Der Lehrer, der den Beat liebt

Marten McFly ist ein deutscher Rapper. Im bürgerlichen Leben unterrichtet er an einer Sekundarschule in Berlin-Neukölln. Was seine Schülerinnen und Schüler darüber denken, erzählt er im Interview.

Du bist ein rappender Lehrer. Als Musiker kennt man dich unter dem Namen Marten McFly. Finden deine Schülerinnen und Schüler das cool?
Marten: „Die Schülerinnen und Schüler finden es spannend. Es gibt welche, die finden das Rappen nicht cool, weil ihnen die Musik einfach nicht zusagt. Aber sie finden es gut, dass ich ein rappender Lehrer bin.“

Steckbrief


Name: Marten McFly
Schule: eine Sekundarschule in Berlin-Neukölln
Fächer: Geschichte, Politik, Informatik, Ethik, Mathe, Englisch, Deutsch
Die Schülerinnen und Schüler von heute … wissen zwar nicht immer, was sie gestern im Unterricht behandelt haben, aber sie wissen ganz bestimmt, wie der Lehrer sie gestern behandelt hat.
Die Schule von morgen… wird ebenso spannend wie die von heute.
Ich werde nie vergessen als … als ich ein spannendes Satzende auf diese Vorlage gesucht habe.

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Gibt es eine Schüler-Fanbase auf deinen Konzerten?
Marten: „Die sind selten dabei. Die Konzerte sind meistens nachts. Das ist zu spät für die Schülerinnen und Schüler. Als ich am Gymnasium in Wittenberg mein Referendariat absolvierte, entstand eine kleine Fanbase. Und das, obwohl ich zu der Zeit nicht in Wittenberg aufgetreten bin. In meiner Sekundarschule in Berlin sieht es anders aus. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich zwar, dass ich Rap mache. Sie hören allerdings selbst eher Straßen- und Gangster-Rap und befinden sich in einer anderen Lebenswelt. Sie verstehen meine Musik nicht unbedingt, finden sie aber gut. Das unterscheidet auch das Gymnasium in Wittenberg und meine jetzige Sekundarschule.

Am Gymnasium wurde ich konkret nach den Inhalten meiner Songtexte gefragt. Die Sekundarschülerinnen und -schüler verstehen nicht, warum ich in einem meiner Musikvideos Fahrrad fahre. Sie fragen mich, warum ich mir kein teures Auto leiste oder mir für einen Tag eins für den Videodreh gemietet habe. Das könne ich mir als Lehrer doch leisten. Warum ich absichtlich auf arm machen würde. Das sind die Gedanken, die meine Schülerinnen und Schüler bewegt.“

Wie reagieren Eltern und Kolleginnen und Kollegen an deiner Sekundarschule auf deinen Zweitjob?
Marten: „Es ist ein Hobby, damit verdiene ich nichts. Aber die Kolleginnen und Kollegen finden es auch spannend. Die Reaktionen sind durchweg positiv. Allerdings interessieren sich die wenigsten Eltern dafür. Meine Geschichtsklasse in Wittenberg schaute sich die Videos mit ihren Eltern zusammen an. Die Eltern versuchten Elemente meiner Musik zu erklären, die man gar nicht erklären kann. Das war ein komisches Gefühl für mich.“

Wie motivierst du deine Schüler im Unterricht?
Marten: „Das ist eine schwierige Frage. In Sozialkunde kann man den Unterricht über verschiedene Wahlmöglichkeiten gestalten. Da habe ich die Schülerinnen und Schüler viel selbst wählen lassen, was sie gleichzeitig motiviert hat. Sie haben das Oberthema ausgewählt, Bio-Ethik, und die einzelnen Unterthemen wurden in Gruppendiskussionen erarbeitet. Ich habe auch einmal eine Ausstellung zum Thema „Stolpersteine in Wittenberg“ als Einführung in die Thematik Nationalsozialismus und Judenverfolgung von den Schülerinnen und Schülern erarbeiten lassen. Dadurch, dass ihre Arbeit in der Ausstellung zu sehen waren, waren sie sehr motiviert.“

Hat man die gleichen Möglichkeiten an der Sekundarschule?
Marten: „Es gibt ein geringeres Eigeninteresse der Schülerinnen und Schüler. Man muss ihnen mehr vorsetzen oder sie anders motivieren. Meine Projektwoche, die ich gerade umsetze, läuft z.B. super. Wir machen Animationsfilme mit Power Point. Dabei wird jedes Bild etwas versetzt, sodass ein Trickfilm entsteht, wenn man sie schnell hintereinander ablaufen lässt.“

Gibt es Momente, in denen du in deiner Lehrerkarriere am liebsten alles hinschmeißen möchtest?
Marten: „Naja, solche Momente gibt es mal morgens, wenn der Wecker klingelt. Nach einer guten Dusche sind die aber vorbei. Natürlich stressen mich die Schülerinnen und Schüler mal. Aber wenn man sie einzeln kennenlernt, sind sie immer sympathisch.“

Wenn du dich entscheiden müsstest: Lehrer oder Musiker?
Marten: „Wenn ich mich entscheiden könnte, würde ich einen Zwischenweg wählen. Ganz würde ich meine Arbeit als Lehrer nicht aufgeben. Musik zu machen, macht mir Spaß, aber ich empfinde das nicht als sinnvoll. Ich wollte immer etwas Sinnvolles machen. Als Lehrer kann man, wenn man seinen Job ernst nimmt, nachhaltige Arbeit leisten.“

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Titelbild: Marten McFly/sofatutor.com