Wie sich Armut auf das Lernen auswirkt

Dass sich Armut auf die Bildung und das Lernen auswirkt, ist längst bewiesen. Aber welche Faktoren genau führen dazu, dass Schülerinnen und Schüler aus ärmeren Verhältnissen oft schlechte schulische Leistung erbringen?

Kinderarmut in Deutschland

Deutschland ist ein reiches Industrieland. Und doch lebt laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2016 jedes fünfte Kind in Deutschland in einer „wiederkehrenden oder dauerhaften Armutslage“. Bei weiteren zehn Prozent spricht man von einer „temporären Armutslage“. Zwar bedeutet das nicht, dass diese Kinder kein Dach über dem Kopf haben, doch ziehen die fehlenden finanziellen Mittel viele Entbehrungen nach sich. Diese haben häufig zur Folge, dass die betroffenen Kinder vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, was sich wiederum negativ auf ihr Entwicklungschancen auswirkt. Auch die Bildung und das Lernen selbst werden durch Armut nachweislich beeinflusst.

Armes Gehirn

Eine Studie der Columbia University in New York von 2015 hat ergeben, dass sich geringes Familieneinkommen auch auf das Gehirn selbst auswirkt. So wurde in der Untersuchung klar sichtbar, dass die Gehirne von Kinder aus ärmeren Verhältnissen um etwa sechs Prozent kleiner sind als von Gleichaltrigen aus wohlhabenden Familien. Hier ist vor allem die Großhirnrinde betroffen, die viel weniger Furchen, Windungen, Runzeln und Kerbe hat. Das heißt, dass das Gehirn weniger leistungsfähig ist. Auch der Hippocampus, der Gedächtnisinhalte und Emotionen verarbeitet, ist bei diesen Kinder kleiner. Das hat z. B. zur Folge, dass sie sich schlechter konzentrieren können. Zwar kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass diese Hirnentwicklung genetisch bedingt ist. Die Studienleiterin und Neurowissenschaftlicherin Kimberly Noble geht jedoch davon aus, dass dieser Einfluss auf das Hirn eher auf familiären Stress, ungesunder Ernährung, Umweltschadstoffen und eventuell fehlender kognitiver Stimulation basiert.

Fehlende Förderung

Dabei geht es nicht nur darum, dass sich in Armut lebende Familie keine Nachhilfe bzw. Förderungen in anderen Bereichen, wie Musikunterricht und Sportvereine, leisten können. Durch die zusätzliche familiäre Belastung, Sorgen und dauerhaften Stress bekommen die Kinder nicht die gleiche Unterstützung von ihren Eltern wie gleichaltrige Kinder aus bessergestellten Familien.
So fehlt ihnen häufig das eigentlich von Eltern geförderte und für ihre Entwicklung unbedingt nötige Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen in ihr Können und ihre Fähigkeiten, aber auch der Rückhalt in allen schulischen Belangen. Denn da Armut häufig mit Scham und Selbstzweifeln einhergeht, scheuen viele Eltern den Kontakt zu der Schule ihrer Kinder und zu anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen.
Kommen die Kinder zusätzlich aus einer bildungsfernen Familie, die bereits seit mehreren Generationen in Armut lebt, fehlt neben den finanziellen Mittel auch das Wissen darüber, wie eine optimale Förderungen aussehen kann bzw. was die Kinder benötigen, um richtig lernen zu können.

Unglückliche Rahmenbedingungen

Gerade in Ballungsgebieten wie großen Städten geht Armut oft mit räumlicher Enge einher. Das bedeutet, dass Kinder aus finanziell schwachen Familien häufig kein eigenes Zimmer haben. Es mangelt ihnen somit an einem ruhigen Rückzugsort – sei es zum Lernen, zum Hausaufgabenmachen oder zum Schlafen. Das bedeutet nicht nur, dass ein konzentriertes Lernen nicht möglich ist, sondern auch, dass der Schlaf beeinträchtigt wird. Das wiederum hat zur Folge, dass sich die Kinder am nächsten Tag nicht gut auf den Unterricht konzentrieren können.
Hinzu kommt in vielen Fällen, dass durch die räumlichen Gegebenheiten den Kindern Bewegung und frische Luft fehlt, die der Körper aber braucht, um sich konzentrieren zu können. Unter diesen schwierigen Bedingungen leidet die schulische Leistung. Wie soll da nötiges Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufgebaut werden?

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