Bilanz: Was hat Obamas Bildungsinitiative „ConnectED“ erreicht?

Obama hatte als Präsident ein großes Ziel für die Zukunft der USA: Alle Kinder sollten Zugang zu digitaler Bildung erhalten. Hat er es geschafft?

Was wollte Obama erreichen?

Im Juni 2013 beschloss die US-Regierung unter dem damaligen Präsident Barack Obama die Initiative „ConnectED“ für die Bildungspolitik. Ziel war es, allen US-amerikanischen Kindern den Zugang zu digitaler Bildung zu ermöglichen. Durch die Ausstattung mit Tablets und Lernsoftwares sollte „kein Kind zurückgelassen werden“.
Die Bildungsgerechtigkeit ist ein großes Thema in den USA, da es vielen Familien finanziell nicht möglich ist, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken oder mit zusätzlicher Lernunterstützung auszustatten. Die öffentlichen Schulen haben einen schlechten Ruf. Diesem Umstand wollte der demokratische Präsident Obama mittels mobiler Endgeräte für Schülerinnen und Schülern, einer Highspeed-WLAN-Infrastruktur für Schulen und digitaler Bildungsinhalte für den Unterricht entgegenwirken. Sein Ziel: Bis 2017 sollten 99 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den USA mit digitalen Medien lernen.

Was waren die Maßnahmen?

Obama holte sich für seinen Future Ready Pledge – also das Versprechen, die Schulen der USA fit für die (digitale) Zukunft zu machen – Unterstützung aus den kommunalen Schulbehörden, von Schulträgern und vor allen Dingen von Privatunternehmen. Er versprach großen Technologiekonzernen wie Adobe, Apple, Microsoft oder Verizon finanzielle Zuwendungen, „wenn sie sich bereit erklärten, Service und Güter im Wert von mindestens 100 Millionen US-Dollar für Schulen bereitzustellen“.
Mit Letzteren schlossen die kommunalen Schulbehörden außerdem Verträge, um die Dienste zu günstigeren Konditionen für die Schulen zu erhalten.

Gratis Zugang für Lehrkräfte
Jetzt informieren

Zusätzlich wurde der „Common Core“ in die Bildungsstandards der Schulen integriert. Problemorientiertes Lernen wurde in Englisch und Mathe zum Dreh- und Angelpunkt des Unterrichts und der Leistungskontrollen. Dadurch sollten Tests national einheitlicher werden und die Lernenden international besser in Vergleichsstudien abschneiden. So sollte die Qualität amerikanischer Bildungsabschlüsse steigen, um der US-amerikanischen Jugend den Weg auf den globalen Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Schließlich wurde der National EdTech Plan im Januar 2016 erneuert. In diesem Strategiepapier, das angibt, wie die Digitalisierung der Bildung gelingen soll ist OER ein zentraler Bereich, in dem sich die US-Regierung um Vernetzung und Ausbau bemühte, wie es auch die deutsche Bundesregierung bereits seit 2015 tut. Zwei andere wichtige Punkte wurden außerdem ergänzt: Schülerinnen und Schüler sollten zu „Leadership“ erzogen werden, um Verantwortung zu übernehmen und sich selbst Wissen anzueignen. Außerdem wurde die Rolle der Lehrenden gestärkt, die durch Vernetzung, Aus- und Fortbildung im Prozess der Digitalisierung unterstützt werden sollten.

Wie sieht die Bilanz aus?

Im PISA-Vergleich aus dem Jahr 2015 zeigte sich bereits eine Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit in den USA. Das bedeutet, dass es seit 2006 mehr Kindern aus finanziell und sozial schwachen Haushalten möglich war, einen guten Abschluss zu erlangen als zuvor. Ideal sind die Bedingungen nach wie vor nicht.

Common Core stand und steht weiterhin in der Kritik: Die Testübungen seien zu abstrakt und die einheitliche Umsetzung benötige im föderalen Bildungssystem der USA zu viel Zeit. Nach und nach ziehen sogar immer mehr Schulbezirke ihre Teilnahme am Common Core zurück. Die Zukunft des Programms ist ungewiss.

Doch das größte Problem blieb die Umsetzung aller technischer Vorhaben von „ConnectED“. Eine Reihe von Pannen begleitete die Umsetzung. So zog sich die Schulbehörde von Los Angeles aus dem millionenschweren Deal mit Apple und dem Contentanbieter Pearson zurück, nachdem Pearson es trotz mehrerer Aufforderungen versäumt hatte, funktionierende Apps für die von den Schulen angeschafften iPads bereitzustellen. Ohne pädagogisch sinnvolle Inhalte nutzen auch moderne technische Endgeräte in der Schule nichts.

Die Zahlen lassen Raum für Interpretationen

Weitere prominente Beispiele aus den vergangenen dreieinhalb Jahren: Adobe hat Softwares für 950.000 Schülerinnen und Schüler an mehr als 1450 Schulen in über 20 Schulbezirken bereitgestellt. Apple hat iPads und andere Hardwares an 114 budgetschwache Schulen in 29 Bundesstaaten abgegeben. Microsoft schließlich hat das Office-365-Paket an mehr als drei Millionen Schülerinnen und Schüler ausgegeben, den Preis für Softwares auf neu angeschafften Geräten an Schulen gesenkt und 700 weitere Schulen in ihr IT-Academy-Programm aufgenommen.
Ob diese Anstrengungen dem Gegenwert von mindestens 100 Millionen US-Dollar entsprechen, ist schwer zu sagen. Z. B. versprach Adobe, 300 Millionen US-Dollar in Geldwert bereitzustellen. Diese Rechnung würde mit 1450 Schulen jedoch nur dann aufgehen, wenn sie im Durchschnitt Softwares und Dienste im Wert von 200.000 US-Dollar pro Schule zur Verfügung gestellt hätten. Auch 114 Schulen sind bei Apples Bestrebungen nur dann mit einem Gegenwert von 100 Millionen US-Dollar zu bewerten, wenn Hardwares im Wert von circa einer Million je Schule investiert worden wäre. Jeff Zients, ein ranghoher Wirtschaftspolitiker in der Obama-Regierung, resümierte Ende Dezember auf einer Veranstaltung im Weißen Haus: „Wir haben mehr als 20 Millionen Lernende mit Highspeed-Internet im Klassenzimmer versorgt. Wir sind auf dem besten Weg, das Ziel des Präsidenten zu erreichen, 99 Prozent aller Schülerinnen und Schüler einen Breitbandzugang bis 2018 zu ermöglichen.“ Diese Unstimmigkeit über den Zeitpunkt, wann das Ziel zu erreichen sei, findet sich schon im Fact Sheet des Weißen Hauses von 2014. Darin heißt es an einer Stelle, dass das 99-Prozent-Ziel 2017 erfüllt sein soll, an anderer Stelle in den nächsten fünf Jahren, was 2018 entsprechen würde.

Obama selbst resümiert in einem Artikel vom 5. Januar 2017 in Medium, dass „mehr Schulen im gesamten Land ans Breitbandinternet angeschlossen wurden und Lehrerinnen und Lehrer dabei unterstützt wurden, das Programmieren, Umsetzen und logische Denken in die Klassenzimmer zu bringen, um alle Kinder auf die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts vorzubereiten.“ (Originalzitat: “We’ve connected more schools across the country to broadband internet, and supported more teachers to bring coding, hands-on making, and computational thinking into our classrooms to prepare all our children for a 21st century economy.”) Das klingt vage. Aber Obama ist anscheinend überzeugt davon, dass seine Initiative „ConnectED“ erfolgreich war.






Titelbild: © Tyler Olson/shutterstock.com