Von regenbogenkotzenden Einhörnern oder: Warum ich nicht immer Ahnung habe

Das Thema Mediennutzung bei Teenagern hat ein ebenso großes Diskussionspotenzial wie die Debatte um Muttermilch. Oder Plastikspielzeug versus Holzklötzchen. Oder Mensa-Essen gegen veganes Catering. Eine Tretmine, mit der man die gesamte Familie ins pädagogische Aus katapultieren kann.

Ich kenne diese Gefahren. Seit fast 14 Jahren umschiffe ich sie mit dem Wissen, dass sich viele Themen einfach von selbst regulieren: Auf der weiterführenden Schule wird sich niemand mehr dafür interessieren, ob das Kindlein zwei Tage oder zwei Jahre an der Brust lag oder ob das aggressive Verhalten auf dem Schulhof vom Beißen auf Plastik kommt. Meiner Süßen ist veganes Essen sowieso schnuppe. Sie ist selbst ernannter Fleischetarier.

Tja, dann kam das Thema Social Media – Facebook, Instagram und Co. Damit kam eine Komponente dazu, die in den bisherigen Diskussionen eher eine untergeordnete Rolle spielte: die der ominösen Gruppe, die in Teenie-Kreisen „ALLE“ genannt wird. Ihr wisst schon: „Mama, ALLE sind bei WhatsApp!“ und „Oh, menno, ALLE Mädchen sind bei Insta!“

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Netz des Grauens

Ich kenne mich aus mit den sozialen Medien. Ich nutze so ziemlich alle Kanäle privat und beruflich. Ich kenne Sachen, bei denen das liebste Kind ganz groß guckt. Und ich kann sogar bei Snapchat Videos von mir verschicken, wo ich Regenbögen … ausatme – eine Qualifikation, die zumindest 13-jährige Mädchen beeindruckt.
Ich bin echt fit in urheberrechtlichen Fragen und ich finde Facebook meist grenzwertig.

Um einmal qualifiziert mitreden zu können, ging ich irgendwann zu einem Infoabend der Schule. 90 Prozent des Vortrages bestand aus „Besprechen Sie mit Ihrem Kind …“, „Überwachen Sie die Mediennutzung Ihres Kindes!“ und „Seien Sie wachsam!“. Daneben gab es noch ein paar wertvolle Tipps wie „Facebook ist böse!“ und „Überall lauert im Internet das Grauen!“. Suuuper!

Ein Körperteil namens Smartphone

Kann mir irgendjemand mal verraten, wie ich die Mediennutzung eines Teenies überwachen soll? Seit ein paar Jahren gibt es nämlich eine weitere körperliche Veränderung in der Pubertät: Das Smartphone wird zum Körperteil. Von da an vibriert es ununterbrochen mit wichtigen Nachrichten und unglaublich witzigen Bildmessages.

An guten Tagen darf man sich als Mutter lustige Videos ansehen, deren Sinn sich nur pubertierenden Gehirnen offenbart. Aber das lernt jeder, der einen Teenie zu Hause hat: Einfach „haha“ sagen oder ähnliches und das Kind ist glücklich. Die Art der Reaktion spielt in solchen Situationen keine Rolle! Der Teenie redet sowieso wie in Trance weiter und zeigt einem das nächste lustige Bild, auf dem … nunja, ich habe es vergessen. So viel zur Überwachung.

Pädagogisch wertvolle Gespräche

Zurück zu meinem Ziel: Der pädagogisch wertvolle Umgang der Tochter mit sozialen Medien. Ich greife sie mir und beginne meinen Vortrag: „Liebstes Kind, wir müssen über deine Mediennutzung sprechen! Leider kann ich dir nicht erlauben, in nächster Zeit bei Facebook Mitglied zu werden. Bilder hochladen … gefährlich … bleiben im Netz … bliblablub … laber.“ Pause! Ich wappne mich gegen eine Diskussion mit ihr und „ALLEN“. Das Kind grinst: „Mein liebstes Mütterlein,“ – Da weiß ich schon, dass ich mal wieder KEINE Ahnung habe – „bei Facebook sind nur alte Menschen wie du (aha), da meldet man sich nicht mehr an. Meine Einstellungen bei Instagram sind wie vereinbart reduziert. Ich achte auf urheberrechtlich geschütztes Material und verbreite es nicht weiter!“ Dann folgt eine Ausführung zum Thema Bildspeicherung, Recht am eigenen Bild, die Problematik der Speicherung des verschickten Materials auf dem Handy des Empfängers bei Snapchat und noch jede Menge mehr. Ich bin sehr beeindruckt und lerne auch noch eine ganze Menge dazu:

  1. Facebook ist für alte Menschen.
  2. Unsere Kinder sind gar nicht so uninformiert, wie wir immer denken.
  3. Beim Thema Muttermilch habe ich immer noch mehr Ahnung als sie.

Mein Fazit:

Das Thema der sozialen Medien ist mittlerweile so komplex, dass sogar ich noch jede Menge lernen muss. Die Basics wie Privatsphäre und Co. kann jeder seinem Kind vermitteln, für alles andere gibt es Spezialisten, die an den Schulen Vorträge für Schülerinnen und Schüler halten. Daher auch das fundierte Wissen des Kindes. Hätte ich mal besser überwacht, was sie in der Schule so lernt!

Apropos Überwachung:

Es ist 22.30 Uhr. Der Status meines Kindes bei WhatsApp im Bett: „ONLINE“.
Ich schicke eine Nachricht: „Schlafen, JETZT! Gutenachtkuss abgeben beim Muttertier auf dem Sofa!“
30 Sekunden später steht sie neben mir.
Das Handy wird abgeschaltet, ich werde geküsst.
Klappt doch!
Ich gehe jetzt mal bei Facebook rein, um zu schauen, was all die anderen alten Menschen so treiben!

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Über die Autorin

Gastautorin Sabine

Sabine

Sabine (44) schreibt. Online könnt ihr ihrem Patchwork-Familienleben mit ihrer Teenie-Tochter „Pippi“ und dem „Popstar“ unter bebusybee folgen – oft chaotisch und manchmal ein bisschen bissig. Wer immer noch nicht genug zu lesen hat, der schaut bei Ordnungsliebe vorbei – noch so eine Leidenschaft von ihr: Das Organisieren.




Titelbild: © wavebreakmedia/shutterstock.com

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