Adaptives Lernen: Pearson zieht sich bei Knewton zurück

Der US-Schulbuchverlag Pearson hat Millionenbeträge in den Aufbau der digitalen Bildungsplattform Knewton investiert. Bis jetzt.

Eckpunkte des adaptiven Lernens

Adaptives Lernen gehört zu den aktuellen Schlagwörtern der Bildungsszene. Damit werden häufig digitale Medien beschrieben, die sich an die Bedürfnisse und Fortschritte der Lernenden individuell anpassen. Lerninhalte sollen dabei in unterschiedlichen Formen präsentiert werden können. Es gibt immer mehr Tools und Apps in diesem Bereich, die Nutzerdaten auswerten und Algorithmen nutzen, um aus einem Pool an Lernmaterialien diejenigen auszuwählen, die spezifisch Problembereiche auffangen oder sinnvolle Lernergänzungen darstellen. Sie können aufgrund des Nutzerverhaltens Rückschlüsse darauf ziehen, was ein Lernender weiß – oder eben noch nicht weiß.

Schrittweiser Rückzug aus der Beteiligung

Einer der größten US-Anbieter im (Hoch-)Schulbereich ist die Kurs- und Monitoringplattform Knewton. Sie wurde fast zehn Jahre lang von Pearson, einem der größten Schulbuchverlage Amerikas, finanziell bei der Entwicklung unterstützt. So investierte Pearson 2011 insgesamt 33 Millionen US-Dollar (ca. 29. Millionen Euro) in die Entwicklung von Knewton. Nun zieht sich Pearson jedoch schrittweise aus dieser Beteiligung zurück.

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Bislang hatte der US-Verlagsgigant Knewton als eines seiner digitalen Tools im Angebot, um das Lehren und Lernen mit Pearson-Produkten zu verbessern. Nun sei es an der Zeit, in die eigene Produktentwicklung und eigene Produkte zu investieren, gibt Scott Overland, Director of Media and Communities, auf Nachfrage des Nachrichtenportals EdSurge an. Auch ein Sprecher von Knewton bestätigte, dass Pearson die Anwendungsbereiche für das Tool nach und nach reduziere. Jedoch gehe man weiterhin davon aus, ein wichtiges Feature für eine Reihe von Pearson-Produkten zu bleiben.

Adaptives Lernen als Verkaufsargument für Verlagshäuser

Digitale Werkzeuge, die individualisiertes Lernen ermöglichen, sind eines der wichtigsten Argumente von Verlagen und Publishern, wenn es um die sinnvolle Anwendung von kommerziellen Lerninhalten gegenüber OER geht. Einige von Pearsons Konkurrenten, z. B. McGraw-Hill, setzten bereits frühzeitig auf hauseigene digitale Instrumente, um das adaptive Lernen zu ermöglichen. Nach Aussagen des Telegraph investierte McGraw-Hill dafür bislang 700 Millionen US-Dollar (ca. 618 Millionen Euro) ausgegeben.

Auch die Schulbücher sind auf dem Prüfstand

Knewtons Gründer und früherer Geschäftsführer, Jose Ferreira, gab an, dass Pearson bereits seit ein paar Jahren immer wieder darüber nachdachte, sich aus dem Investment für Knewton zurückzuziehen. Es sei nach Einschätzung Ferreiras so, dass Knewton zu anspruchsvoll und aufwändig in der Handhabung für Pearsons Anforderungen seien. Die Entscheidung, sich bei der weiteren Finanzierung Knewtons zurückzuziehen, geht einher mit dem Statement, dass das Verlagshaus Pearson auch die Schulbuchsparte einer „strategischen Begutachtung“ unterziehe. Nach Angaben des Medienportals EdSurge bedeutet das in der Regel, dass Pearson versuchen wird, die Sparte zu verkaufen.

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