Den beliebtesten Rechtschreibfehlern auf der Spur III

Im dritten Teil widmen wir uns Rechtschreibfehlern, die selbst in den Print- und Fernsehnachrichten begangen werden. Auf der dritten Seite finden Sie außerdem eine Regelauflistung zum Mysterium Apostroph.

Wörter, die es gar nicht gibt

„Bestmögliches“ statt „Bestmöglichstes“

In dem Substantiv „Bestmögliches” ist genau wie in dem Adjektiv „bestmöglich“ bereits ein Superlativ enthalten. Somit kann beides nicht noch einmal gesteigert werden. Es heißt also immer „Bestmögliches“. Das gilt natürlich für alle Adjektive und Substantive dieser Art.

„Reparatur“ statt „Reperatur“

Das Wort „Reparatur“ leitet sich vom lateinischen „reparare“ (= ausrüsten, bereiten) ab – genau wie das Verb „reparieren“. So wird auch das dazugehörige Adjektiv „reparabel“ bzw. „irreparabel“ mit a geschrieben.

Verwirrung durch englische Einflüsse

„gelikt“ statt „geliked“ bzw. „geliket“

Wenn jemandem etwas bei Facebook gefällt, „liket“ er es dann, oder „liked“ er es vielmehr oder hat er es „gelikt“?

Der Duden empfiehlt „gelikt“ bzw. „likt“. Das englische Verb wird den für deutsche Verben geltenden morphologischen Regeln unterzogen. Das deutsche Partizip setzt sich bei schwachen Verben wie folgt zusammen: ge + Wortstamm (hier: „lik“) + t. Es heißt somit auch „er likt“ (Wortstamm + t). Das Gleiche gilt auch für „checken“/„checkt“/„gecheckt“, „managen“/„managt“/„gemanagt“ und „faken“/„fakt“/„gefakt“.

Ein bisschen Grammatik

„dieses Jahres“ statt „diesen Jahres“

Immer wieder hört oder liest man Nachrichten vom „Anfang diesen Jahres“ oder „dem Ende diesen Winters“. Richtig muss jedoch vom „Anfang dieses Jahres“ oder „Ende dieses Winters“ berichtet werden. Der Genitiv des sächlichen („dieses“) und des männlichen Demonstrativpronomens („dieser“) ist „dieses“. Das Gleiche gilt für „jenes“. Vielleicht resultiert der Irrtum aus Wendungen wie „im Sommer vergangenen Jahres“ oder „im Winter nächsten Jahres“. Der Unterschied ist jedoch, dass es sich hier um Adjektive handelt. Diesen kann ein Artikel vorangestellt werden, z. B. „im Sommer des vergangenen Jahres“ oder „im Winter des nächsten Jahres“.

„brauchen“ oder „zu brauchen“

„Wer ,brauchen‘ ohne ,zu’ gebraucht, braucht ,brauchen’ nicht zu gebrauchen.“ Das gilt nach wie vor. Umgangssprachlich wird „brauchen” gerne wie ein Hilfsverb (z. B. „müssen“, „dürfen“) benutzt, z. B. „Lara braucht Tom nicht fragen“. Richtig heißt es: „Lara braucht Tom nicht zu fragen“.

Zum Verwechseln ähnlich

„erschreckt“ oder „erschrocken“

Wann es „erschreckt“ und wann es „erschrocken“ heißt, hängt von der Verbform ab. Es gibt drei Formen des Verbs „erschrecken“: ein transitives Verb („jemanden erschrecken“), ein intransitives Verb (z. B. „erschrecken“ im Sinne von „erschreckt sein“) und als reflexives Verb („sich erschrecken“).

Das transitive Verb ist regelmäßig, z. B. „Ich erschrecke Tom“, „Du erschreckst Lara“, „Lara und Tom erschrecken mich“ und „Lara und Tom haben mich ganz schön erschreckt!“.

Das intransitive Verb ist unregelmäßig, z. B. „Tom erschrak, als er Lara sah“; „Beide waren sehr erschrocken“.

Das reflexive Verb ist umgangssprachlich. Es wird regelmäßig und unregelmäßig gebeugt, z. B. „Tom erschreckte/erschrak sich fast zu Tode“; „Lara hat sich sehr erschreckt/erschrocken“.

„verwendet“ oder „verwandt“

Zwischen den Partizipien „verwendet“ und „verwandt“ gibt es keinen Unterschied. Das Verb „verwenden“ („gebrauchen“) wird im Präteritum zu „verwendete“ oder zu „verwandte“, im Perfekt zu „verwendet“ oder „verwandt“. So kann „verwendet” und „verwandt“ gleichermaßen verwendet oder verwandt werden. Ist man jedoch mit jemandem verwandt, sollte man nicht „verwendet“ verwenden.

„gewandt“ oder „gewendet“

Nun könnte man glauben, dass es sich mit „gewandt“ und „gewendet“ genauso verhält. Dem ist nicht so. Es existieren zwei verschiedene Formen des Verbs „wenden“ – das transitive Verb „etwas wenden“ (z. B. einen Pfannkuchen) und das reflexive Verb „sich wenden“ (z. B. „sich an jemanden wenden“). Im ersten Fall hat man den Pfannkuchen gewendet, im zweiten hat man sich an jemanden gewandt.

„gewohnt“ oder „gewöhnt“

„Gewohnt“ und „gewöhnt“ sind keine Synonyme. „Gewöhnt“ leitet sich von dem Substantiv „Gewöhnung“ ab und wird mit der Präposition „an“ verwendet. Wenn man sich an etwas gewöhnt, dann findet man sich mit etwas ab oder macht sich mit etwas vertraut (im positiven Sinne), z. B. „Nur langsam hatte sich Lara an Tom gewöhnt“.

„Gewohnt“ hängt hingegen mit dem Substantiv „Gewohnheit“ zusammen und wird ohne Präposition verwendet. Ist man etwas gewohnt, so kennt man etwas gut, hat Erfahrung in etwas (nicht unbedingt im positiven Sinne), z. B. „Sie ist es gewohnt, lange auf Tim zu warten.“

Der Apostroph im Deutschen

Wann setzt man im Deutschen einen Apostroph und wann nicht?

Einen Apostroph kann/darf man setzen, wenn …

… das Pronomen „es“ zu „s“ wird, z. B. „Wie geht’s?“; „Mach’s gut!“. Weglassen darf man’s aber auch, z. B. „Wie gehts?“; „Machs gut!“

… der unbestimmte Artikel „ein“ bzw. „eine“ zu „n“ bzw. „ne“ wird, z. B. „Lara ist ‘ne tolle Freundin für Tom“; „Tom hat wieder ‘nen neuen Ball“. Aber auch hier darf man den Apostroph weglassen.

… auf einem Gewerbeschild der Genitiv angezeigt wird, z. B. „Kati’s Karaokebar“, um die Grundform eines Personennamens deutlich zu machen.

Ein Apostroph sollte nicht (mehr) gesetzt werden, wenn …

… das e bei Verben in der ersten Person Singular wegfällt, z. B. „Ich geh morgen zur Bäckerei“; „Ich back heute einen Kuchen“.

… das e beim Imperativ der zweiten Person Singular wegfällt, z. B. „Mach das Fenster zu!“; „Geh doch mal mit dem Hund!“.

Ein Apostroph darf nicht verwendet werden, wenn …

… ein Substantiv oder Abkürzungen im Plural steht, z. B. „Laptops“, „Partys“, „Videos“; „DVDs“.

… bestimmte Artikel und Präpositionen zusammengefügt werden, z. B. „vors Haus“, „unterm Bett“, „fürs Kind“.

… ein Eigenname im Genitiv steht (außer bei Namen, die auf s-Lauten enden), z. B. „Laras Bruder ist niedlich“; „Brechts Dramen mag ich sehr“.

… Wörter auf s enden, z. B. „links“, „rechts“; „stets“.

Ein Apostroph muss gesetzt werden, wenn …

… Teile in Wörtern ausgelassen werden, z. B. „Ku’damm“.

… Namen, die auf ss, ß, tz, z, x enden, im Genitiv stehen, z. B. „Moritz’ Taschenrechner“; „Günther Grass’ Werke“. Aber es wird kein Apostroph gesetzt, wenn ein bestimmter Artikel vorausgeht: „die Gedichte des Joachim Ringelnatz“.


Die ersten beiden Teile unserer Rechtschreibreihe finden Sie hier:


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