Die fliegende Klasse des Burgenland-Gymnasiums Laucha

Nein, am Burgenland-Gymnasium Laucha wird nicht wie im Roman von Erich Kästner ein Theaterstück über ein fliegendes Klassenzimmer gespielt. Denn die Schülerinnen und Schüler dieses Gymnasiums in Sachsen-Anhalt fliegen wirklich – in einem Segelflugzeug.
Die Schule bietet den schulinternen Schwerpunkt „Luft- und Raumfahrt” an – inklusive Pilotenlizenz. Wir haben uns mit Karl-Heinz Kubica, Deutsch- und Sportlehrer am Burgenland-Gymnasium und Verantwortlicher für den Segelflugsport, über das außergewöhnliche Angebot unterhalten.

„Hangflüge über 15 km Ausdehnung und thermische Aufwinde” sagen jemandem, der sich mit dem Segelfliegen nicht auskennt, erst einmal gar nichts. Für die Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft „Segelflug” des Burgenland-Gymnasiums Laucha sind das aber perfekte Bedingungen, um das Fliegen zu erlernen – und diese Bedingungen sind auf dem Segelflugplatz in Laucha-Dorndorf zu finden.

Die Flughistorie der Fliegerstadt Laucha

„Schon in den 20ern des letzten Jahrhunderts entdeckten Flugbegeisterte, dass das Plateau in Laucha hervorragende Verhältnisse für das Segelfliegen bietet.”, erzählt uns Herr Kubica. So wurde der Hang schon damals für eben diese Zwecke genutzt. In den 30ern wurde dann die erste Segelschule gegründet und nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten zerstört. Zu DDR-Zeiten wurde das Segelfliegen bis 1976 durch die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) organisiert und durchgeführt. Ab 1976 bestand dann das Verbot des Segelfliegens an diesem Standort.

1991 wurde dann das Burgenland-Gymnasium Laucha gebaut und im Jahr 1995 zog es das „Haus der Luftsportjugend” von Hirzenhain in Hessen nach Laucha in Sachsen-Anhalt. „Damit war die Suche nach dem schulinternen Schwerpunkt unseres Gymnasiums natürlich abgeschlossen.”, so Kubica. Als die Schule dann noch das Kultusminsterium in Magdeburg mit dem Konzept „Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt” überzeugen konnte, war der Grundstein für ein besonderes, schulisches Angebot gelegt.

Fliegen lernen mit „Stürzi”

Bereits in der achten Klasse wird den Schülerinnen und Schülern in einer Projektwoche das Thema „Fliegen” nahegebracht: Es werden Modellflugzeuge gebaut, die Fliegergeschichte studiert und ein erster Schnupperflug mit „Stürzi”, dem Segelflugzeug (ASK 21) des Gymnasiums, gedreht. Interessierte können sich dann ab der neunten Klasse der Arbeitsgemeinschaft „Segelflug” anschließen.

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Segelflug © Burgenland-Gymnasium Laucha

Dazu wird ein Ausbildungsvertrag zwischen den Schülerinnen oder Schülern, den Eltern, dem Gymnasium und dem „Haus der Luftsportjugend” geschlossen. Und dann geht es schon mit 14 Jahre in die Luft – anfangs noch mit den ehrenamtlichen Fluglehrern des „Hauses der Luftsportjugend”. „60 bis 80 Starts müssen vollzogen worden sein, bis die Schülerin oder der Schüler den ersten Alleinflug fliegen darf”, so Kubica.

Je nach Stundenplan verbringen die Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft die Nachmittage auf dem Flugplatz und räumen in ihren Frühjahrs- oder Herbstferien eine Intensivwoche „Segelfliegen” ein. Neben dem tatsächlichen Fliegen übernehmen sie auch Wartungsarbeiten an den Maschinen.

In jeder Klassenstufen werden theoretische und praktische Teilprüfungen abgenommen. Nach dem erfolgreichen Absolvieren dieser wird den Schülerinnen und Schülern der PPL-C (Private Pilotenschein C) ausgehändigt. „Der PPL-C berechtigt die Schülerinnen und Schüler zum Alleinflug und fungiert als Grundlage für alle weiteren Flugscheine, zum Beispiel dem Motorflugschein.”, erklärt Kubica.

Theoretisches Wissen über das Fliegen

Unabhängig von der Arbeitsgemeinschaft „Segelflug” können Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse das Wahlpflichtfach „Luft- und Raumfahrttechnik” belegen. Hier werden wöchentlich die Grundlagen der Luft- und Raumfahrt vermittelt. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit dem Flugzeugbau, Meteorologie, Navigation und der Geschichte des Fliegens.

Fliegerkarriere

Das Burgenland-Gymnasium kann erste Fliegerkarrieren verzeichnen, denn schon einige ehemalige Schülerinnen und Schüler sind auch beruflich der Fliegerei treu geblieben: So arbeitet ein ehemaliger Schüler als Flugzeugtechniker bei der Bundeswehr, eine ehemalige Schülerin ist Verkehrsflugzeugführerin bei der Lufthansa, eine andere wiederum ist nun selbst Segelfluglehrerin.

Das besondere Konzept der Schule und die Fliegerkarrieren haben ihre Runde gemacht. Auch von außerhalb kommen immer wieder Anfragen von Eltern, die ihre Kinder auf das fliegende Gymnasium schicken möchten. Jedoch bedauert Karl-Heinz Kubica „Wir hatten zwar schon Schülerinnen und Schüler von außerhalb, die bei Gastfamilien gewohnt haben, aber in größerem Maße ist das nicht möglich, da das Burgenland-Gymnasium Laucha kein Internat ist.”

Titelbild: Segelflieger ©Burgenland-Gymnasium Laucha