Lernen in anderen Ländern: Mexiko – noch viel zu tun

Während sich andere Schwellenländer auf den Weg in eine digitale Zukunft machen und darin ihre Chance zum Fortschritt begreifen, muss Mexiko immer noch zu einer einheitlichen Stärke finden.

Das mexikanische Schulsystem

In der regulären Schulzeit durchlaufen die Kinder Mexikos drei Schulformen: die Grundschule (primaria), die Unterstufe (secundaria) und die Oberstufe (preparatoria oder bachillerato). Insgesamt beträgt die Schulzeit zwölf, die Schulpflicht dabei neun Jahre. Bei Schuleinstieg sind die mexikanischen Schülerinnen und Schüler sechs Jahre alt. Schulbücher sind in Mexiko kostenlos. Bereits in der Unterstufe gibt es die Möglichkeit, die técnica zu besuchen, die eine schulische Ausbildung der Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren anstrebt. Im Anschluss besuchen die Schülerinnen und Schüler, ähnlich wie in Deutschland, die preparatoria, die auf eine Berufsausbildung vorbereitet, oder die bachillerato, die einen Hochschulzugang ermöglichen soll.

Es wird als problematisch in Mexiko angesehen, dass nur ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler anschließend auf eine Universität oder Hochschule gehen. Bereits nach der Grundschule sind nur noch zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen Mexikos in der Unterstufe anzutreffen. Als häufiger Grund wird dabei die fehlende Infrastruktur, vor allen Dingen in den ländlichen Gegenden, angegeben. Auch zwischen indigenen Bevölkerungsgruppen und Nicht-Indigenen gibt es ein starkes Analphabetismusgefälle von 27 Prozent zu neun Prozent. Die Regierung gibt jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandprodukts für Bildung aus. Das entspricht auch dem deutschen Durchschnitt. Gleichzeitig schneidet das Land bei den PISA-Studien in fast allen Kategorien unterdurchschnittlich ab.

Die Macht der Lehrer

Eine weitere Kritik trifft das mexikanische Schulsystem in Bezug auf den Einfluss der Lehrkräfte. So würden diese zu viel Gehalt erhalten und gleichzeitig zu wenig in Schülerinnen und Schüler investiert. Auch die Lehrfähigkeit sei bei vielen Lehrenden unzureichend. Bis 2013 hatte die Lehrergewerkschaft mit ihrer Vorsitzenden, Elba Esther Gordillo, einen großen Einfluss auf das öffentliche Bildungssystem. Dann kam es zu einer Reform, die das Machtverhältnis zugunsten des zentralen Bildungsministerums, Secretaría de Educación Pública, kurz SEP, verschieben sollte. Im Zuge dessen wurde Gordillo 2016 auch wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet. Bislang leidet die Organisation der Bildungspläne und Lehrerausbildung immer noch unter den Umwälzungen.

Probleme der schulischen Ausbildung

Generell ist der institutionelle Einfluss in Mexiko aufgrund von Gewalt, Kriminalität und Korruption sehr schwach. Das zeigt sich auch im Bildungswesen. Hier können trotz enormer Bemühungen immer noch mehr 800.000 Kinder ihre Schulpflicht nicht erfüllen, da sie keinen Zugang zur Bildung haben. Häufig sind fehlende Materialien, Schulen oder eine mangelnde Infrastruktur die Gründe. Aber auch die anhaltende Armut eines Großteils der Bevölkerung zwingt Minderjährige dazu, vorzeitig die Schule abzubrechen. Außerdem ist der Lebensstil von Kriminellen für einige reizvoll, sodass sie die Schule vorzeitig abbrechen, um hier ihr Glück zu suchen.

Die OECD bezeichnet Mexiko als eines der Länder mit den größten Einkommensunterschieden weltweit. Am unteren Ende der Einkommensskala befinden sich vor allen Dingen Menschen aus indigenen Gruppen. Das hat innerhalb der soziokulturellen Gruppierungen auch Auswirkungen auf das Bildungsniveau.

Inklusiver Unterricht

Das Thema Inklusion ist bereits seit 1993 im mexikanischen Bildungssystem verankert. So sollen nach Möglichkeit alle Kinder zusammen in Regelschulen lernen. Kinder mit speziellen Behinderungen sollen durch zusätzliche Expertinnen und Experten, z. B. aus der Förderpädagogik, Psychologie oder Sprachtherapie während des Unterrichts begleitet werden. Trotz zahlreicher Bemühungen gibt es hier immer noch Probleme in der Umsetzung bzw. Verfügbarkeit von entsprechender Ausstattung und Fachpersonal.

Digitale Bildung in Mexiko

Bislang ist die Digitalisierung der Bildung in Mexiko noch kein großes Thema. Es gibt zwar die Möglichkeit, über ein Fernstudium die Schule zu besuchen, weitreichende Konzepte liegen jedoch von staatlicher Seite bislang nicht vor. Mit dem Start eines neuen Mobilfunkanbieters im Frühjahr 2018 hofft Mexiko nun auf eine flächendeckende und günstige Erschließung des Datennetzes, der sich auch auf die Möglichkeiten des digitalen Lernens auswirken könnte.

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