„Nein! Die Kleine hat keinen Hunger!“

Waren Sie schon mal mit Ihrem Baby unterwegs und es wollte nicht aufhören zu schreien? Dann kennen Sie sicher die schlauen Ratschläge Ihres Umfelds – Gastautorin Ulrike auch. Leider.

„Na, hat da wer Hunger?“ Warum zur Hölle fühlen sich fremde Menschen bemüßigt, Eltern anzusprechen, deren Baby gerade schreit? Wer das tut, kann noch nie in einer solchen Situation gewesen sein – oder leidet an Babyzeit-Amnesie. Für viele frische Mütter und Väter gibt es nichts Schlimmeres, als mit einem schreienden Baby unterwegs zu sein und nichts gegen das Schreien tun zu können. Es gibt verschiedene Gründe, warum Kinder brüllen: Weil das Baby lieber zu Hause wäre und seine Ruhe hätte oder das Baby gerade eingeschlafen war, aber das Supermarktlicht es geweckt hat.

Die üblichen Verdächtigen

Also mir ging es früher zumindest so: Ich habe es gehasst, wenn fremde Menschen sich ungefragt einmischten. Schließlich wussten sie nichts über mein Baby, über mich oder über die Umstände, die das Schreien ausgelöst hatten. Mein Töchterchen, mein Mann und ich, wir hatten schwierige erste Monate. Weil das Töchterchen nur ganz selten schlief und es nicht mochte, wenn mehr als drei Menschen in einem Raum waren oder es etwas lauter war. Entsprechend anstrengend waren Einkäufe – für alle Beteiligten. Man kann Leute, die mit schlauen Sätzen wie „Na, hat da wer Hunger?“, „Die Kleine ist wohl zu warm angezogen“ oder „Die Kleine ist wohl zu dünn angezogen“ reagieren werden, schon von weitem erkennen: Sie sehen aus wie Jedermann und Jedefrau ab Mitte 50.

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Anfangs hatte ich überlegt, mit diesen Menschen zu diskutieren, sie zu fragen, warum sie sich einmischten, warum sie meinten, zu wissen, in welcher Situation mein Baby und ich gerade seien. Doch ich entschied mich sehr schnell dagegen. Aus drei Gründen: Ich war zu müde. Sie würden sich eh nicht überzeugen lassen. Und ich war zu müde. Daher bin ich, sobald ich einen solchen fremden Menschen im Augenwinkel erblickt habe, großräumig ausgewichen. Und für einen etwaigen, nicht zu vermeidenden Kontakt hatte ich mir eine Standardreaktion zurecht gelegt: müde lächeln, „Nein“ sagen, mit Kinderwagen oder Kind vorm Bauch weggehen.

Konfrontation in Gedanken

Aber eigentlich wäre die ehrliche, richtige und viel befriedigendere Reaktion gewesen, wenn ich mich jedes Mal vor diesen fremden Menschen aufgebaut hätte und laut gebrüllt hätte: „NEIN! DIE KLEINE HAT KEINEN HUNGER, SIE SCHWITZT NICHT UND SIE FRIERT AUCH NICHT! DIE KLEINE IST GENERVT! VON DEN VIELEN FREMDEN MENSCHEN, DIE UNS ANSPRECHEN!“

Glücklicherweise ist das – wie alles im Leben als Eltern – nur eine Phase. Ich habe sie überstanden. Mütter von Vier- bis Sechsjährigen um mich herum berichten immer noch von solchen ungewollten Ratschlägen: Wenn das Kind einen Trotzanfall hat, wenn das Kind trotz Kälte keine Jacke trägt, wenn das Kind trotz Wärme in Winterstiefeln herumläuft oder oder oder. Doch mir passiert das nicht mehr. Seit das Töchterchen kein Baby mehr ist, spricht mich niemand mehr an, um mir ungefragt einen Rat zu erteilen. Weder fremde Mütter auf dem Spielplatz, noch fremde Menschen beim Einkaufen oder beim Busfahren oder sonst wo.

Schutzschild aus unterdrückten Wortfetzen

Warum das so ist? Darüber habe ich für diesen Text nachgedacht. Doch ich habe keine Ahnung. Vielleicht gucke ich unfreundlich. Vielleicht drehe ich mich instinktiv weg, sobald mich jemand ansprechen will. Vielleicht bin ich auf dem Ohr mittlerweile taub. Am wahrscheinlichsten erscheint mir aber folgende Begründung: Dieser oben beschriebene Losbrüll-Wunsch in den ersten Babymonaten hat sich zu einer Art Schutzschild verfestigt und die Wortfetzen der vielen ungebrüllten Reaktionen fliegen um mich herum und prasseln auf das Unterbewusstsein dieser fremden Menschen ein, sobald sie darüber nachdenken, den Mund zu öffnen. Hach, welch beruhigende Vorstellung. Dann war es ja doch für irgendwas gut, dass ich mich damals zurückgehalten habe.

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Über die Autorin

Gastautorin Ulrike

Ulrike

Ulrike hat ein Töchterchen im Kita-Alter, das alles alleine machen will, aber hin und wieder trotzdem auf Mamas Arm sitzt. Wenn das Töchterchen in der Kita ist, ist Ulrike Journalistin – ihr Spezialgebiet sind TV-Serien. Außerdem betreibt sie den Gute-Nachrichten-Newsletter „The Daily Flausch“ und gibt Seminare und Workshops in Sachen Innovation im Journalismus. Bild: © Ralf Sander

Titelbild: © Olga Sapegina/shutterstock.com

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