Bildungsministerin Wanka will 5 Milliarden in Schulen investieren

Die Digitalisierung der Schulen soll auf Bundesebene endlich unterstützt werden. Die Bildungsministerin will Geräte und WLAN aufrüsten. Die wichtigsten Punkte.

Dem im Sommer 2015 verabschiedeten Antrag der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD „zur Überwindung der digitalen Spaltung“ sollen erste konkrete Maßnahmen für die Schulen folgen. Dazu hat sich Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in einer heute veröffentlichten „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ einiges vorgenommen: 5 Milliarden Euro will sie bereitstellen. „Wir müssen bei der digitaler Bildung einen großen Sprung nach vorn machen“, fordert Wanka in der dazu veröffentlichten Pressemitteilung. Sie nennt ihr Vorhaben der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern den „DigitalPakt #D“. Was soll mit dem Geld konkret geschehen?

Mobile Geräte und ein stabiles WLAN

Es geht um die technische Ausstattung von Schulen: Breitbandanschluss, mobile Geräte und ein leistungsfähiges WLAN sollen bis 2021 in die 40.000 bundesdeutschen Schulen einziehen. Der Wunsch der 1:1-Versorgung von Schülerinnen und Schülern mit mobilen Endgeräten wurde immer wieder von Bundespolitikern und -politikerinnen vorgetragen. Häufig wehrten sich die Länder und Lehrerverbände gegen eine zu große Einflussnahme der Bundesebene. Jetzt scheint es erstmals zu funktionieren. Bisher gibt es nur wenige Gegenstimmen, z. B. vom Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus. Er warnt vor zunehmender Konzentrationslosigkeit der Schülerinnen und Schüler. Das Überraschende ist die Möglichkeit, sofort über Umsetzungsszenarien zu diskutieren. Möglich macht das Artikel 91c im Grundgesetz. Dieser erlaubt eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in der Informationstechnik.

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Die Länder werden in die digitale Verantwortung genommen

Zusammen mit ihrem Digtalpakt #D äußerte sich Johanna Wanka gegenüber Spiegel Online zu ihren Erwartungen an die Bildungsministerien der Länder: „Sie sollen gute pädagogische Konzepte, Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie gemeinsame technische Standards garantieren“, fordert sie. Immerhin ist Bildung Ländersache. Die Inhalte darf Johanna Wanka also nicht vorgeben. Die Mittel zur Ausstattung darf sie jedoch zweckgebunden mit Bedingungen an die Länder weitergeben. Um die Förderung über den Bund zu erhalten, sollen die Schulträger – erstmals werden auch Privat-, Förder- und Berufsschulen berücksichtigt – einen Antrag einreichen.

Lerninhalte digital vermitteln

Bereits im Mai vergangenen Jahres legte der Branchenverband BITKOM eine repräsentative Studie vor, nach der sich deutsche Schülerinnen und Schüler verstärkt digitale Inhalte im Unterricht wünschen. 90 Prozent der befragten Lernenden gab darin an, dass digitale Medien den Unterricht insgesamt interessanter machen würden. Auch Lehrerinnen und Lehrer stellten in gleich hohem Maß fest, dass ihre Schülerschaft durch den Umgang mit digitalen Medien im Unterricht motivierter seien. Eine Möglichkeit, Zugang zu digitalen Lerninhalten zu bekommen, ist die Verwendung von OER-Materialien. Die offen zugänglichen und frei verwendbaren digitalen Inhalte werden seit Ende des Jahres ebenfalls vom BMBF gefördert. Die viel zitierte ICILS-Studie, nach der es Schülerinnen und Schülern an einem grundlegenden souveränen Medienverständnis mangelt, könnte hier ebenfalls für Druck gesorgt haben. Die im November 2014 veröffentlichte internationale Vergleichsstudie attestierte deutschen Schülerinnen und Schülern nur mittelmäßige Kompetenzen im Umgang mit digitalen Lernwelten. Ein Grund dafür sei eine zu geringe Anwendung von Computern im Unterricht. Das soll sich jetzt endlich ändern.

OER stärken und Kompetenzzentren anbieten

Weitere Maßnahmen, die Johanna Wanka in ihrer „Bildungsoffensive für eine digitale Wissensgesellschaft“ vorsieht, sind u. a. eine Schul-Cloud, regionale Kompetenzzentren, die Schulen bei der Erstellung von Digitalisierungsstrategien unterstützen, eine zentral organisierte OER-Informationsstelle sowie einen Bundespreis für Digitale Bildung. Auch in Ausbildung, Lehre und Forschung sollen die digitalen Bestrebungen vorangetrieben werden.

Heute morgen äußerte sich Bildungsministerin Johanna Wanka in einem kurzen Deutschlandfunk-Beitrag zu ihren konkreten Plänen. Hier gibt es den Podcast dazu.

Titelbild: ©Tyler Olson/shutterstock.com