Nachsitzen #2: Kein Stress bei den Hausaufgaben

In einer neuen Folge des sofatutor-Bildungspodcasts beantworten wir Eltern-Fragen zu dem richtigen Pensum bei den Hausaufgaben, zu Lernstrategien und zur Bedeutung von Pausen beim Lernen.

Folge #2 – Wie klappt es ohne Streit und Stress mit den Hausaufgaben?

Hausaufgaben und das Lernen am Nachmittag sorgen in fast allen Familien mal für Knatsch und schlechte Stimmung. Eltern und Kinder fragen sich gleichermaßen, wofür man das braucht und wie man damit am besten umgeht. Um wieder drei Eltern-Fragen zu beantworten, haben wir Unterstützung von Geraldine im Studio. Sie studiert Präventions- und Gesundheitspsychologie und arbeitet als Lerncoach mit Schülerinnen und Schülern. In diesem Zusammenhang berät sie Eltern und Kinder zu den Themen Lernen, Ernährung, Zeitmanagement, Motivationsstrategien und auch Bewegung.

Um diese Folge von „Nachsitzen – der sofatutor-Bildungspodcast“ anzuhören, klicken Sie einfach auf Play. Sie finden uns auch auf Soundcloud. Hier gibt’s eine gekürzte Fassung des Gesprächs.

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Micha: „Wie viele Wochenstunden sollte mein Kind nach der Schule für das Lernen bzw. die Hausaufgaben aufwenden?“

Geraldine: „Exakt 32,5729. Nein, es gibt keine feste Stundenzahl – vor allem nicht für alle Klassen, alle Kinder oder Schulen. Das ist individuell zu betrachten. Es kommt beim Lernen auch nicht auf das Wieviel an, sondern auf das Wie. Tatsächlich ist es möglich, in relativ kurzer Zeit sehr effektiv und trotzdem entspannt zu lernen. Man kann natürlich auch in langer Zeit wenig lernen, wenn man die immer gleichen nicht funktionierenden Lernstrategien anwendet.“

Micha: „Ich kann mir vorstellen, dass Motivation dabei eine wichtige Rolle für die Schülerinnen und Schüler spielt. Wie können sie motiviert werden?“

Geraldine: „Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema. Innerhalb des Schulsystems gibt es wenige Motivationspunkte für Schülerinnen und Schüler. Gute Noten sind nichts Greifbares für sie, am Ende ist es nur ein Blatt Papier. Das heißt, die Kinder müssen ihre eigenen Gründe finden, warum es ihnen wichtig ist, in einem Fach gut zu sein oder einen guten Abschluss zu machen. Dafür gibt es zwei Herangehensweisen: Auf der einen Seite gibt es die intrinsische Motivation. Ich nenne das gern den ‚Stern am Horizont‘ – ein großes Ziel, das ein Kind hat. So möchten so manches Kind gern Astronaut werden.

Dann ist es wichtig, dass Eltern dieses Ziel ernst nehmen und darauf eingehen. Sie sollten klarmachen, worauf es ankommt, um dieses Ziel zu erreichen: Man muss z. B. in bestimmten Fächern gut sein.

Dann gibt es auf der anderen Seite die extrinsische Motivation, die von außen kommt. Eltern sind hierbei manchmal vorsichtig, weil sie glauben, dass ihr Kind nicht wegen der Belohnung für die Schule arbeiten sollte. Aber seien wir ehrlich: Auch wir Erwachsene tun nichts, außer wir bekommen dafür eine Belohnung.

Unser Gehirn funktioniert über das Belohnungssystem. Soweit sind wir mittlerweile in der Hirnforschung, dass wir das mit Sicherheit behaupten dürfen. Dass den Kindern abzusprechen und zu fordern, dass sie nur um des Lernens willen lernen, ist etwas viel verlangt. Es ist also durchaus legitim, mit den Kindern Belohnungen für bestimmte Ziele auszumachen. Natürlich sollten diese Ziele angemessen mit der Belohnung in einem Verhältnis stehen. Also für eine Eins in der nächsten Mathe-Klausur ein neues Fahrrad zu bekommen, ist ein bisschen übertrieben. Aber einen gemeinsamen Wochenendausflug zu unternehmen, den sich das Kind vielleicht schon lange gewünscht hat, kann eine sehr schöne Belohnung sein.“


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Micha: „Was kann ich tun, wenn mein Kind gar keine Lust hat, zu lernen?“

Geraldine: „Wenn es gar keine Lust hat und auch der Horizontstern noch nicht zu finden ist, kann man gut mit Motivationstechniken arbeiten. So kann man anstelle des großen Ziels kleinere Ziele erzeugen. Es kann z. B. helfen, wenn man eine Zielformulierung gemeinsam ausmacht. Der Begriff ‚Zielformulierung‘ klingt jetzt erst mal verwaschen, es gibt ein paar einfache Regeln, die ein Ziel stark werden lassen.

Wenn Eltern ihr Kind fragen, ob es sich mal ein Ziel für die nächste Woche vornehmen kann, dann sagt es so etwas, wie ‚Vielleicht nächste Woche nicht so spät anfangen, für Geschichte zu lernen – unter Umständen‘. Mit diesem Ziel kann unser Gehirn nichts anfangen, das fühlt sich nicht ernsthaft an.

Hier mal die Grundregeln, die ein Ziel stark werden lassen: Ein Ziel sollte immer in der Ich-Form formuliert sein. Wenn das Kind also anfängt mit, ‚Du sollst nicht so spät anfangen …‘, dann meint es jeden anderen, aber nicht sich selbst. Die Gegenwartsform ist wichtig, damit das Gehirn merkt, dass dieses Ziel jetzt gerade relevant ist und nicht erst irgendwann. Also, ‚Ich lerne‘ um diese Uhrzeit an einem bestimmten Tag und das so konkret wie möglich. Dabei kann auch die gesamte Lernsituation beschrieben werden. Dann ist noch wichtig, dass das Ziel positiv formuliert ist. Kleiner Fun-Fact dazu: Unser Gehirn kann das Wort ‚nicht‘ bei solchen Zielen nicht verarbeiten. Bestes Beispiel für viele Erwachsene ist, ‚Ich will nicht mehr so viel Fast Food essen‘. Dann speichert unser Gehirn nur noch ab ‚Ich will Fast Food essen‘. Das ‚nicht‘ wird ausgestrichen, es bleibt nur noch der Rest im Kopf und man denkt nur noch an Fast Food. Man sollte also bei einem starken Ziel beschreiben, was man tun möchte. Ein Ziel wird dann richtig stark, wenn man es in eine Art inneres Bild verwandelt. Das funktioniert am besten mit Sinneseindrücken. Wenn sich das Kind das Ziel vorliest, sollte es das Gefühl bekommen: Ich sitze jetzt am Schreibtisch mit den Hausaufgaben und dem Bleistift, höre mein Aquarium blubbern und sehe vor mir das Poster meines Lieblingspopstars. Dieses Ziel kann als Satz formuliert sein oder als Bild aufgenommen oder in einer Fotocollage umgesetzt werden.“

Micha: „Ich habe beim Arbeiten selbst bemerkt, dass Pausen für die Arbeit sehr wichtig sind. Ich kann mir vorstellen, dass es sich für das Lernen ähnlich verhält.“

Geraldine: „Unbedingt. Pausen werden beim Lernen gern mal sträflich vernachlässigt. Das kennen wir dann vielleicht aus der eigenen Schulzeit. Man paukt zwei bis drei Stunden durch. Mittlerweile wissen wir aber, dass die Aufmerksamkeitsspanne eines durchschnittlichen gesunden Kindes bei einer Viertelstunde am Stück liegt. Danach fangen Kinder an, sich ziemlich leicht ablenken zu lassen. Es schadet also überhaupt nicht und ist insgesamt sogar effektiver, wenn das Kind nach einer Viertelstunde eine kurze ‚Speicherpause‘ macht und aufsteht.

Die goldene Regel dafür ist, dass man in einer Pause genau das Gegenteil von dem macht, was man während des Lernens gemacht hat. Wer beim Lernen viel ‘rumsaß, sollte in der Pause aufstehen, sich strecken, durch den Raum laufen und aus dem Fenster schauen.

Nach der Pause und beim Lernstart können kleine Konzentrationsübungen helfen, die nichts mit dem Stoff zu tun haben. Geschicklichkeitsübungen, z. B. das Jonglieren für zwei bis drei Minuten, helfen dabei, sich auf eine spaßige Art in eine konzentrierte Grundstimmung zu bringen. Dadurch wird ein leichterer Lerneinstieg ermöglicht.

Eine weitere Technik wären die vier Startfragen für einen schnellen Arbeitsbeginn:

  • 1. Was ist genau das, was ich jetzt machen werde? Umso genauer ein Kind beschreiben kann, was es jetzt tun wird, desto besser kann es auch wirklich darauf zusteuern.
  • 2. Was habe ich davon, wenn ich es genau jetzt mache? Dann überlegt das Kind, was es davon hat, wenn es nicht aufschiebt, z. B. ist es entspannter, kann sich mit Dingen beschäftigen, die mir mehr Spaß machen, das schlechte Gewissen ist weg.
  • 3. Wie lange brauche ich für diese Aufgabe? Kinder haben am Anfang noch etwas Schwierigkeiten, das richtig einzuschätzen. Entweder sind die Hausaufgaben gefühlt nach fünf Minuten fertig oder dauern ewig. Dazwischen gibt es nicht so viel. Ein Protokoll kann hier helfen, um ein Gefühl für die tatsächliche Länge zu entwickeln.
  • 4. Was mache ich im Anschluss? So kann sich das Kind eine konkrete Belohnung überlegen, die es vielleicht auch selbst für sich anwenden will.“



Micha: „Wie kann ich mein Kind bei den Hausaufgaben unterstützen, ohne es zusätzlich zu stressen?“

Geraldine: „Grundsätzlich sollten wir uns von dem lösen, was wir selbst wahrscheinlich in der Schule und auch teilweise im Arbeitsleben verinnerlicht haben: ‚Lernen darf keinen Spaß machen!‘ und Hausaufgaben schon gleich gar nicht. Nur wenn etwas anstrengend ist und einen wirklich quält, hat es einen Wert. Die Denkweise blockiert alles beim Lernen. Lernen funktioniert nur über positive Emotionen wirklich gut. Denn das Lernen an sich funktioniert nicht nur über das Wissen, sondern wird mit dem Gefühl abgespeichert, dass wir während des Lernens hatten.

Das heißt, wenn sich das Kind beim Lernen so richtig blöd fühlt, wird es dieses Wissens immer wieder mit diesem blöden Gefühl abrufen. Das ist sehr schade, denn wir möchten uns nicht blöd fühlen. Also verdrängt unser Gehirn dieses Wissen unweigerlich. Darum ist Spaß beim Lernen so wichtig. Wenn Eltern also mit der Grundhaltung rangehen, dass das Lernen Spaß machen darf, ist schon mal viel gewonnen. Auch für die Eltern bedeutet das, nach einem stressigen Tag nicht direkt mit dem Kind ins Lernen zu gehen, sondern sich auch selbst die Zeit zu nehmen, durchzuatmen und sich zu entspannen. Nur mit einem entspannten Elternteil kann das Kind selbst beim Lernen entspannt sein. Sonst ist es schon vorgestresst durch die Eltern, bevor es überhaupt anfängt zu lernen.

Bewegung kann für Entspannung vor dem Lernen sorgen. Unser Gehirn lernt sehr gut in Kombination mit einer Tätigkeit. Wenn wir etwas nur lesen, gehen neunzig Prozent des Gelesenen verloren. Wenn wir dabei mitsprechen, merken wir uns immerhin die Hälfte. Bei Hören und Sehen wird auch viel behalten. Das Optimum ist jedoch, wenn wir den Lernstoff mit einer Handlung verknüpfen können. So kann es beim Vokabellernen bereits helfen, wenn die Vokabel überdimensional groß mit dem Finger in der Luft gezeichnet wird. Das Gehirn registriert die Bewegung und nimmt diese Information als wichtig wahr.

Tatsächlich hilft es, schon, wenn man Hören und Sehen verknüpft. Das lässt sich gut über Lernvideos lösen. Das macht sofatutor sehr gut. Dass man dort direkt im Anschluss auch Übungen machen kann, ist natürlich optimal.“

[gekürzt]

Geraldine: „Ich hätte am Schluss noch einen Hinweis: Viele Schülerinnen und Schüler verstehen zuerst einmal gar nicht, warum sie überhaupt Hausaufgaben machen sollen. Das hemmt natürlich beim Anfangen.

Hausaufgaben bieten zwei Vorteile: Der eine ist, dass mündliche Noten in den meisten Schulen schwerer wiegen als schriftliche Noten. Und die Hausaufgaben gehen in die mündliche Note ein. Gerade wenn Schülerinnen und Schüler im Unterricht keinen Plan von dem haben, was sie eventuell sagen sollen, kann es hilfreich sein, die Hausaufgaben zu machen. Damit arbeiten sie den Stoff der letzten Stunde nach und bereiten bereits die nächste Stunde vor. Prompt haben sie eher die Möglichkeit, in der nächsten Stunde mitzureden. Dadurch können sie entspannter ihre Note ausbessern, als wenn sie nur vor den Klausuren anfangen, zu lernen. Außerdem fühlt man sich als Schülerin bzw. Schüler besser, wenn man spontan von der Lehrkraft drangenommen wird.

Der zweite Vorteil ist: Wiederholung ist extrem wichtig beim Lernen. Hausaufgaben sind eine kleine Wiederholungseinheit an jedem Tag. Es ist viel effektiver, in kleinen Portionen zu wiederholen als den ganzen Stoff kurz vor der Arbeit noch mal in den Kopf zu kriegen. Deswegen haben Hausaufgaben für das Kind den entscheidenden Vorteil, dass es für die Prüfung später wesentlich weniger Zeit aufwenden muss und das, was gelernt werden soll, viel schneller wieder abrufbar hat. Dadurch dass es sich also regelmäßig ein paar Minuten Zeit nimmt, um zu wiederholen, nimmt es sich gleichzeitig in Klausurenphasen sehr viel Stress, wenn eine Klausur die nächste jagt. Also ist das Fazit: Hausaufgaben nehmen Stress!“


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Was ist „Nachsitzen“?

Nachsitzen wird endlich spannend. Mit dem neuen Format möchte sofatutor den vielen Fragen, die uns von Eltern von Schulkindern erreichen, endlich eine Plattform geben. In kurzen Folgen von circa 30 Minuten klären wir die wichtigsten Fragen, die Eltern sich und uns besonders häufig zu einem Bildungsthema stellen.

Dazu laden wir Gäste ein, die mit ihrer Erfahrung und Expertise klare Antworten finden, die sich Schul-Eltern wünschen, aber bisher leider nur selten bekommen.

Haben Sie auch eine Frage? Schreiben Sie uns an podcast@sofatutor.com. Wir freuen uns über Ihre Inspiration!

Titelbild: © Rawpixel.com/shutterstock.com

Hier geht’s zur erste Folge von „Nachsitzen“:

Was Sie jetzt tun sollten ...

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