Führerschein für Grundschüler. Wo gibt’s denn so was?

An der Stellbergschule in Homberg, Hessen zum Beispiel. Dabei handelt es sich aber nicht um einen PKW- Führerschein – sondern um einen für Ernährung. Doch das ist längst nicht alles. Die Stellbergschule hat noch so Einiges zu bieten. Für die Schulleiterin Birgit Kieburg ist eines besonders wichtig: Die Schule soll ein Lebensraum für die Kinder sein, in dem sie sich wohl fühlen und entwickeln können. Dafür verzichtet die Direktorin auch gerne auf neue Büromöbel, die ihr zum „Amtsantritt” zugestanden hätten – und baut mit dem Geld und der Hilfe ihrer Kollegen lieber einen Ruheraum für die Schüler.

Veränderung lebt vom Mitmachen

Birgit Kieburg ist seit August 2013 Schulleiterin der Stellbergschule. Vorher war sie bereits Konrektorin. Sie möchte ihr Amt nutzen, um noch besser auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen zu können. Dabei erhält sie unglaublich viel Unterstützung von Lehrerkollegen und engagierten Eltern. Die Klassenräume brauchen einen neuen Anstrich? Die Kosten für Farbe werden vom Landkreis Schwalm-Eder, der auch der Träger der Schule ist, übernommen – gestrichen werden muss selbst. Also wird eine Streichaktion geplant, bei der alle zusammen den Pinsel schwingen. So wird es möglich gemacht, neue Farbe in die Räume zu bringen, obwohl der Kreis keinen Maler finanzieren kann.

Auch Räume werden umgestaltet und für neue Projekte genutzt. So ist z. B. gerade ein Klassenraum frei geworden, der nun zum Musikraum umfunktioniert wird.

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Schwerpunkte Musik und Sport

Musical

Musical © Stellbergschule

Musik ist einer der zwei Schwerpunkte der Stellbergschule. Kindern musische Fähigkeiten beizubringen und Musik in den Unterricht einzubinden gehört zum Konzept der Schule. Es gibt auch einen Schulchor. Und jedes Jahr wird ein Musical aufgeführt, zu dem ca. 1.000 Besucher kommen.

Sport ist der zweite Schwerpunkt. Es sind Tennisplätze und andere Sportmöglichkeiten an der Grundschule vorhanden. Dabei gibt es auch eine interne Abmachung mit der anliegenden Gesamtschule. Die Stellbergschule darf deren Sporthallen und Plätze nutzen und umgekehrt. So ist gewährleistet, dass die Kinder sowohl im Sportunterricht, als auch in den Pausen die Möglichkeit haben, sich auszutoben. Dazu kommen Wahlpflichtfächer wie Zumba oder Jonglieren. Das erfordert Platz und die richtige Umgebung.

Jeder Schüler kann sich aus den diversen Wahlpflichtangeboten das Beste für sich selbst raussuchen.

Mit den Augen der Kinder

Damit die Schüler sich wohl fühlen, versucht die Schulleiterin, die Schule durch die Augen der Kinder zu sehen. „Wie würde mir das gefallen, wenn ich acht Jahre alt wäre?”, fragt sie sich dann und hat schon die nächste Idee. In Kürze soll der Keller verändert werden, weil Birgit Kieburg sich gut vorstellen kann, dass er den Kindern etwas Angst macht. „Kennen Sie das noch von sich früher, wenn Sie als Kind eine Flasche Cola aus dem Keller holen mussten und dachten, gleich springt ein Monster aus der Ecke und frisst Sie auf?”, fragt sie uns beim Interview. „Den Schülern wird es da nicht anders gehen, wenn sie mal durch den Keller müssen.”

Auch die Eltern helfen bei solchen Aktionen immer fleißig mit. Die Stellbergschule ist für ihre Vorschläge und das Engagement dankbar. Nur so kann der Schulalltag noch besser auf die Kinder abgestimmt werden.

So gibt es z. B. eine Mutter, die ehrenamtlich einmal pro Woche in die Schule kommt und den Kindern alles rund um’s Thema gesunde Ernährung beibringt. Sie selbst ist in diesem Bereich Expertin und möchte ihr Wissen aus dem Beruf an die Kinder weitergeben.

So entstand auch die Idee für den „Ernährungs-Führerschein”. Die Kinder lernen dort in den vier Schuljahren alles über gesunde Ernährung – und wenden es gleich beim Kochen an. Nach der vierten Klasse haben sie dann den Führerschein bestanden.

Auch die Idee mit der „Schulmilch” stammt von jener Mutter. Sie hat mit den Bauern aus der Region gesprochen und die beliefern nun die Schule zweimal in der Woche mit frischer Milch. Diese wird dann mit frischen Früchten oder Schokolade zu einer besonderen Erfrischung für die Schüler. Die freuen sich und lernen gleichzeitig, dass gesund auch lecker sein kann.

So ein Zirkus

Zirkus

Zirkusprojekt © Stellbergschule

Als ob das Alles nicht schon genug wäre, gibt es an der Stellbergschule auch noch ein Zirkusprojekt. Dies ist eine Projektwoche mit dem „Zirkus Oskani”. Die Schüler haben die Möglichkeit, Kunststücke einzuüben und vorzuführen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und bietet eine tolle Möglichkeit, Fähigkeiten zu entdecken und zu fördern.

Die Stellbergschule bemüht sich um ein vielseitiges Angebot für ihre Schüler. Das können Wahlpflichtfächer wie Schach, Jonglieren, Flöte oder Musical sein, aber auch diverse Sportaktivitäten. Darüber hinaus gestalten die Lehrer den Unterricht an sich interessant und abwechslungsreich, damit die Kinder Spaß am Lernen haben. Durch eine kinderfreundliche Atmosphäre gewährleistet die Schule, dass sich die Kinder sich an dem Ort, an dem sie einen Großtteil ihrer Zeit verbringen, wohlfühlen und entfalten können.

Titelbild: Stellbergschule+Schulhof ©Stellbergschule