Digital im Museum: Eine Alternative zum Museumsbesuch?

Museen machen Geschichte sichtbar, sie inszenieren, animieren und bilden. Als veranschaulichender Zusatz können Museen der Wissensvermittlung und -vertiefung mehr als dienlich sein. Doch Lehrpläne und Zeitnot schränken diesen Zugang oft ein, nicht zuletzt, weil viele Museen in großen Städten angesiedelt sind und die Erreichbarkeit damit für viele einige Hürden birgt. Ein digitales Angebot will diesen begegnen: „Museum-digital”. Wir haben dem digitalen Museum einen „Besuch” abgestattet und wollen an dieser Stelle klären, ob es sich lohnt und inwieweit es den Besuch eines richtigen Museums ersetzen kann.

322 Museen und über 41 000 Exponate

Museum-digital ist eine Plattform, die Informationen über Museumsobjekte online zugänglich macht. Die beteiligten Museen, 322 an der Zahl, stellen Informationen und Bilder zu entsprechenden Museumsobjekten in eine öffentlich zugängliche Online-Datenbank. Fachlich wird das Projekt vom Berliner Institut für Museumsforschung begleitet.

Objekte finden

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Über die Begriffseingabe in der Suchfunktion kann nach Objekten in der Datenbank gesucht werden, die gezielt oder wahllos (alle erfassten Objekte) erfolgen kann.
Daneben gibt es die „Bilderwand-Funktion”, die 200 zufällig ausgewählte Objektansichten darstellt. Jene, die einfach auf „Entdeckungstour” gehen möchten, ohne eine gezielte Objektsuche anzustreben, können sich an der auf dem Portal rechts befindlichen Box orientieren, die Schlagworte wie „Erster Weltkrieg”, „Druckgraphik”, „Klassische Moderne”, „Militär” „Tierpräparat” oder „Wappen” beinhaltet.

Sammlungen anschauen

Die Datenbank berücksichtigt unter anderem Sammlungen. Man erhält Informationen und einen Zugang zu der entsprechenden Objektübersicht. Weiterhin kann innerhalb der gewählten Sammlung nach Objekten gesucht werden. Eine gezielte Suche anhand von Schwerpunkten steht noch aus.

Themen suchen

Objekte erhalten erst durch ihre historische Fundierung und ihren zeitlichen Zusammenhängen eine Bedeutung. Diese lassen sich hier aus entsprechenden Erläuterungen im Beschreibungsteil der einzelnen Objekte finden. Weil sich Zusammenhänge am besten über Themen erschließen lassen, bietet „Museum digital” auch einen Zugang über Themen an. Aktuell (Stand 27.Mai 14) sind folgende Themen abrufbar:

– Über die Grenze – Zwischen Sachsen und Brandenburg
– Anton Graff (1736-1813). Meisterporträts der Aufklärung – Original, Kopie, Druck
– moderne_digital
– Frieden in Gold, Silber und Kupfer
– Friedrich, unser Held – Gleim und sein König
– Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert
– Archäologie der anhaltischen Fürsten

Der Schwerpunkt der anhaltinischen Geschichte ist damit zu begründen, dass mehr als
11 000 Exponate aus Museen in Sachsen-Anhalt stammen, wo das Projekt „Museum digital” 2009 seinen Ursprung hatte (wikipedia: Museum-digital).

Lohnt sich der „Besuch”?

Die Plattform „Museum-digital” hat sich zum Ziel gesetzt, museale Sammlungen aus ganz Deutschland verfügbar zu machen. Leider spricht einen die Website auf den ersten Blick kaum an, kommt sie doch sehr nüchtern daher. Daran wird sich der Historiker vermutlich weniger stören als minder geschichtlich Versierte. Die Themenfunktion ist zwar schön, doch sehr eingegrenzt und regional unausgeglichen. Auch sonst sind die Objekte in ihrer Gesamtheit geographisch recht unvollständig. Doch darf dabei auch nicht vergessen werden, welch Aufwand hinter solch einer Zusammenführung steckt und dafür die Anzahl der bisher vereinten Exponate durchaus erstaunlich ist.

Somit erfüllt „Museum-digital” nicht den Wert eines Museums als Erlebnisort, steht aber einer Alternative zum Vor- und Nachbereiten in nichts nach. Ebenso können aufgelistete Objekte für entsprechende Unterrichtseinheiten als Anschauungsmaterial zur historisch korrekten, schnellen und dankbaren Ergänzung für den Unterricht bereitgestellt werden.

Zudem scheint der Ansatz der Plattform auch noch ein anderer zu sein. So weist „Museum-digital“ auf den kaum zu verhindernen Platzmangel hin, der es den wenigsten Museen erlaubt, alle verwahrten Objekte gleichzeitig auszustellen und konstatiert: „Auf diesen Seiten präsentieren Museen gemeinsam ihre Objekte, um mehr von den ‘Schätzen‘ zu zeigen, als in ‘vier (acht, zwölf, …) Wänden‘ möglich ist.” Ein tolles Projekt, dem man seine Weiterentwicklung nur wünschen kann.

Titelbild: ©Lance Bellers/shutterstock.com