Bildung „Made in Germany‟ als Exportschlager

Deutsche Schulen im Ausland sind beliebt. Insgesamt gehen 80 000 Schülerinnen und Schüler auf 140 deutsche Schulen in 70 Ländern. Schulleiterinnen und Schulleiter berichten von großem Andrang und jahrelangen Wartelisten. Aber was macht deutsche Schulen im Ausland so beliebt? Was zeichnet sie aus? Was haben die Schulen, die über dem Globus verteilt sind, miteinander gemein und was unterscheidet sie? Und wie wertvoll sind sie für die Gesellschaft – hier in Deutschland und im Ausland? Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) und die Universität St. Gallen wollten es genauer wissen und haben den Public Value (Wertbeitrag) dieser Schulen untersucht.

Was ist Public Value?

Wie wertvoll ein Unternehmen oder eine Organisation ist, wird gern in Zahlen und Statistiken ausgedrückt. Doch der Public Value, also der gesellschaftlichen Wertbeitrag, lässt sich nicht primär in Fakten ausdrücken. Er liegt maßgeblich im Auge des Betrachters. „Wertschöpfung entsteht durch Wertschätzung”, erklärte Prof. Dr. Timo Meynhardt, Managing Director des Center for Leadership and Values in Society an der Universität St. Gallen, am 6. Juni auf der WDA-Konferenz in Berlin (Titelbild). Beim Public Value-Ansatz geht es darum, was die Gesellschaft und Öffentlichkeit von deutschen Auslandsschulen hat.

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Ergebnisse

Für die Studie wurden Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden aus Deutschland sowie Vorstandsmitglieder und Führungskräfte der deutschen Auslandsschulen befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein Bild von hohem Selbstbewusstsein und hoher Selbstschätzung der Schulen. „Hier arbeiten Männer und Frauen, die überzeugt sind, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten”, sagte Meynhardt auf der Konferenz. Dieser Beitrag lässt sich in acht Punkten zusammenfassen:

  • Visitenkarte für Deutschland: Die Auslandsschulen vermitteln ein positives Bild von Deutschland und fördern deutsche Kultur und Bildung im Ausland.


  • Bezugspunkt für die deutsche Gemeinschaft: Sie vermitteln Heimat und Identität für Deutsche im Ausland und stärken lokale Netzwerke weltweit.


  • Verlässliche Gemeinnützigkeit: Die Schulen sind offen für alle Schichten und setzen den Fokus auf Gemeinwohl vor Gewinnstreben.


  • Partner der Wirtschaft: Sie bieten eine schulische Versorgung für Expat-Kinder (Kinder deutscher Familien) und einen Zugang zum globalen Talentpool.


  • Begegnung der Kulturen: Deutsche Schulen sind ein Motor für Integration und unterstützen den Aufbau internationaler Netzwerke.


  • Deutsche Bildungsideale: Sie fördern die deutsche Sprache und Kultur und pflegen Traditionen.


  • Impulsgeber und Innovatoren: Die Schulen sind weltoffen, vielfältig und dienen als Vorbild für Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit.


  • Bildung „Made in Germany”: Sie bieten anerkannte deutsche Schulabschlüsse und einheitliche Qualitätsstandards weltweit.

Konflikte

Einige dieser Wertbeiträge überschneiden sich, was zu Konflikten führen kann. So ist es für Schulen nicht immer leicht, gleichzeitig deutsche Werte zu vermitteln, aber offen für die Kultur vor Ort zu sein. Ebenso ist es schwierig, als Partner der deutschen Wirtschaft zu dienen, aber Gemeinwohl vor Gewinnstreben zu setzen. Denn wenn die klügsten Schülerinnen und Schüler von deutschen Unternehmen angeworben werden, fehlen diese in der heimischen Wirtschaft. Wie mit dem Talentschwund, auch Braindrain genannt, umgegangen werden soll, wurde von der Studie nicht beantwortet, soll aber längerfristig diskutiert werden.

Titelbild: © WDA/AA/ZfA/Dirk Enters