Der Lehrer, der einen Präzedenzfall schuf

Tobias Führmann hat zum zweiten Mal den deutschen Lehrerpreis gewonnen ‒ als erste Lehrkraft in der Geschichte der Auszeichnung. Wir haben mit ihm für unsere „Lehrer der Woche“-Reihe gesprochen und ihn nach seiner Geheimwaffe gefragt.

Sie haben den Deutschen Lehrerpreis bereits zum zweiten Mal gewonnen. Was kommt danach?

Tobias Führmann: „Dass ein Lehrer zum zweiten Mal gewonnen hat, war ja ein Präzedenzfall. Einen Doppelpreisträger gab es bisher noch nicht. Deswegen haben die Veranstalter nun die Regeln geändert und man darf ab sofort nur alle vier oder fünf Jahre gewinnen.”

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Wenn ich auf Ihre Frage eingebildet antworte, dann hoffe ich, dass in fünf Jahren der dritte Lehrerpreis kommt. [Er lacht] Nein, im Ernst, ich hoffe das war’s. Ich habe weiterhin Abschlussklassen und hoffe natürlich, dass sie mich zukünftig auch ganz nett finden, mich aber nicht nochmal vorschlagen. Zweimal gewinnen, reicht.”

Steckbrief


Name: Tobias Führmann
Schule: Gemeinschaftsschule Am Himmelsbarg
Fächer: Deutsch, Geschichte und WiPo (studiert) und Sport (Neigungsfach)
Die Schülerinnen und Schüler von heute … sind anders als wir früher, aber natürlich genauso „liebenswert“!
Die Schule von morgen … muss aus den Erfahrungen der Schule von gestern gelernt haben und so die Schule der Zukunft werden.
Ich werde nie vergessen als … ich meinen ersten Tag an meiner Refschule in Berlin-Lichtenberg hatte. Da kam ich mit dem Fahrrad ins Schulgebäude und ein Schüler, den ich später im Geschichtsunterricht hatte, sagte zu mir: „Ey Alter, isch klau dir Rad!“

Was glauben Sie, warum Sie ausgewählt wurden?

Tobias Führmann: „Einer meiner Schüler wollte einen anderen Lehrer der Schule für den Lehrerpeis vorschlagen, und hat mich gefragt, wie das abläuft, nachdem ich ja schon mal gewonnen hatte. Und da haben sich die anderen Schüler gedacht, wir wollen den Herrn Führmann nochmal vorschlagen. Ich bin fest davon ausgegangen, dass man nur einmal den Preis erhalten kann und habe mir gedacht, ich lass sie mal machen. Das ist ja nett gemeint. Als ich dann gewonnen habe, war ich richtig überrascht und habe mich sehr gefreut.”

Wofür sind Sie bei Ihren Schülerinnen und Schülern berühmt-berüchtigt?

Tobias Führmann: „Ich bin so eine Mischung aus Kumpel und Autoritätsperson. Auf der einen Seite bin ich ganz locker, auf der anderen Seite streng. Ich habe es gerne ruhig, das klappt meistens auch. Aber wir lachen auch viel gemeinsam. Generell würde ich sagen, herrscht ein guter Umgangston. Man weiß, woran man ist. Und ich hoffe, dass ich transparent und fair bin. Ich erkläre den Schülerinnen und Schülern immer, wie sich eine Note zusammensetzt oder warum sie z. B. eine Strafe bekommen. Ich mache mit ihnen bei vielen Wettbewerben mit. Wir sind oft unterwegs.”

Und was ist Ihre Geheimwaffe?

Tobias Führmann: „Ich singe unwahrscheinlich toll und ziehe damit meine Schülerinnen und Schüler in den Bann. [Er lacht] Nein, leider ganz im Gegenteil. Das Singen nervt sie ganz ungemein und sie sagen dann: ‚Herr Führmann, hören Sie damit auf. Wir tun alles, was Sie wollen.‛ Und das tun sie dann auch.”

Hätten Sie sich selbst gerne als Lehrer gehabt?

Tobias Führmann: „Nein, fürchterlich. Wenn ich mir vorstelle, immer einen mit verwuschelten Haaren angucken zu müssen, der auch noch so viel redet…. Wobei, wenn ich darüber nachdenke: Ich glaube schon, dass ich mich gerne als Lehrer gehabt hätte. Also jetzt nicht mich persönlich, aber einen Lehrer, der viele Wettbewerbe und Projekte organisiert, denhätte ich als Schüler schon gerne gehabt.”

Ich stelle Ihnen jetzt ein paar kurze Fragen, Herr Führmann. Antworten Sie so spontan wie möglich.

Overheadprojektor oder Smartboard?

Tobias Führmann: „Keins von beiden.”

Gong oder kein Gong?

Tobias Führmann: „Gong. Dann wachen alle wieder auf.”

Erste Stunde Montag oder sechste Stunde Freitag?

Tobias Führmann: „Erste Stunde Montag.”

Lieber stille oder aufmüpfige Schülerinnen und Schüler?

Tobias Führmann: „Es ist schon gut, wenn sie etwas aufmüpfig sind. Das fordert mehr.”

Referendariat: schöne Jahre oder nie wieder?

Tobias Führmann: „Das Referendariat fand ich gut. Ich war in Berlin. Das war ‘ne schöne Zeit.”

Liebster Lehrerwitz?

Tobias Führmann: „Lehrerwitz? Ich kann mir ganz schlecht Witze merken. Ich kenne nur den: Was ist die große Zahl der Liebe? 2 8 5 9 3, weil wenn zwei nicht Acht geben, wissen sie in fünf Wochen, dass sie in neun Monaten zu dritt sind.”

Liebstes Lehrerklischee?

Tobias Führmann: „Vormittags haben wir recht und nachmittags frei.”

Vielen Dank für das Interview!


Titelbild: © Deutscher Lehrerpreis/sofatutor