Das Urheberrecht – was Lehrer wissen müssen

Geschätzt 900 Mio. Kopien werden pro Schuljahr an deutschen Schulen erstellt. Oft sind Lehrkräfte unsicher, ob sie rechtlich auf der sicheren Seite sind. Einige Hinweise von Dr. Wolf von Bernuth, Rechtsanwalt für Urheberrechtsfragen.

Was ist das Urheberrecht?

Als Urheber bezeichnet man den geistigen Eigentümer eines kreativen Werkes. Damit kann jede Form eines Werkes der Literatur, Wissenschaft oder Kunst gemeint sein, z. B. Texte, Musik, Computerprogramme oder Theaterstücke. Grundsätzlich bestimmt der Urheber über jede Form der Verwertung. Er kann allein darüber entscheiden, ob und in welcher Weise sein Werk in die Öffentlichkeit getragen wird. Daher kann er seine Rechte auch „verkaufen“. Beispielsweise „verkauft“ er die Nutzungsrechte für einen Text an einen Verlag, für einen Film an eine Produktionsfirma, für ein Hörbuch an einen Hörbuch-Verlag.

Im Allgemeinen ist es nicht erlaubt, urheberrechtlich geschützte Werke zu kopieren. Allerdings gibt es Ausnahmen von diesem Kopierverbot. So darf beispielsweise jede Person für den rein privaten Gebrauch und für den engsten Freundes- und Familienkreis Kopien anfertigen.

Wie verhält es sich bei den Urheberrechten im Schulbetrieb? Was dürfen Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht nutzen?

Folgende Grundregeln gelten für Fotokopien:

  • Sie dürfen nur für den Unterricht angefertigt werden.
  • Lehrkräfte dürfen bis zu 10 % eines Werkes kopieren. Insgesamt sind maximal 20 Seiten erlaubt, auch wenn die 10 % mehr Seiten zulassen würden.
  • Kleine Werke dürfen ganz kopiert werden. Dies umfasst Musikeditionen bis zu 6 Seiten, sonstige Druckwerke bis zu 25 Seiten und alle Bilder und Fotos.
  • Schulbücher oder Unterrichtsmaterialien dürfen nie ganz kopiert werden. Hier gilt stets: Bis zu 10 % des Werkes, maximal 20 Seiten.
  • Auf den Kopien muss immer die Quelle angegeben werden (Autor, Titel, Verlag, Auflage, Erscheinungsjahr, Seite).
  • Es darf aus jedem Werk nur jeweils 1 x pro Klasse pro Schuljahr in dem genannten Umfang gescannt werden.

Folgende Regeln gelten für Scans:

  • Scans sind seit 2013 für den Schulbetrieb in einem bestimmten Umfang gestattet.
  • Aus allen Werken ab dem Erscheinungsjahr 2005 dürfen 10 % des Werkes, maximal aber 20 Seiten gescannt werden. Aus älteren Werken sind Scans nicht erlaubt.
  • Diese Scans dürfen per E-Mail an die Schüler weitergegeben oder über Whiteboards im Unterricht gezeigt werden.
  • Man darf die Scancs auch auf mehreren Speichermedien abspeichern, wenn durch effektive Schutzmaßnahmen sichergestellt ist, dass Dritte auf die gespeicherten Scans nicht zugreifen können. Die Scans müssen also durch ein Passwort oder ähnliche Maßnahmen geschützt sein.
  • Auf den Scans muss immer die Quelle angegeben werden (Autor, Titel, Verlag, Auflage, Erscheinungsjahr, Seite). Dafür reicht es auch, die Dateien entsprechend zu benennen.
  • Es darf nur jeweils 1 x pro Klasse pro Schuljahr kopiert werden.

Folgende Regeln gelten für den Schulserver:

  • Dateien dürfen nur bis zu 10 % des Gesamtwerks enthalten.
  • Videos oder Musikstücke dürfen maximal 5 Minuten lang sein.
  • Es dürfen keine Unterrichtsmaterialien – auch keine Teile davon – auf einem Schulserver oder in einer virtuellen Lernumgebung abgelegt werden. Das meint z. B. Schulbücher, Arbeitshefte, Lernsoftware. Eine Ausnahme gilt natürlich dann, wenn Schulen bzw. Klassen von den Verlagen oder Online-Plattformen eine Lizenz für eine solche Nutzung erwerben.
  • Videos, die z. B. bei YouTube oder in Mediatheken eingestellt sind, dürfen im Unterricht über das Internet gezeigt werden. Es dürfen keine Kopien z. B. über einen USB-Stick gezeigt werden. Auch die Lernvideos von sofatutor dürfen mit dem Lehrer-Account im Unterricht gezeigt werden.

Diese Regeln gelten auch, wenn man mehrere Verbreitungsformen verwendet. Man kann also nicht 10 % eines Buches kopieren und weitere 10 % des gleichen Buches scannen.

Dabei handelt es sich um allgemeine Regeln. Verlage oder Online-Plattformen können die Regeln natürlich individuell erweitern, indem Lehrerinnen und Lehrer z. B. Lizenzen für digitale Medien erwerben oder „Kopiervorlagen“ verwenden.

Dürfen Lehrerinnen und Lehrer eine Aufgabe aus einem Schulbuch zur Inspiration für eigene Aufgaben verwenden?
Ja, das Original darf der Inspiration dienen. Die von der Lehrkraft geschaffenen Aufgaben müssen sich jedoch signifikant vom Originalwerk unterscheiden. Es ist nicht zulässig, Teile eines Originalwerkes zu übernehmen und andere Teile inhaltlich zu verändern. Außerdem sind Collagen nicht zulässig. Damit ist die Zusammenstellung von Teilen aus verschiedenen Büchern oder anderen Vorlagen gemeint.

Wissenschaftliche Informationen oder Fakten sind nicht urheberrechtlich geschützt, z. B. historische Ereignisse, chemische Formeln, usw. Die konkrete Form ihrer Darstellung kann jedoch geschützt sein. So kann der Text über historische Ereignisse oder die Zusammenstellung einer Formelsammlung urheberrechtlich geschützt sein.

Dürfen Lehrerinnen und Lehrer eigene Werke, die sie für den Unterricht erstellt haben, verkaufen?
An Werken, die Lehrer zu beruflichen Zwecken fertigen, steht dem Dienstherrn ein ausschließliches Nutzungsrecht zu. Die Lehrer können also nicht allein über die Nutzungsrechte an den von ihnen geschaffenen Werken verfügen.

Die Informationen waren Teil der Zeit-Konferenz „Schule & Bildung“: „Schule der Zukunft – alles digital?“, im Vortrag von Dr. Wolf von Bernuth, Rechtsanwalt der Kanzlei Mäger von Bernuth.

Hier können Sie alle Beiträge inkl. des Workshops von Dr. Wolf von Bernuth nachhören: http://www.deutschlandfunk.de/zeit-konferenz-schule-bildung-schule-der-zukunft-alles.680.de.html?dram:article_id=337196

Titelbild: © Tatiana Frank/shutterstock.com