Bottle Flip und Fidget Spinner – warum Lehrer Schüler-Trends nicht nachmachen sollten

Als Lehrer hat Maximilian Lämpel stets den Finger am Puls der Zeit. Denn Hypes sprießen nirgends so schnell wie in der Schule. In diesem Jahr sind Bottle Flip und Fidget Spinner der letzte Schrei.

Schülerinnen und Schüler als Trendsetter

Die zuverlässigsten Early Adopter sind immer noch Schülerinnen und Schüler. Lange bevor der Otto-Normal-Erwachsene weiß, worum es geht und zwei Jahre, bevor meine Mutter fragt, ob ich schon mal vom Fidget Spinner gehört habe, sind die Kids schon Profis. Dieses Prinzip galt einst für Yo-Yo, Hacky-Sack und 2017 für Bottle Flip und Fidget Spinner. Ich finde diese Trends immer unterhaltsam. So ein Hype wird groß, weil er nun mal Spaß macht. Und ich verstehe auch nicht, wenn Kolleginnen und Kollegen diese Aktivitäten mit dem Verweis abtun, dass davon in einem Jahr niemand mehr reden würde. Na und? Die Erkenntnis, dass zu Hypes immer auch ihr Vergessenwerden gehört, ist ja kein Grund, sich nicht an etwas zu erfreuen. Abflauendes Interesse macht den Moment doch nicht weniger toll. Mit Martin Schulz war’s im März doch auch ganz schön.

Fidget Spinner und ich – kein guter Start

Den Spinner habe ich im Winter das erste Mal gesehen. Joni aus meiner 9b drehte daran herum. Da sah es noch ganz unkoordiniert aus. Eine Woche später hatten dann fünf weitere Schüler so ein Ding und die Professionalisierung begann. Wettbewerb belebt eben das Geschäft. Eines Tages hantierten sie mir im Unterricht aber zu viel damit herum, weshalb ich die Dinger einsammelte und dann vergaß sie zurückzugeben. Zu Hause habe ich dann selber damit gespielt. Und weil ich das nicht gut konnte, am Fenster stand und nicht im Erdgeschoss wohne, war eins davon irgendwann weg. Eine Woche später habe ich mir auf dem Schulhof einen Trick von Lukas aus der 8a zeigen lassen und versucht, ihn nachzumachen. Dabei ist der Spinner runtergefallen und kaputtgegangen. Das Kugellager war rausgesprungen. Ich fand dann, Lukas solle sich lieber beim Hersteller als bei mir beschweren. Fand er nicht. Der Fidget Spinner und ich hatten jedenfalls keinen guten Start.
Im Februar hörte ich, wie im Lehrerzimmer die etwas älteren Kolleginnen E. und K. über den „platten Kreisel“ sprachen. Erst nach einer Weile wurde mir klar, dass sie den Fidget Spinner meinten. Was das nun wieder solle, fragte Frau E., der gute alte Brummkreisel funktioniere doch nach dem gleichen Prinzip, sei ebenso spaßig und obendrein viel hübscher anzusehen. Genau, erwiderte Frau K., sie besäße noch einen schicken mit Punkten drauf. Ich stellte mir vor, wie die beiden Kolleginnen in der Schule mit ihren Brummkreiseln spielen. Oder den Schülerinnen und Schülern als Alternative zum Spinner vorschlagen.

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Bottle Flip als Aufmerksamkeitsgarant

Seit letztem Sommer vergeht keine Pause, in der nicht irgendein Grüppchen auf dem Schulhof Flaschen springen lässt. Der Bottle Flip hat die Schulen erobert. Ständig wird geworfen und sich überboten. An unserer Schule wird das allerdings nicht mehr so gern gesehen. Kurzzeitig wurde sogar diskutiert, ob ein Verbot angebracht sei, es waren einige Flaschen mit klebrigem Inhalt explodiert.
Spätestens seit Emmanuel Macron im Wahlkampf mit einem Bottle Flip für seine Nonchalance warb, ist der Wurf nicht mehr nur für junge Menschen ein Begriff:

https://www.youtube.com/watch?v=qpnxFtXSE4Y

Man stelle sich vor, Frau Merkel probiere den Flip und würde das Ergebnis twittern. Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, falls Sie das hier lesen, wovon ich ausgehe, nehmen Sie es als gut gemeinten Rat an: Die Jungwählerinnen und -wähler fänden das cool oder jedenfalls irgendwas mit „fly sein“.

Der Bottle-Flip-Skandal

Ich mag Macron und will ihm nichts unterstellen, aber ich bin solchen Videos gegenüber ausgesprochen skeptisch. Das hat einen guten Grund: Vor Wochen gesellte sich Kollege C. auffallend oft zu den Flaschenwerferinnen und –werfern. Er schaute zu, stellte Fragen. Irgendwann zeigte er ihnen auf seinem Smartphone Videos, auf denen er den Trick machte. Immer erfolgreich natürlich. So ging das ein paar Wochen, bald hatte die ganze Schule seine Videos gesehen – und die wurden immer spektakulärer! Mal landete die Flasche auf einer schwingenden Schaukel, dann auf einem fahrenden Auto, dann auf seinem Hund und so weiter. Die plumpe Angeberei war selbstredend peinlich, aber kaum jemand wunderte sich darüber. Kollege C. hatte schon vorher einen entsprechenden Ruf. Was aber doch auffiel, war, dass er sich beharrlich weigerte den Trick vorzuführen, seine Videos sprächen schließlich für sich.
Tja, ärgerlich für ihn, dass Benedikt aus 10a und der Video-AG, die zufälligerweise von Herrn C. geleitet wird, beim Betrachten eines Videos gewisse Unstimmigkeiten entdeckte und ihn damit konfrontierte. Ich habe keine Ahnung von diesen Videoschnittprogrammen, aber Benedikt schien sich seiner Sache sicher. Und die Reaktion des Kollegen entsprach genau dem Klischee des überführten Übeltäters, der trotz seines Dementis vor lauter Wut und Scham die Enttarnung bestätigt. Er wurde laut und bestritt den Fake-Vorwurf so vehement, dass niemand mehr wagte, ihn darauf anzusprechen. Seitdem zeigt er keine Videos mehr.

Ich bin auf den nächsten Trend gespannt und freue mich, dass die Schülerinnen und Schüler diese Quatschgeschichten machen – das führt erfreulicherweise dazu, dass sie weniger aufs Smartphone gucken und sich nicht nur in ihrer ewigen Zockerei vertiefen. Insofern bin ich regelrechter Fan dieser Hypes – oder dieses neumodischen Krempels, wie Frau K. vermutlich sagen würde.

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Titelbild: © MeskPhotography/shutterstock.com