Bundestag nimmt Antrag zur Digitalen Bildung an

Der Deutsche Bundestag beschloss letzte Woche die Zustimmung zum Antrag über die digitale Bildung. Jetzt können Bund, Länder und Schulen gemeinsam eine Strategie des digitalen Lernens entwickeln.

Hintergrund
Der gemeinsam eingereichte Antrag „Durch Stärkung der digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“ 18/4422 der Bundestagsfraktionen von SPD und CDU/CSU sorgt seit März 2015 wiederholt für Aufsehen. Im Antrag fordern die Koalitionsparteien eine bundesweite Verbesserung der digitalen Bildung von Schülerinnen und Schülern sowie deren Lehrkräften.

Letzte Abstimmungen vor der Sommerpause
Am vergangenen Donnerstag nahmen die Mitglieder des Bundestags in ihrer vorletzten Sitzung vor der Sommerpause die Beschlussempfehlung 18/5368 des Ausschusses Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung an. Die Grünen lehnten den Antrag ab, die Linke enthielt sich. Saskia Esken, Bundestagsabgeordnete der SPD und eine der beiden Antragsstellenden, zeigte sich zufrieden: „Für mich ist das ein schöner Erfolg“, meldete Sie in Ihrem wöchentlichen Newsletter. Zusätzlich forderte Sie in Ihrer zu Protokoll gegebenen Rede, dass ein Teil des Überschusses aus dem Etat für das Betreuungsgeld für die digitale Bildung eingesetzt werden sollte.

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Die CDU/CSU-Fraktion sieht im Antrag eine Chance, die drohende „digitale Spaltung“ zu verhindern. Auch Sven Volmering, Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für digitale Bildung, war erfreut, dass die zahlreichen Absprachen erste Früchte tragen: „Ich freue mich sehr, dass die harte lange Arbeit von über einem Jahr nun in einen verbindlichen Bundestagsbeschluss eingeflossen ist.“

Was bedeutet das?
Auf Basis des Antrags errichtet die Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern eine „Strategie digitales Lernen“. Dadurch will der Bund den didaktisch sinnvollen Einsatz digitaler Medien im schulischen Unterricht fördern. So sollen Medienkompetenzen erworben werden, die bisher laut ICILS-Studie vor allen Dingen unter Schülerinnen und Schülern in Deutschland noch nicht ausreichend verbreitet sind. Die Fraktionen von CDU/CSU und SPD streben damit eine souveräne Teilhabe aller jungen Menschen an einer digitalisierten Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt an, also eine Bildungsgerechtigkeit ähnlich Obamas Future Ready Pledge.

Konkrete Maßnahmen des Bundes können demnach die Weiterentwicklung des Urheberrechts sowie die Förderung eines Internetanschlusses mit genügender Bandbreite sowie ein leistungfähiges WLAN sein. Außerdem soll der Einsatz, die Organisation und Verbreitung von offenen Lehr- und Lernmaterialien, kurz OER (Open Educational Resources), gefördert werden. Der Antrag versteht sich als Beitrag zur Digitalen Agenda der Bundesregierung.

Sven Volmering merkt in seiner Rede abschließend an, dass es wichtig sei, das Bild der digitalen Bildung in der Öffentlichkeit positiv zu behandeln, um Ängste und Vorbehalte abzubauen.

Aber
Weiterhin bleibt die Frage offen, warum die beiden Bundestagsfraktionen nicht zu einer gemeinsamen Veranstaltung über Fragestellungen der digitalen Bildung zusammenfanden. Parallel hatten am 15. Juni 2015 sowohl SPD als auch CDU/CSU in Berlin, wenige Meter voneinander entfernt, zahlreiche Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft eingeladen, um über die digitale Bildung zu diskutieren. Einen gemeinsamen Auftakt gab es nicht.

Titelbild: ©monticello/shutterstock.com