Duden: Unnützes Sprachwissen – Teil II

Im zweiten Teil unserer Reise durch die deutsche Sprache haben wir sechs neue Kuriositäten ausgegraben. Manche nennen sie unnütz, wir finden sie höchst unterhaltsam.

Wie bereits im ersten Teil haben wir im Duden-Buch „Unnützes Sprachwissen“ geblättert und sind auf lustige, spannende und verblüffende Weisheiten über die deutsche Sprache gestoßen.

1. Begriffe aus der Druckersprache

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Im Online-Zeitalter sind die Begriffe mittlerweile weniger geläufig. Jede/r halbwegs ambitionierte Journalist/in lernt sie jedoch heute noch. Hätten Sie’s gewusst?

Hochzeit: Doppelt gesetztes Wort
Hurenkind: die letzte Zeile eines Absatzes als erste Zeile einer Zeile oder Spalte
Leiche: fehlender Buchstabe oder fehlendes Wort
Schusterjunge: die erste Zeile eines Absatzes als letzte Zeile einer Seite oder Spalte
Zwiebelfisch: ein in einer anderen Schriftart als der restliche Text gesetzter Buchstabe

2. Jiddische Wörter im deutschen Sprachgebrauch

1100 Wörter sammelte der Wissenschaftler Hans Peter Althaus in seinem Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft. Wahrscheinlich gelangten die jiddischen Worte durch Alltagskontakte mit jüdischen Händlern und Schlachtern, den vorherrschenden Berufen unter den Landjuden, ab dem 16. Jahrhundert in die deutsche Sprache. Hier ein paar Beispiele:

Deutsch Jiddische Woerter



3. Wie schreibt man noch…?

Es gibt Fragen, die immer wieder bei der Duden-Sprachberatung landen. Ganz ehrlich, bei allen Schreibvarianten wären wir uns auch nicht sicher gewesen. Die richtige Antwort steht hinter der Frage.

G8-Gipfel oder G-8-Gipfel? Beides ist möglich.
Ende diesen Jahres oder Ende dieses Jahres? Ende dieses Jahres.
Gewinn- und Verlustrechnung oder Gewinn-und-Verlust-Rechnung? Gewinn-und-Verlust-Rechnung.
Es ist zwei Jahre her oder es sind zwei Jahre her? Es ist zwei Jahre her.
email,e-Mail oder E-Mail? E-Mail.
Herr Max Mustermann oder Herrn Max Mustermann in der Briefanschrift? Herrn Max Mustermann.
Herzlich Willkommen oder Herzlich willkommen? Herzlich willkommen.

4. Zwei Aussprachen – eine Bedeutung

Das kennen Sie sicher auch: Der Gesprächspartner sagt ein Wort und Sie zucken innerlich zusammen und denken: „Spricht man das nicht anders aus?“ Der Duden findet dafür schöne Beispiele.

Jazz: Jats oder Dschäs
Lotion: Lozion oder Louschn
Pension: Pension oder Pangsion
Revers: Revers oder Rewähr
Zylinder: Zilinder oder Zülinder

5. -us und der eigenwillige Plural
Wo wir gerade bei beliebten Diskussionsthemen sind: Kennen Sie den Plural von Genus? Ist es Geni, Genus oder doch Genera? Die Tabelle gibt Aufschlus(s).

-us-Plural



6. Alte englische Redewendungen in neuem deutschen Gewand

Wer ganz genau darauf achtet, erkennt die kleinen aber feinen sprachlichen Wendungen, die sich aus dem Englischen ins Deutsche geschlichen haben. Sie sehen also, nicht nur deutsche Worte werden gerne ins Englische übernommen. Der Prozess geschieht auch umgekehrt – macht ja Sinn!

  • „Macht keinen Sinn“ kommt aus dem Englischen als „makes no sense“. Ursprünglich kennen wir die Wendung als „ergibt keinen Sinn“ im Deutschen.
  • Anstelle von „immer öfter“ und „immer mehr“ wird mittlerweile auch gerne mal „wieder und wieder“ und „mehr und mehr“ verwendet.
  • „Ist kein Unterschied“ wurde zu „macht keinen Unterschied“ von „makes no difference“.
  • Und aus „eigentlich nicht“ wurde mit „not really“ das deutsche Pendant „nicht wirklich“.



Titelbild: ©opicobello/shutterstock.com

Wir freuen uns über weitere sprachliche Weisheiten von Ihnen im Kommentarfeld!