie mit den Pfadfindern zwei Wochen in Kroatien hiken war. So cool, dass eine eiserne Faust um mein Herz griff, als sie mir erzählte, dass sie in einem Nationalpark sind, wo man nicht vom Weg abweichen darf. Wegen der Schlangen, der Wölfe und der Bären. Und wegen der Landminen. Da war die Feuerübung im Vorfeld zum Verhalten bei Waldbrand geradezu Pillepalle. Ich erstarrte vor Angst und kämpfte mit meinem inneren Schweinehund, um nicht sofort zu schreien und ihr alles zu verbieten.

Jedem seine Kinderangsthölle

Um es ganz klar zu sagen: Es gibt keine coolen Eltern. Jeder hat seine ganz persönliche Kinderangsthölle. Bei dem einen mag sie bei der ersten Klassenfahrt in der Grundschule hervorbrechen mit der Befürchtung, das Kind könne verhungern. Beim anderen beim Gedanken an die Landminen, die noch immer in vielen Regionen von Kroatien liegen und auf die das Kind treten könnte. Bei manchen ruft schon der Schulweg Panikattacken hervor. Der Nächste fürchtet sich, dass der Schnupfen zur Lungenentzündung wird. Der Übernächste sieht das Internet als Todesfalle für das unschuldige Kindlein.
Früher belächelte ich immer andere Eltern, die meinen Ansprüchen an Entspanntheit nicht entsprachen und kicherte mit vorgehaltener Hand über am Schulbus weinende Mütter. Aber im Grunde sitzen wir alle im selben Boot – wir lieben unsere Kinder und haben Angst, dass ihnen etwas passieren könnte. Je nachdem, wie fit, selbstbewusst, ängstlich oder schüchtern unser Nachwuchs ist.
Aber eins habe ich gelernt: Je mehr ich mein Kind bestärke und ihm Ängste nehme, desto selbstbewusster wird es. Und je selbstbewusster es ist, desto weniger Angst muss ich als Mutter haben.

Keep cool!

Was ich aber noch gelernt habe: Meine Ängste sind MEINE Ängste. Ich bin nicht cool, wenn es ums Autofahren geht. Ich habe Angst vor Krankheiten. Und ich fahre kein Kettenkarussell. Das sind meine Ängste. Genauso, wie die bereits erwähnte Panik vor dem vom Bär gefressenen Kind. Die Tochter ist entspannt und weiß, dass sie nicht nur ungeeignet als Bärennahrung ist, sondern kennt auch Verhaltensregeln im Notfall .
Und wenn unsere Kinderangsthölle noch so heiß brennt, wenn das Grundschulkind zum ersten Mal wegfährt – wir bleiben cool. Wenn nicht sogar doppelt cool: Um UNS nicht verrückt zu machen und um unsere Kinder nicht mit in dieses Inferno zu nehmen.
In diesem Sinne – ich geh mal nachschauen, was die Pfadfinder für diesen Sommer bereithalten und lege die Coolpacks kalt.

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Über die Autorin

Sabine

Sabine (44) schreibt. Online könnt ihr ihrem Patchwork-Familienleben mit ihrer Teenie-Tochter „Pippi“ und dem „Popstar“ unter bebusybee folgen – oft chaotisch und manchmal ein bisschen bissig. Wer immer noch nicht genug zu lesen hat, der schaut bei Ordnungsliebe vorbei – noch so eine Leidenschaft von ihr: Das Organisieren.



Titelbild: © Ermolaev Alexander/shutterstock.com

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