Fortbildungen – das Trainingslager für Lehrkräfte

Dreimal hat Maximilian Lämpel in diesem Schuljahr schon an Fortbildungen teilgenommen. Leider hat er dabei ziemlich frustrierende Erfahrungen gemacht.

Sondierungsgespräche

Als die Sondierungsgespräche der Parteien noch in vollem Gange waren, habe ich mich jeden Tag über den Verhandlungsstand informiert. Als vor etwa drei Wochen, wie immer in allen Sondierungsgesprächen, von signifikanten Investitionen ins Bildungssystem die Rede war, war ich zufrieden. Und noch zufriedener wurde ich, als ich über das Bekenntnis stolperte, man wolle die „Qualität der Weiterbildung steigern“. „Na endlich!“, habe ich gedacht. „Das tut auch Not!“ Ich bin mir zwar relativ sicher, dass niemand der anwesenden Verhandelnden dabei an Lehrerinnen und Lehrer gedacht hat, und ja, ich kenne den Unterschied zwischen Fort- und Weiterbildung, aber weil ich in letzter Zeit viele Fortbildungen besucht habe, bin ich ganz hellhörig geworden und das hat Gründe:
Seitdem mein Stundenplan montags mal wieder eine Unverschämtheit ist, und da ich als Ausweichmöglichkeit nicht ständig Exkursionen machen kann, habe ich in diesem Schuljahr die Montagsflucht-Variante „Fortbildung“ ausprobiert. Dreimal schon seit Anfang September. Fortbildungsbesuche als Fluchtstrategie sind ein fragwürdiges Unterfangen. Aber solange mein Schulleiter mitspielt, werde ich weitermachen. Ich habe bei diesen Fortbildungen nette Menschen kennengelernt und fruchtbare Austausche mit fremden Kolleginnen und Kollegen erlebt. Und überhaupt gibt es tolle Fortbildungen, keine Frage, ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder was mitnehmen können. Ich plädiere aber trotzdem sehr dafür, die Qualität zu steigern. „Also Jamaika, mach mal!“, hatte ich noch gedacht. Leider waren meine drei Fortbildungen in diesem Schuljahr nämlich echt schlecht. Dann muss da jetzt anscheinend aber leider die nächste Regierung ran.

Juchu, Stuhlkreis, Vorstellungsrunde!

Es geht schon damit los, dass bei allen drei Fortbildungen am Anfang eine elend lange Vorstellungsrunde zelebriert wurde. Im Stuhlkreis, versteht sich. Und in einem Fall sollte man sich dabei ganz unironisch einen Ball zuwerfen. Nur wer den Ball hatte, durfte reden. Bei meiner letzten Fortbildung sollten wir außerdem eine Geschichte zu unserem Namen erzählen. Wenn zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer erzählen, warum sie heißen, wie sie heißen, dann dauert das quälend lang, es ist gähnend langweilig und es bringt niemandem etwas. „Aha, interessant, dass haben sich Ihre Eltern also dabei gedacht, ihren Sohn Maximilian zu nennen, soso.“ Weil auf meinem Hinweg eine U-Bahn ausgefallen war, ich eine Weile laufen musste und deshalb über eine Stunde zum Ziel brauchte, saß ich da nun ziemlich verschwitzt und fragte mich, ob sich die Hetzerei für diese Namensfindungsgeschichten gelohnt hatte. Hatte sie sich nicht.
Es ist im Pädagogenmileu, dem ich mich berufsbedingt zugehörig fühle, eine ärgerliche Unsitte zu glauben, man würde nur miteinander auskommen oder, mindestens genauso fragwürdig, nur etwas lernen, wenn man sich kennt und nett findet. Oder was soll das immer mit diesem ewigen Vorstellen?

Bunte Zettel, bunte Stifte

Und dann werden fast immer Gruppen gebildet. Kein Problem, man hat sich ja nun nett kennengelernt. In diesen Gruppen soll man dann je nach Thema der Fortbildung und genauem Arbeitsauftrag gemeinsam mit buntem Edding Stichworte auf bunte Zettel schreiben: „Binnendifferenzierung“, „hohe Schüleraktivität“ usw. Irgendwie sind es am Ende doch nur immer wieder die Basics. Dann bringt man die Zettel mit Magneten an eine Tafel, erläutert, was man sich dabei gedacht hat und währenddessen entfaltet sich das übliche Fortbildungsprozedere: Hoppla, ein Zettel ist runtergefallen! Und, oha, eine andere Gruppe hat – das gibt’s doch nicht – fast genau die gleichen Stichwörter aufgeschrieben! Sämtliche Ausführungen werden von den Leiterinnen und Leitern mit unaufhörlichem Nicken begleitet und freundlich kommentiert. Dann gibt es eine Pause und am Ende eine Diskussion, die dann, abhängig von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, voll gut bis gar nicht gut sein kann. Und dann sind drei Stunden rum.

Pädagogen-Missverständnis

Ich will nicht unhöflich sein. Und ganz sicher ist das Handwerkszeug aus der Grundschulpädagogik eine gute Erfindung. Für Grundschulen. Und von mir aus auch für die Sekundarstufe I. Kann ja jeder machen, wie er will. Mir fällt es aber echt schwer einzusehen, warum Menschen, die viele Jahre studiert und meist ordentlich Berufserfahrung haben, mit solchen Dingen ihre Zeit verplempern sollten. Schon ein paar Seiten in wissenschaftlichen Aufsätzen zu lesen, um sich auf den neuesten Stand zu bringen, wäre wesentlich substanzieller gewesen und hätte ungemein Zeit gespart. Das würde die Grundlage für gehaltsvollere Abschluss-Diskussionen legen, aus denen man im Idealfall am meisten mitnimmt. Und, es tut mir leid, aber ich kann auch die Ausrede vom pädagogischen Doppeldecker nicht gelten lassen, auf den sich schon mal ein Fortbilder berief, nachdem ich Kritik geübt hatte. Mal abgesehen davon, dass es beim Doppeldecker darum geht, eine Methode theoretisch zu lernen, während man sie gleichzeitig praktisch erlebt, und Inhalt und Methode bei dieser Fortbildung mitnichten Hand in Hand gingen. So fragte ich mich, wie er glauben konnte, die Anwesenden müssten diese „Methoden“ noch erlernen. Als hätte man als Lehrkraft nicht schon hundertmal in Vorstellungsrunden sitzen müssen. Als sei nicht schon das halbe Referendariat eine einzige Vorstellungsrunde gewesen. Und ständig sollte man was auf bunte Zettel schreiben und mit Magneten irgendwo dranhängen.
Gerade fällt mir allerdings ein, dass es auch sein könnte, dass die Fortbildungen, auf denen ich nichts gelernt habe, deshalb so gehaltlos waren, weil die Veranstalterinnen und Veranstalter auch nur ihren Montagen in der Schule entkommen wollten. Da sollte ich als Glashaussitzer besser die Klappe halten.

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Titelbild: © Jacob Lund/shutterstock.com