Elektronisches Klassenbuch: SMS an Schwänzer

2012 verkündete die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheers, dass sie mit dem elektronischen Klassenbuch dem Schulschwänzen in Berlin entgegenwirken wolle. Zehn Berliner Schulen sollten in einem Pilotprojekt das digitale Klassenbuch testen. Nun ist nur das Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtecknik Berlin von den ursprünglich zehn Pilotschulen übrig geblieben. Wir haben uns mit Schulleiter Roland Rahmig unterhalten.

„Franz versäumt heute den Unterricht. Bitte setzen Sie sich mit der Schule in Verbindung“, so würde eine SMS lauten, die die Eltern von dem minderjährigen Schülers des Oberstufenzentrums Kraftfahrzeugtechnik Berlin bekämen, wenn dieser nicht zum Unterricht erscheinen würde. Wäre er bereits volljährig, würde diese Kurzmitteilung auf seinem Handy eintreffen. „Der Text soll eine Aufforderung zum Schulbesuch und zu einem Gespräch über Bildungsziele und -erfolg sein”, erklärt uns der Schulleiter Ronald Rahmig in einem Interview. Bis jetzt hätte das Oberstufenzentrum bereits einige Dutzend solcher SMS versandt.

Modellprojekt gegen Schulschwänzer

Dass es zum Versenden solcher Nachrichten kommt, ist dem elektronischen Klassenbuch zu verdanken – ein Modellprojekt. In zehn Berliner Schulen sollte das Pilotprojekt anlaufen, nachdem 2012 die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) laut Süddeutscher Zeitung der erschreckend hohen Schulschwänzerzahl auch an Berufsschulen den Kampf ansagen wollte: Denn schnelles Eintragen von Fehlzeiten und Reagieren auf schwänzende Schüler durch eine SMS ist mit dem elektronischen Klassenbuch möglich. Von den zehn Modellschulen hat zunächst nur das Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtechnik am Modellversuch festgehalten und testet das digitale Klassenbuch nun seit ein paar Monaten in ausgewählten Klassen.

Gratis Zugang für Lehrkräfte
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„Wir haben daran festgehalten, weil wir in dem elektronischen Klassenbuch ein Instrument sehen, welches durch verbesserte Kommunikation der Lehrkräfte untereinander den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler erhöhen könnte”, so Rahmig. Warum die anderen Schulen das Modellprojekt nicht weiter verfolgen, wisse er nicht.

Datenschützer gegen das elektronische Klassenbuch

Verzeichnet werden im digitalen Klassenbuch die Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler sowie die Abwesenheit, besondere Bemerkungen und der Unterrichtsinhalt. Es ersetze damit nur das Papierklassenbuch, so Rahmig. „Alle unterrichtenden Lehrkräfte und alle Schülerinnen und Schüler nehmen freiwillig an dem Projekt teil.” Auch haben sie der Nutzung ihrer Mobilnummern zugestimmt.

Wegen genau dieser Daten meldete sich jedoch während der Diskussionen um das elektronische Klassenbuch 2012 die Piratenpartei zu Wort. Wie Spiegel online berichtete, äußerte sich der damalige bildungspolitische Sprecher der Piratenpartei Martin Delius zu dem elektronischen Klassenbuch mit den Worten: „Aus der Erfahrung der letzten Jahre mit ähnlich großen Datenmengen wissen wir, dass Sicherheit nicht zu gewährleisten ist.“ Auch der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix machte seine Skepsis in einigen Punkten deutlich. Laut Spiegel online forderte er vor der flächendeckenden Einführung des elektronischen Klassenbuchs vom Senat ein Datenschutzkonzept.

Unbestimmte Zukunft des elektronischen Klassenbuches

Informationen zum Datenschutzkonzept sind nicht zu finden. So kann davon ausgegangen werden, dass die Politik sich zum Thema Elektronisches Klassenbuch in Berlin noch nicht wieder zu Wort gemeldet hat.

Auch Rahmig ist sich nicht sicher, wie die Zukunft des elektronischen Klassenbuches aussehen wird, das Projekt werde aber intensiv evaluiert. „Ich gehe davon aus, dass das elektronische Klassenbuch sich als ein sinnvoller Baustein im Kampf gegen Schuldistanz und für Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern etablieren wird”, so der Schulleiter. Bevor es keine weiteren Änderungen gibt, wird die Schülerschaft des Oberstufenzentrums Kraftfahrzeugtechnik Berlin beim Fernbleiben vom Unterricht also weiterhin Kurzmitteilungen auf ihr Handy bekommen.

 

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