Flipped Classroom: „,Digital Natives‘ ist eine der größten Lügen“

Im Workshop zum Berliner Flipped-Classroom-Projekt berichteten zwei externe Lehrer von ihren Erfahrungen mit der Flipped-Classroom-Methode.

Erfahrung mit Flipped Classroom Sebastian Schmidt

Sebastian Schmidt bei seinem Vortrag

Wieder waren alle Beteiligten des Flipped-Classroom-Projekts bei dem Workshop am 13. Juni in der Evangelischen Schule Berlin Zentrum vertreten: Die Bertelsmann Stiftung, sofatutor, die Pädagogische Schule Heidelberg und die drei Berliner Schulen. Die drei Vorträge und eine anschließende Praxisphase garantierten einen regen Austausch zum Thema Flipped Classroom.

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Keine Chance für Ausreden

In seinem Vortrag machte Mathelehrer Sebastian Schmidt vor allem die Vorteile des Konzepts deutlich. Er setzt seit mehr als zwei Jahren das Flipped-Classroom-Konzept um und ist sichtlich begeistert. Mit der Unterrichtsmethode spreche er die verschiedenen Lerntypen an. Er höre kaum noch Ausreden für vergessene Hausaufgaben und keine Beschwerden von Eltern. Was er durch die Flipped-Classroom-Methode gelernt habe? Er wisse nun, was eine richtige Feedbackkultur sei und dass Schülerinnen und Schüler bzw. die Generation„Digital Natives” nicht von Natur mit Technik umgehen können. So müssen sie an das Lernen mit den digitalen Medien herangeführt werden.

„Fangen Sie an!“

Erfahrung mit Flipped Classroom Felix Fähnrich

Felix Fähnrich bei seinem Vortrag

Auch Felix Fähnrich kann schon mehrjährige Erfahrung im Unterrichten mit dem Flipped-Classroom-Modell vorweisen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Carsten Thein, erstellt Felix Fähnrich die Erklärvideos für seinen Unterricht. Er gab den Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern in seinem Vortrag Praxistipps für das Erstellen eigener Videos an die Hand: „Fangen Sie an. Machen Sie es schnell. Machen Sie es dreckig – auf Englisch „quick and dirty” – Machen Sie es so kurz wie möglich. Lassen Sie Fehler zu, das erste [Video] muss kein Hochglanzprodukt sein.“

Zu viele Videos erzeugen Langweile

Aber was ist zu tun, wenn die Schülerinnen und Schüler irgendwann einfach keine Videos mehr sehen wollen? Die Frage der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer beantwortete Prof. Dr. Christian Spannagel. Er machte deutlich, dass es sogar bei manchen Themen hinderlich sei, Videos einzusetzen. Die Gefahr bei der Umsetzung des klassischen Flipped Classrooms: Das selbstentdeckende Lernen geht verloren. Aus diesem Grund sei eine genaue Planung des Lernprozesses unbedingt notwendig.

Videoeinsatz als Lernziel

Erfahrung mit Flipped Classroom Christian Spannagel

Christian Spannagel bei seinem Vortrag

In seinem Vortrag „Lernprozessgestaltung” zeigte er auf, wie die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer den Einsatz von Medien insbesondere von Videos im Unterricht planen können. Dabei besteht laut Spannagel der erste Schritt darin, das Lernziel zu definieren. Im zweiten Schritt sollen die Lehrkräfte die Lehrmethode und im letzten Schritt die zu verwendenden Medien durchdenken. So können die Lehrerinnen und Lehrer schon während der Planung feststellen, ob ein Medium z. B. ein Video in einer bestimmten Unterrichtseinheit sinnvoll ist.

Das Projekt wird unterstützt vom ERASMUS+ Programm der Europäischen Kommission.

Was sonst noch geschah

Vom 14. bis 15. April 2015 war sofatutor auf der internationalen Flipped Classroom Konferenz in Reykjanesbaer, Island. Gastgeber war das Ausbildungsinstitut Keilir – Atlantic Center of Excellence. Als Speaker konnten die Flipped-Classroom-Pioniere aus den USA, Jonathan Bergmann und Aaron Sams, gewonnen werden. Die Konferenz war Teil des Projektes „FLIP – Flipped Learning in Praxis”, welches vom Erasmus-Programm der Europäischen Kommission gefördert wird und an dem sofatutor.com als deutscher Partner beteiligt ist.





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